Entscheidungshilfe zur Bundestagswahl 2009

Die Bundestagswahlen stehen vor der Tür und wieder stellt sich einem jeden die Frage: was wähle ich? Ok, nicht jeder stellt sich die Frage, weil er überzeugter Stammwähler einer Partei ist. Aber auch als Stammwähler sollte man die Möglichkeit nutzen, sich darüber Gedanken zu machen, ob die Partei, die er immer blind gewählt hat, überhaupt zu ihm passt.

Ich war früher SPD-Wähler. Als es 2002 darum ging, Stoiber zu verhindern, war ich vorne dabei! Doch meine Begeisterung für die SPD währte nicht lange. Spätestens als ich angefangen habe, Jura zu studieren und mich mehr mit Politik beschäftigt habe, habe ich erkannt, dass die SPD gar nicht so wirklich zu mir passt. Seitdem habe ich mich auf die Seite der Ungültigwähler begeben.
Der eine oder andere, der nicht so viel über Wahlen weiß, wird sich jetzt evtl. fragen, warum ich dann überhaupt erst zur Wahl gegangen bin. Inzwischen frage ich mich das auch, denn ich war dem verbreiteten Irrtum aufgesessen, dass auch die ungültigen Stimmen in das Wahlergebnis mit eingerechnet werden. Aber letztendlich werden ungültige Stimmen so gezählt, als wäre man gar nicht zur Wahl gegangen. Ein Grund mehr, sich doch für eine Partei zu entscheiden.

Und nun zum Thema. Ich habe mir im Laufe der Jahre Gedanken über die einzelnen etablierten Parteien gemacht und festgestellt, dass sie mehr oder weniger unwählbar sind. Ich versuche hier aus meiner Sicht über diese Parteien Empfehlungen auszusprechen, habe dabei aber ganz eigene Prioritäten, was die Inhalte der Parteien angeht.

Nehmen wir mal die CDU. Neben gewöhnlichen Skandälchen wie Schwarzgeldkassen, Spenden-Affären und einzelner rechtspopulistischer Äußerungen (bspw. durch Roland Koch, Günther Oettinger und viele mehr) ist die CDU heute verantwortlich für den fortschreitenden Grundrechteabbau. So wird unsere Privatsphäre durch verdachtsunabhängige Vorratsdatenspeicherung, Videoüberwachung, das neue BKA-Gesetz, erweiterte Rechte für den Verfassungsschutz (wie Handy-Ortung) und vieles mehr immer weiter beschnitten. Auch das (vom Sinn her eigentlich löbliche) von Ursula von der Leyen eingeführte Zugangserschwernisgesetz, welches sich (zunächst) vorrangig auf dokumentierten sexuellen Kindesmissbrauch (“Kinderpornografie”) im Internet bezieht, ist ein gefährliches Instrument, da hier keine richterliche Prüfung stattfindet und eine Zensurinfrasturktur geschaffen worden ist, die sich eben nicht nur auf “Kinderpornografie” beschränken wird (von Seiten der CDU wurden schon umfassende weitere Begehrlichkeiten geäußert).
Die CDU war auch diejenige, die sich für den Krieg in Afghanistan ausgesprochen hat, auch indem sie nach 9/11 den USA eine uneingeschränkte Solidarität zusichern wollte.
Selbst bei der Umweltpolitik, insbesondere beim Ausstieg aus der Atomkraft, sind der CDU Vorwürfe zu machen. Die CDU ist nunmal eine Partei, die sich gerne an den Wünschen der Wirtschaft orientiert – was auch dazu geführt hat, dass das geplante verschärfte Datenschutzgesetz (welches aufgrund der etlichen Datenskandale verfasst wurde) letztendlich im Großen und Ganzen gescheitert ist.
Meine Empfehlung: diese Grundrechtszersetzer nicht wählen!

