PayPal ohne mich!

Verärgert war ich schon Ende letzten Jahres, als der Online-Bezahldienst PayPal die Weiterleitung von Spenden an Wikileaks aufkündigte – ebenso wie VISA und Mastercard. Es folgte darauf eine DDoS-Attacke auf diese Bezahldienstleister unter dem Namen “Operation Payback” durch die lose Gemeinschaft Anonymous. Einige Leute, die an der DDoS-Attacke teilgenommen haben, sind nun zwischenzeitlich verhaftet worden und es drohen ihnen in den USA hohe Haftstrafen (wie es in anderen Ländern aussieht, weiß ich nicht).

Gestern las ich dann, dass PayPal nun der US-Regierung bei der Durchsetzung vom Handelsembargo gegen Kuba unter die Arme greift. Würde sich das allein auf die USA beschränken, wäre es auch in Ordnung, da dort ja das Embargo gilt. PayPal hatte nun aber deutsche Online-Händler aufgefordert, die kubanischen Waren, die sie vertreiben, aus dem Sortiment zu nehmen, sonst würde man die Konten sperren müssen. Wenigstens einer der Online-Händler widersetzte sich, weil er innerhalb der EU agiere und nicht einsehe, dass amerikanische Firmen ihm irgendwas diktieren wollen – und beendete somit die Zusammenarbeit mit PayPal.

Heute entpuppt sich PayPal dann noch als Hilfssherrif der Musikindustrie. An sich nicht verwerflich, da auch meiner Meinung nach kommerzielle Urheberrechtsverletzungen nicht unterstützt werden sollten. Zukünftig wird PayPal betreiber von Musik-Shops nun nach deren Lizenz fragen. Dies ist ein weiterer Punkt, in dem PayPal Kompetenzen überschreitet oder zumindest meiner Meinung nach zu weit auslegt.

Da trifft es sich doch recht gut, dass es nun quasi zeitgleich mit meinem Wunsch zum Beenden meiner PayPal-Mitgliedschaft einen Boykottaufruf von Anonymous und Lulzsec gibt, auf den ich dann auch direkt aufmerksam machen kann. Hier geht es zwar hauptsächlich um einen Protest gegen die hohen Haftstrafen der Teilnehmer an Operation Payback, vor dem Hintergrund des inzwischen deutlich asozialen und mir unverständlichen Verhaltens durch PayPal kann ich aber auch nur jedem empfehlen, es mir gleich zu tun und sich von PayPal zu trennen, denn ein vertrauenswürdiger Geschäftspartner ist PayPal nicht mehr.

Polizei kapert Piraten-Server

Im Laufe des heutigen Vormittags wurden die Server der Piratenpartei abgeschaltet. Grund war ein richterlicher Beschluss, basierend auf einem Amtshilfegesuch der französischen Generalstaatsanwaltschaft. Die Franzosen ermitteln nämlich hinsichtlich einer DDoS-Attacke auf die französische Elektrizitätsgesellschaft EDF durch Anonymous. Und da die ermittelnden Behörden offenbar irgendwelche Hinweise zu DDoS-Aktivitäten und Anonymous in einem unter piratenpad.de gespeicherten Pad gefunden haben, dachten sie, dass es dort vielleicht noch weitere Informationen geben könnte. Dies zeigt zumindest, dass die französischen Behörden von der Software Etherpad, die als Grundlage für das Piratenpad genutzt wird, keinerlei Ahnung hat. Dort sind nämlich tatsächlich nur die Informationen gespeichert, die dort auch zu sehen sind. Eine Möglichkeit, Dokumente etc. abzuspeichern, bietet das Piratenpad nicht. Weiterhin ist die Piraten-IT natürlich auch darum bemüht, keinerlei IP-Adressen der Nutzer zu speichern, wodurch diese ganze Aktion letztendlich zur Farce wird, da das Durchsuchen der Server keine neuen Erkenntnisse hervorbringen wird.

Das Schlimme an der Sache ist, dass die Piraten durch das Abschalten der Server in ihrer politischen Arbeit behindert werden. Es kann derzeit nur eine eingeschränkte Kommunikation stattfinden, außerdem steht zu befürchten, dass die Behörden Zugriff auf die Mitgliedsdaten erlangen. Hinzu kommt, dass damit auch der Zugang zu Informationen eingeschränkt bzw. gar nicht möglich ist, was zwei Tage vor einer wichtigen Wahl, der Landtagswahl in Bremen, schon ungünstig ist.

Andererseits muss man aber auch anerkennen, dass diese Aktion durchaus auch positive Auswirkung auf den Wahlkampf haben kann. Derzeit mehren sich auch in den “wichtigen” Medien die Berichte über das Vorgehen der Ermittlungsbehörden.

Die Piratenpartei wird hingegen den Vorgang rechtlich prüfen lassen, ob die Durchsuchungs- und Beschlagnahmeanordnung dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entspricht. Wann die Server wieder online gehen ist derzeit noch unklar. Bei Beschlagnahmungen kann es durchaus auch Jahre dauern, bis die als Beweismittel sichergestellte Hardware wieder freigegeben wird.

