Alle einsperren!!!

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 12 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Wo ich gerade von Steuern gesprochen habe: Die konservativen Parteien unserer Bundesrepublik beklagen sich, dass doch die heutige Jugend so verroht sei.

Schauen wir mal: ein Jugendlicher, der Straftaten begeht, ist so zwischen ich schätze mal 14 und 22 Jahren (obgleich ein 22jähriger eigentlich nicht mehr zu den Jugendlichen gezählt wird). Wir haben das Jahr 2005. Der 14jährige ist also spätestens am 24. Februar 1991 zur Welt gekommen. Der 22jährige frühestens am 25. Februar 1982.

Im Herbst 1982 ist etwas passiert: es wurde gewählt. Helmut Schmitt wurde als Bundeskanzler durch Helmut Kohl abgelöst. Dieser war bis 1998 im Amt. Der heute 14jährige war 1998 ca. 7 Jahre alt; man nimmt seine Umwelt also schon bewusst wahr und kann selbständig denken. Das bedeutet, die Generation, die heute straffällig ist, hat die meiste Zeit Kohl erlebt. Helmut Kohl, der seine Amtsperiode mit einem Skandal begonnen und mit einem Skandal beendet hat. Der ein Gangster-Ehrenwort gegeben hat und bis heute wichtige Schlüsselpersonen der Schwarzgeldaffären deckt, aber dennoch europäischer Ehrenbürger wurde. Und da beschwert sich die Union noch über die heutige Jugend, die doch kaum was anderes als kriminelle Machenschaften in der Politik kennt? Die Union, die doch selbst soviel Dreck am Stecken hat, dass es kaum vorstellbar ist, wirft der Bundesregierung vor, nicht mit Geld umgehen zu können. Wenigstens hat die Union zuerst bewiesen, dass sie selbst absolut nicht mit Geld umgehen kann. Die SPD kann es also nicht schlimmer machen…

Zurück zum Thema einsperren. Von allen Seiten wird geklagt: „dann sperrt se doch ein, die Verbrecher!“
Wer soll denn das bezahlen? Wenn wir erstmal die Steuern gesenkt haben, dann können wir auch keine Gefängnisse mehr unterhalten. Mir liegen jetzt nur etwas ältere daten von NRW vor: ein Gefangener kostet im Jahr ca. 22.500 €. Das sind knapp 61,60 € am Tag, also 431,20 € in der Woche. Davon werden Unterbringung, Essen und Wärter bezahlt. Das vorhergegangene Verfahren (Polizeieinsatz, Gerichtsverfahren etc) ist darin gar nicht eingerechnet. Wenn man bedenkt, dass man heute für vielleicht 250 € eine Woche nach Mallorca fliegen kann…

Die Justiz versucht es ja auch ständig wieder mit schärferen Strafen. Diese Strafen sollen zunächst der Abschreckung dienen. Aber seien wir mal ehrlich: wie viele lassen sich durch die Strafen abschrecken? Wenn ich jemanden erschießen möchte, denke ich doch nicht vorher drüber nach: „für 8 Jahre Knast mach ich’s – für 16 Jahre lass ich’s sein.“ Und dass die Abschreckungsmethode erolgreich ist, zeigen doch die Großstädte in den USA, besonders in denen, in denen es noch die Todesstrafe gibt. Dort wird übrigens auch von Strafverschärfung gesprochen, aber wie möchte man eine schärfere Strafe als die Todesstrafe einführen?

Frau Zypries, die derzeitige Justizministerin, hat übrigens im Jahr 2004 ein paar Strafverschärfungen bei den Sexualstraftaten eingeführt. Gegenüber der Blöd-Zeitung erklärte sie, diese Normen sollen der Abschreckung dienen. Jetzt soll mir aber jemand erklären, wie es einem gelingt, einen Triebtäter abzuschrecken. Ein Triebtäter ist sich erstens wohl oft der Tragweite seines Verbrechens nicht bewusst. Und zweitens kann er meist für sein sträfliches Verhalten nichts. Man spricht ja nicht umsonst von einem Trieb (das ist was psychologisches und muss behandelt werden, da gibt’s nix zum abschrecken).
Bei Lebenslangen Strafen kann es aber keine Verschärfung mehr geben. Die Todesstrafe ist ja abgeschafft und selbst die Katholiken kennen keine Steigerung von „immer“.

Abschreckend wäre eher, einem Dieb erst die eine und bei Wiederholung die andere Hand abzuschlagen. Den Steuerhinterzieher müsste man vierteilen. Und Politiker, die beim Lügen erwischt werden, sollten öffentlich ausgepeitscht werden. So richtig am Pranger auf dem Marktplatz. Dann hätte man auch wieder Verwendung für die aggressive Jugend, die sich dann mal so richtig austoben könnte.

Zu diesem Denkanstoß hat mich übrigens ein Vortrag des Kabarettisten Volker Pispers gebracht. Ich würde gerne noch mehr erzählen, habe mir aber leider nicht alles gemerkt und müsste überdies sehr viele Bereiche ansprechen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.