An zweiter Stelle steht die Verräterpartei SPD. Sozialdemokratisch ist was anderes, aber das will ich gar nicht erst thematisieren. Denn die SPD ist genau so sozialdemokratisch, wie die CDU christlich: nämlich gar nicht. Die SPD war mit Otto Schily Wegbereiter der heutigen Grundrechtsaufweichungen. Schily hatte damals schon den elektronischen Reisepass mit biometrischen Daten angeregt. Auch größere Überwachungsmaßnahmen unter dem Vorwand der Terrorabwehr wurden eingeführt. Die SPD hat ebenfalls für die verdachtsunabhängige Vorratsdatenspeicherung gestimmt, obwohl große verfassungsrechtliche Bedenken bestanden. Aussage einzelner SPDler war: Karlsruhe wird es schon richten. Dasselbe gilt auch für das Zugangserschwernisgesetz. Auch hier hat die SPD trotz verfassungsrechtlicher Bedenken dafür gestimmt und am Ende darauf verwiesen, dass Karlsruhe es schon richten würde.
Wenn ich wüsste, dass ein Gesetz verfassungsrechtlich problematisch ist, dann würde ich doch nicht dafür abstimmen…
Meine Empfehlung: diese Verräterpartei nicht wählen!

Zur FDP kann ich sagen, dass sie sich eigentlich sehr gut in der Opposition gemacht haben. Sie haben gegen die Vorratsdatenspeicherung, gegen das Zensurgesetz und gegen viele weitere Überwachungsmaßnahmen gestimmt. Sie setzen sich für Bürgerrechte ein und machen große Versprechungen. Aber die FDP steht auch für eine Markt- und Finanzwirtschaft, die erst kürzlich dafür gesorgt hat, dass die weltweiten Finanzmärkte zusammengebrochen sind. Da können sie noch so gute Vorsätze haben, aber eine Finanzkrise reicht. Mit der FDP in der Regierung droht uns der nächste Kollaps. Zumal die FDP auch dafür bekannt ist, sich wie ein Fähnchen im Wind zu drehen. Es kann also gut sein, dass die guten Vorsätze innerhalb der Koalitionsvereinbarungen mit der CDU über Bord geworfen werden.
Meine Empfehlung: Mit äußerster Vorsicht zu genießen, also lieber nicht diese Opportunisten wählen!

Ein Lichtblick sind die Grünen. Aber auch hier hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Grünen schon längst von ihren Grundsätzen abgedriftet sind. Beim Zensurgesetz haben sie sich zum großen Teil enthalten, obwohl sie zunächst vermittelt haben, dagegen zu stimmen. Spätestens seit Afghanistan kann man die Grünen auch nicht mehr als Kriegsgegner bezeichnen, schließlich haben sie sich dafür ausgesprochen, dass deutsche Soldaten zum Einsatz nach Afghanistan fahren. Ebenfalls haben sich die Grünen für das Abschießen von Passagiermaschinen im Terrorfall ausgesprochen.
Andererseits sind die Grünen immer noch eine ökologische Bewegung. Sie forcieren den Atomausstieg und setzen sich für erneuerbare Energien ein.
Auch in der Opposition haben sie meistens kräftig ihren Standpunkt vertreten und sind inzwischen auch wieder mehr in Richtung Bürgerrechte gerückt.
Meine Empfehlung: Bedingt wählbar!

Die fünfte Partei im Bunde ist die Linke. Die Linke überrascht oder zumindest erfreut den politisch interessierten immer wieder mit lustigen Ideen, die an sich einen wahren Kern haben, aber oftmals fernab von der Realität stehen. Sie setzen sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein und fordern die Reichensteuer. Außerdem steht die Linke für einen Abzug deutscher Truppen aus Afghanistan und gegen die staatliche Überwachung des deutschen Volkes.
Meine Empfehlung: Bedingt wählbar!