Beleidigte US-Leberwurst

Ja, so hat sich das der im letzten Jahr ausgerufene Messias, der Präsident unter den Präsidenten, der Herrscher des “wichtigsten” Staates der Welt – Barack Obama – nicht vorgestellt. Im Zuge der Terrorabwehr wollten die USA alle Banktransferdaten über das Genossenschaftsunternehmen SWIFT, welches seinen Sitz in Belgien hat, abgreifen und hätte somit nicht nur Einblicke in den interkontinentalen Bankverkehr zwischen Europa und Nordamerika Einsicht erhalten, sondern prinzipiell in jeglichen Bankverkehr, der durch SWIFT abgewickelt wird – das sind über 8.000 Geldinstitute in über 200 Ländern. Täglich werden im Schnitt 15 Millionen SWIFT-Nachrichten (kann man auch durchaus als Buchungen erklären) erfasst, die ein durchschnittliches Gesamtvolumen von knapp fünf Billionen (5.000.000.000.000) Euro haben.

Lange war es umstritten, ob SWIFT diese Daten einfach so an die USA rausgeben dürfe. Als bekannt wurde, dass SWIFT dies auf Anfrage der US-Regierung schon einige Zeit freiwillig durchgeführt hat, wurde dem vorerst ein Riegel vorgeschoben und man hat sich zusammengesetzt, um über die Rechtmäßigkeit der Herausgabe von solch sensiblen Informationen zu beraten und zu verhandeln. Ganz klar war, dass die USA nicht auf diese Daten verzichten wollten. Letztendlich führte es zu einer Konferenz der Außenminister (Frank-Walter Steinmeier von der SPD war damals unser Außenminister), auf der beschlossen wurde, dass die USA gerne diese Daten für ihre Terrorfahndung erhalten sollen und dass die EU-Kommission ein entsprechendes Abkommen aushandeln solle. Schon wenig später war es dann klar, dass SWIFT die Daten an die USA herausgeben dürfe – nein, sogar verpflichtet dazu ist.

Dieses Abkommen wurde nun glücklicherweise in den letzten Tagen ausgesetzt, da das Europäische Parlament endlich mal was sinnvolles getan und sich mit einer großen Mehrheit gegen dieses Abkommen ausgesprochen hat. Das war am 11. Februar 2010. Damit ist die Sache zwar noch nicht beigelegt, setzt aber schon mal ein Zeichen – ein Zeichen, welches dem Mr. President of the United States offenbar gar nicht gefällt. Schon im Vorfeld hatte Obama gedroht, Europa nicht mehr zu besuchen und alle weiteren Verhandlungen abzubrechen. Seine Drohungen haben nichts genutzt und letztendlich gab es ein für die Amerikaner verblüffendes Abstimmungsergebnis – die alte Welt kann der neuen Welt immer noch in gewisser Weise Vorschriften machen. Jetzt will sich die USA einzeln mit den EU-Staaten zusammensetzen und entsprechend Einzelabkommen abschließen. Ich will nur hoffen, auch wenn ich von unserer derzeitigen Regierung (darf man den zerstrittenen Haufen eigentlich Regierung nennen?) nicht überzeugt bin und auch keinerlei Erwartungshaltung habe, dass die USA sich an Deutschland die Zähne ausbeißen werden – meine Hoffnung erstreckt sich aber auch auf die übrigen EU-Staaten.

Eins ist jedoch klar: diesen Nasenstüber nach dem Motto “ihr seid doch nicht die Herrscher der Welt” werden die USA nur mit Mühe verkraften können…

Piraten Infostand in Gießen

Am 07.03.2009 hat der Giessener Piratenstammtisch auf dem Kirchplatz einen Infostand zur Sammlung von Unterstützerunterschriften zur Zulassung der Piratenpartei für die Europawahl und die Bundestagswahl unterhalten. Dabei konnten immerhin 36 Unterschriften gesammelt werden – und wir haben trotz des wunderbaren Wetters etwas kalte Füße bekommen. Aber selbst der teilweise etwas tückische Wind, der hin und wieder unser Pavillion auf die Probe gestellt hat, konnte uns nicht vertreiben ;-)

Piraten Infostand in Giessen

Worst EU Lobbying Awards 2008

Ich möchte euch auf die Internet-Abstimmung für die Worst EU Lobbying Awards 2008 hinweisen – den jährlichen Negativpreis für irreführendes, manipulatives und unethisches Lobbying in der Europäischen Union.

Dieses Jahr könnt ihr über die Gewinner in zwei Kategorien entscheiden:

1. Der ‘Worst EU Lobbying’ Award wird an Lobbyisten, Unternehmen oder Interessenverbände vergeben, die 2008 manipulative, irreführende oder andere problematische Taktiken in ihrer Lobbyarbeit in Brüssel verwendet haben.

2. Außerdem wird Sonderpreis für den schlimmsten Interessenkonflikt vergeben, der „Worst Conflict of Interest Award“. Damit werden diejenigen Europaabgeordneten oder EU-Mitarbeiter ausgezeichnet, bei denen aufgrund ihres Hintergrunds, Nebentätigkeiten oder enger Beziehungen zu Lobbyisten ernste Bedenken bestehen, dass sie nicht mehr objektiv und im Sinne des Gemeinwohls handeln können.

Prangert anstößige Lobby-Praktiken und Verflechtungen an und gebt eure Stimme ab unter http://www.worstlobby.eu