Killerspiele-Verbot

Heute hat die VollpfostenMinisterkonferenz in Bremerhaven den Beschluss gefasst, die Herstellung und Verbreitung so genannter “Killerspiele” zu verbieten, um somit weiteren Amokläufen an Schulen vorzubeugen. Das ganze klingt erstmal sehr edel, ist aber beim genaueren Hinsehen absolut idiotisch. Ganz davon abgesehen, dass es genügend Quellen geben wird, wo man solche Spiele statt im offiziellen Handel erwerben kann, spricht doch die Vernunft eines normalen Menschen, der mit einem IQ höher als 80 gesegnet ist, dass man mit so einem Verbot gar nichts erreicht, außer ein bisschen für populistische Schlagzeilen zu sorgen.

Jeder, der bei der Bundeswehr ist, ein Polizist ist oder sich in einem Schützenverein betätigt (ich werde diese Aufzählung der Einfachheit weglassen und allgemein von “Schützen” schreiben), weiß, wie schwer es ist, mit einer Waffe umzugehen, wenn man nicht darin geübt ist. Für einen Laien ist es sehr schwer, bspw. mit einer Pistole um sich zu schießen und jemanden gezielt zu treffen (wenn überhaupt jemand getroffen wird). Hingegen haben Schützen eine entsprechende Ausbildung, mit solchen Waffen umzugehen.

Betrachten wir einmal den Killerspielespieler: davon gibt es tausende in unserem “schönen” Deutschland. Wenn man einen Persönlichkeitstest aller Killerspielespieler durchführen würde, würde man sogar feststellen, dass der größte Teil ganz normal ist, ohne bemerkenswertes bzw. überdurchschnittliches Aggressionspotential. Weiterhin ist das einzige Werkzeug eines Killerspielespielers der Klick auf die linke Maustaste. Da gibt es keinen Rückstoß und das Zielen ist einfacher.

Klar, es gibt das Argument, dass Killerspiele durchaus das Potential haben, den Einzelnen gegenüber Verletzungen und Mord/Totschlag abzustumpfen – oder Aggressiv zu machen. Aber dieses Argument geistert schon seit Ewigkeiten durch die Welt der düsteren Legenden und wird immer dann gebraucht, wenn irgendwelche Leute, die viel von sich halten, aber nix in der Birne haben, mit irgendwelchen Dingen nicht umgehen können. Dieses Argument wurde auf Musik angewendet, auf Filme, vielleicht sogar vor vielen Jahrhunderten schon auf Schach. Heute sind es eben die virtuellen Welten, in denen Schlachten gegen das Böse geschlagen werden.

Dabei ziehen diese Hohlbirnen aber nicht die Möglichkeit in Betracht, dass es gar nicht auf die Freizeitgestaltung ankommt, wie sich eine Persönlichkeit eines Menschen entwickelt. Sondern es ist ein gesellschaftliches Problem, welches durch Verbote oder große Reden nicht besänftigt wird, sondern es im schlimmsten Fall sogar noch vergrößert.

Kommen wir aber zurück zum Thema: was unterscheidet nun einen Schützen von einem Killerspielespieler? Außer, dass der Killerspielespieler eine viel coolere Bezeichnung hat, ist der Schütze im Umgang mit echten Waffen geübt. Und ich denke, diese Tatsache ist ein sehr wichtiger Punkt. Die weitere Stufe ist nun die Aggregation von Killerspielespielern und Schützen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es davon auch eine Menge gibt. Aber wenn man sich mal die Täter von Amokläufen mit Schusswaffen anschaut, waren sie alle im Schützenverein, waren Waffennarren oder haben eine anderweitige Ausbildung an Schusswaffen genossen. Die wenigsten haben Killerspiele gespielt. In den meisten Fällen, in denen Amokläufer auch diese Spiele gespielt haben, konnte nicht mal wirklich ein schlüssiger Bezug zwischen Spielen und Tat hergestellt werden – außer natürlich, dass sich solche Spiele im Besitz des Täters befanden.

Doch weil man die Lobby der Waffenindustrie und der Schützen nicht verärgern möchte, nimmt man lieber die weitaus harmloseren Industriezweige aufs Korn und schiebt diesen dann den schwarzen Peter zu. So einfach ist das: denn was noch nicht traditionsgebunden ist, lässt sich auch schneller und einfacher wieder verdrängen.

Wer jetzt also behaupten möchte, dass ein Killerspielespieler eine höhere Gefahr darstellt, als jemand, der im Umgang mit Waffen geübt ist und ohne größere Umstände an Schusswaffen heran kommt, den bitte ich, von der Lektüre meines Blogs abzusehen und sich lieber wieder der BILD-Zeitung zu widmen, sofern die nicht schon zu anspruchsvoll für ihn ist. Allen anderen sage ich, dass ein Amokläufer keine “Übung” durch Computerspiele benötigt, um seine Tat zu begehen.

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2 Inschriften zu “Killerspiele-Verbot”

  1. Da gibt es eigentlich nicht viel, dass noch groß gesagt werden muss. Seltsam ist nur, dass ich für mein Hobby, dass ich nach der Schule mache, bestraft werden könnte: Ein paar Befehle in einen Texteditor eingeben -.-

  2. Also ich muss auch sagen, sehr guter Bericht deinerseits.
    Alles was mir dazu noch einfällt, sind die Studien, die in diese Richtung bereits mehrfach vorgenommen wurden, aber nicht Publiziert (oder zu wenig) wurden, dass sie eben nicht dem Bild der Politik entsprechen. Denn keine Studie beweißt, dass das Gewaltpotential oder die Gewaltbereitschaft zunimmt indem man “Killerspiele” spielt.

    Bisher habe ich nur von einer Studie gelesen, die zeigt, dass Computerspielen gut für die Augen ist.

    lg max

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