Die inzwischen siebtgrößte Partei in der deutschen Parteienlandschaft ist die erst 3 Jahre junge Piratenpartei. Nachdem die schwedische Piratenpartei mit 7,4% im Juni in das europäische Parlament eingezogen ist (in Deutschland erreichten die Piraten 0,9%) und am 18. Juni 2009 das Zensurgesetz verabschiedet wurde, erhielt die bis zu dem Zeitpunkt ca. 1000 Mitglieder starke Partei einen deutlichen Mitgliederzuwachs, der sich bis heute fast verneunfacht hat (Stand vom 20.09.2009 um 11:40 Uhr: 8700 Mitglieder). Die Piratenpartei steht für einen transparenten Staat (statt des gläsernen Bürgers), setzt sich für freie Bildung und freies Wissen ein. Sie steht für Privatsphäre, Datenschutz, ein faireres Patentrecht und lehnt den Überwachungswahn ab.
Durch die Medien wird über die Piratenpartei gerne behauptet, dass sie sich für die Abschaffung des Urheberrechts und die Legalisierung von Raubkopien einsetze. Dies ist allerdings ein Missverständnis. Das Urheberrecht kann man nicht abschaffen und natürlich sollen auch keine Raubkopien legalisiert werden. Hier geht es allein um eine Reform des Urheberrechts (bzw. des Verwertungsrechts) und um das Recht auf private Kopien. Letztendlich soll der Künstler davon mehr profitieren können, als mit dem bisherigen Modell (wo hauptsächlich GEMA und Musikindustrie davon profitieren).
Negativ in den Schlagzeilen war die Piratenpartei aufgrund der Aufnahme des ehemaligen SPD-Politikers Jörg Tauss, gegen den aufgrund des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird und inzwischen auch Anklage erhoben wurde. Da die Piraten aber am Rechtsstaatlichkeitsprinzip festhalten und ein Urteil nur von einem Gericht gefällt werden sollte, haben sie ihn aufgenommen (vom Parteiengesetz her wäre es sowieso nicht möglich gewesen, ihm die Aufnahme zu verweigern, so lange er nicht verurteilt wurde).
Für negative Schlagzeilen sorgte auch Bodo Thiesen, der sich selbst durch seine Aussagen in die Nähe von Holocaustleugnern brachte. Aber auch hier wurde die Meinung eines einzelnen Mitglieds von den Medien fast zur Parteimeinung, die sich im übrigen von rechten Tendenzen deutlich distanziert, hochstilisiert. Ebenfalls wird dem zweiten Vorsitzenden der Piratenpartei, Andreas Popp, vorgeworfen, dass er einer Zeitung mit rechten Tendenzen ein Interview gegeben hat. Die Empörung ist insofern unverständlich, dass er nur ein Interview gegeben hat und sich selbst nicht für irgendwelche rechten Tendenzen ausgesprochen hat. Er selbst hat inzwischen dazu Stellung genommen und sich nochmals von der politischen Ausrichtung der “Jungen Freiheit” distanziert.
Im Großen und Ganzen sind die negativen Schlagzeilen durch die Medien hochstilisiert worden, weil die Piratenpartei, die dieses Jahr erstmals zur Bundestagswahl antritt, als ernste Gefahr für die etablierten Parteien gedeutet wird.
Meine Empfehlung: Die Piraten sind die Bürgerrechtspartei des 21. Jahrhunderts. Wählen!

Die drittgrößte Partei (von den Mitgliedern her) ist eigentlich gar keine Partei. Die Freien Wähler, die jedoch nur in Brandenburg antreten, haben aufgrund ihrer Größe auch eine Erwähnung verdient. Wer die Möglichkeit hat, die Freien Wähler zu wählen, der sollte hier darauf aufmerksam gemacht sein, dass die Freien Wähler regional sehr unterschiedliche politische Ausrichtungen haben. Das geht von links bis rechts. Vor der Wahl also unbedingt informieren, ob die FWG in der Region wählbar ist. Die FWG empfiehlt übrigens in einigen Regionen, die Piraten zu wählen ;-)
Meine Empfehlung: Vorher informieren – oder lieber gleich die Piraten wählen!

Über die NPD möchte ich nicht viele Worte verlieren. Wer sich dem braunen neofaschistischen Sumpf zugehörig fühlt, ist dort gut aufgehoben. Die Bestrebungen, die NPD zu verbieten, werden inzwischen wieder mehr. Sinnvoll halte ich es nicht. Ich halte die NPD insofern für nützlich, als dass sie auf der einen Seite der Regierung vor Augen führt, dass es ein ernstes Problem in Deutschland gibt, welches unbedingt angegangen werden muss. Auf der anderen Seite ist die NPD so ineffektiv und dumm, dass man froh sein kann, wenn die größten Dummköpfe ihr angehören und somit nicht in anderen Parteien Schaden anrichten können.
Dasselbe gilt übrigens auch für REP und DVU.
Meine Empfehlung: definitiv nicht wählen, aber es gut finden, dass es diese Sammelbecken für Idioten gibt.

Jetzt komme ich noch zu den kleineren Parteien:
Zunächst sei da die ödp (Ökologisch-Demokratische Partei) erwähnt, die immerhin auf 8 Landeslisten vertreten sein wird. Konzeptionell ist die ödp, wenn man mehr auf Ökologie setzt, vermutlich besser als die Grünen.
Meine Empfehlung: wenn man grün wählen möchte, aber nicht die Grünen, dann ist die ödp eine gute Alternative.

Linker als die Linken ist die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), die sich für quasi-kommunistische Verhältnisse einsetzt. Vom Verfassungsschutz wird sie als linksextremistisch eingestuft.
Meine Empfehlung: so gut der Kommunismus in der Theorie auch ist, am Beispiel der Sowjetunion hat sich gezeigt, dass es praktisch nicht funktioniert. Nicht wählbar!

Interessant ist die Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo). Sie setzt sich für die Wiedereinführung der D-Mark ein. Trotz der linken Einstellung (Thesen u.a. von Karl Marx und Rosa Luxemburg werden aufgegriffen) setzt sich BüSo für Atomkraft ein, langfristig verfolgt sie aber Fusionsenergie. Im Großen und Ganzen klingen die Ziele dieser Partei durchaus gut, entbehren aber jeglicher Realität.
Meine Empfehlung: Nicht wählbar!

Zum Schluss möchte ich noch auf die Tierschutzpartei hinweisen. Diese kleine Partei hat bei den vergangenen Wahlen recht viele Stimmen erhalten. Sie setzt sich, ebenso wie die Grünen und die ödp, für einen ökologisch sinnvollen Einsatz von Ressourcen ein, fordert Grundrechte für Tiere und die Umstellung der Bevölkerung auf vegane Ernährung.
Meine Empfehlung: Leider zu extremistisch, deshalb nicht wählbar.

Mein Fazit:
Es gibt viele Parteien, die nicht wählbar sind, etliche, die nur bedingt wählbar sind, was bedeutet, dass man sich hier definitiv nochmal Gedanken machen und Informationen einholen muss. Nur eine Partei ist als definitiv wählbar einzustufen. Dabei handelt es sich um die Piratenpartei. Aber auch hier muss ich jedem nahe legen, sich zu informieren, schließlich soll man sich nicht auf andere verlassen, wenn es um Wahlempfehlungen geht.

Nachdem ich jahrelang ungültig gewählt habe, habe ich die Piratenpartei für mich entdeckt. Sie ist die erste Partei, bei der ich Mitglied geworden bin, weil ich für alle ihre Ziele eintreten und mich mit ihr identifizieren kann. Ich lade auch jeden dazu ein, einmal das Wahlkampfportal zu besuchen, um sich genauer zu informieren: http://klarmachen-zum-aendern.de

Ich möchte dazu noch sagen, dass es sich hierbei allein um meine persönliche Meinung handelt. Mag sein, dass ich bei der einen oder anderen Partei etwas ungenau war und ich erwarte auch nicht, dass man mit meiner Meinung übereinstimmt. Die Kleinstparteien, die auf nur sehr wenigen Landeslisten antreten, habe ich bewusst weggelassen, da es den Rahmen gesprengt hätte. Wer sich über diese Parteien noch informieren möchte, der findet hier eine Übersicht, wer zur Wahl antritt: http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_2009

Update vom 25.09.2009: Neue Erkenntnisse über die Tierschutzpartei mit aufgegriffen und Wahlempfehlung angepasst.

Artikel Informationen

6 Inschriften zu “Entscheidungshilfe zur Bundestagswahl 2009”

  1. Sehr schön geschrieben, hab den Artikel mal ausgedruckt und bei uns aufgehängt :-)

  2. Schöner Artikel. Ich möchte jedoch widersprechen und sagen, das ungültig wählen doch einen Sinn hat. Natürlich ist es für die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag letztendlich egal, ob der Wahlzettel ungültig ist oder ob man nicht wählt, aber es ist eine Zahl, die durch die Wahlbeteiligung erfasst und publiziert wird. Daher ist ein ungültig machen ein Ausdruck des Protestes bzgl. der Politik der existierenden Parteien während man durch den Gang zur Wahl gleichzeitig seine Zustimmung und Anerkennung zu freiheitlichen demokratischen Wahlen zum Ausdruck bringt. Das ist bei Nichtwählern eben nicht der Fall – sie kümmern sich schlicht nicht um das Privileg, das wir uns geschichtlich teuer erkämpfen mussten und auf das andere Ländern noch lange vergeblich warten werden.

    Unabhängig davon stimmt es, dass man durch einen ungültigen Stimmzettel nichts aktiv verändert, sondern sich trotz Anerkennung freiheitlicher Wahlen schlicht enthält und den anderen Stimmen für Parteien somit mehr Gewicht gibt – man verschenkt freiwillig seinen Anteil. Insofern ist ungültig machen zwar nicht sinnlos, aber durchaus etwas dümmlich, weil man effektiv die Entscheidungsgewalt anderen überlässt.

  3. Gute Zusammenfassung einiger stichhaltiger Argumente, zumindest was die “großen” Parteien angeht.

    Zur ödp möchte ich noch hinzufügen, dass sie neben den ökologischen Schwerpunkten auch für Datenschutz/Privatsphäre, mehr direkte Demokratie (Erleichterung von Volksentscheiden/Volksbegehren) und gegen Lobbyismus eintreten. Insofern sind Parallelen zu den Piraten gegeben.

    http://www.oedp.de/aktuelles/pressemitteilungen?mid=6932
    http://www.oedp.de/themen/demokratie-sicherheit/oedp-politik/datenschutz/artikel

    Zur Tierschutzpartei:
    Inhaltlich finden sich deren Ziele in der ödp auch wieder, also hauptsächlich Tier- und Umweltschutz. Insofern löblich.
    Jedoch sind die meisten Vertreter dieser Partei ziemlich ideologisch – die meisten sind Vegetarier und Veganer und haben sich zum Ziel gesetzt, die meisten Menschen in dieser Hinsicht zu missionieren. (Die meisten Leser werden sich an dieser Stelle überlegen, ob sie das wollen ;) )
    Was ich weiterhin kritisch an dieser Partei finde, ist, dass sie der Pharmaindustrie sehr kritisch gegenüber stehen (was ich auch tue) und konsequenterweise die “klassische” Medizin durch alternative und anthroposophische Heilmethoden wie Homöopathie ersetzen wollen.
    Weiterhin werden ihr Verbindungen zu der (in meinen Augen) esoterischen Sekte “Universelles Leben” nachgesagt.
    Insofern auch mit Vorsicht zu genießen, wer sich für Umwelt und Tiere einsetzen will, ist bei der ÖDP besser aufgehoben, da die ohne ideologisches Blendwerk auskommen.

    Was die Piraten angeht, würde ich sie zwar auch derzeit als eine der wenigen “wählbaren” Parteien bezeichnen. Themen wie Datensouveränitit, Patentrechte und (freie) Bildung gehören definitiv zu den drängenden unserer Zeit und sind gerade für die junge Generation wichtig. Hier wäre es beruhigend, eine auf diesen Gebieten kompetente Partei im Parlament zu haben.

    Allerdings finde ich, dass dieser Themenkomplex für die Gestaltung von Gesellschafts- und Arbeitsleben eines Staates nicht ausreicht. Es braucht auch Parteien mit tragfähigen wirtschafts-, sozial- und umweltpolitischen Konzepten. Sicher, die Piraten sind eine junge Partei und es ist legitim, sich programmatische Schwerpunkte zu setzen, die den eigenen Kompetenzen entsprechen.

    Ich persönlich finde es etwas enttäuschend, dass die Piraten zu Themen wie Afghanistan, Hartz4, EU-Vertrag von Lissabon etc. schlichtweg nicht einmal STELLUNG BEZIEHEN. (siehe z.B. im Wahl-O-Mat). Das Vorliegen eigener Vorschläge erwarte ich ja nicht mal.

    Zu bestimmten Fragen finde ich zu große Neutralität nicht angebracht, da es auch Menschen gibt, die ihre Wahlentscheidung davon abhängig machen, wie eine Partei sich bei Abstimmungen zu z.B. solchen Themen enthalten würde. Es ist sicherlich nicht zu erwarten, dass man sich im Bundestag nur über das Urheberrecht und Internetsperren unterhält ;)

  4. Die freien Wähler aus Brandenburg wurden kurz vor der Europawahl vom Bundesverband ausgeschlossen, weil der brandenburgische Landesverband von der ehemaligen Schill-Partei unterwandert wurde. Insofern kann man nur sagen:
    Finger weg davon.

    Quelle: http://www.bar-blog.de/2009/04/04/freie-waehler-schlieszen-landesverband-brandenburg-aus/

  5. “ungültig wählen [...] es ist eine Zahl, die durch die Wahlbeteiligung erfasst und publiziert wird.”

    Das ist ja gerade der Knackpunkt: über diese Zahl wurde noch NIE berichtet, geschweige denn mal ausgewertet, was denn ungültig Wähler so alles auf den Zettel schreiben.
    Also wirklich eine verlorene Stimme.

    Wenn man möchte, dass der Protest richtig gehört wird bzw. dass die Öffentlichkeit und die alten Parteien mal richtig merken, was man möchte, dann bleibt nur eine Alternative: Piratenpartei wählen!

    Gleiches gilt übrigens auch für die Parallelen im Programm der ÖDP. Die ÖDP zählt zu den absoluten Kleinstparteien, die nicht öffentlich wahrgenommen werden. Wenn man etwas erreichen möchte, sollte man die Piratenpartei wählen!

    Ab 3% gibt’s den eigenen Ergebnisbalken und viel Aufmerksamkeit – eine Spende ist die Stimme nebenher auch und ich weigere mich, den alten Parteien das Geld in den Rachen zu werfen, die haben eh genug und haben es nicht verdient.

    Eine CDU-Regierung ist sowieso nicht zu verhindern und der Rest der Bevölkerung, der die Piraten nicht ausreichend kennt, wählt schon zu genügenden Anteilen die Oppositionsparteien, daher kann ich sowieso nichts falsch machen, wenn ich die Piratenpartei wähle.

    Umso mehr stärke ich diese neue politische Kraft für UNSERE Rechte und mehr Mitbestimmung, umso mehr setze ich ein deutliches Zeichen, das auch den alten Parteien weh tuen wird und zu Veränderungen der Politik führen wird.

    Deswegen: Meine Zweitstimme gebe ich der Piratenpartei!

  6. Falsch. Gerade deswegen, weil wir in Europa keine freie Marktwirtschaft haben, ist die Krise ausgebrochen. Wir müssen uns endlich von dieser dummen sozialen Marktwirtschaft verabschieden, den ich will Freiheit und nicht die Knechtschaft.

    Bevor China, Deutschland und andere nicht endlich ihren Leistungsbilanzüberschuss ausgleichen, und Konsumgleichgewicht herstellen wird es auch eine nächste Krise geben, zumal man die heute Krise nicht mit den 30er Jahren vergleichen kann.

    Wirtschaftsliberalismus – JETZT!

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