Schulgebete

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 8 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Fast wie ins Mittelalter versetzt fühlt man sich, wenn man von dem christlichen Fundamentalismus mancher Eltern im nordrhein-westfälischen Korschenbroich hört. Dort war es bislang an der Grundschule im Stadtteil Pesch üblich, bei Unterrichtsbeginn ein kleines, zwar konfessionsloses, aber dennoch christliches Gebet zu beten. Verwendet wurden dazu die letzten vier Zeilen des bekannten Textes von Dietrich Bonhöffer, den er in seiner Gefangenschaft kurz vor seiner Hinrichtung verfasste („Von guten Mächten“).

Eine Erwähnung in den Medien wäre es wohl kaum wert gewesen, wenn sich nicht sich als atheistisch bezeichnende Eltern gegen dieses alltäglich Gebet zu Recht verwehrt und eine Beschwerde eingereicht hätten. Das Schulamt reagierte genau richtig und verbot kurzum das Schulgebet. Die christlich-fundamentalen Eltern des Ortes, die offenbar ein großes Problem mit Toleranz gegenüber Menschen mit anderer Weltanschauung haben, gründeten eine Initiative, um die christliche Gehirnwäsche in der Schule weiterhin zu ermöglichen.

Der Konflikt eskalierte, als der Schulleiter die Vorbereitungen des traditionellen Krippenspiels, welche während des normalen Unterrichts stattfinden sollten, aus den genannten Gründen absagte. Die fundamentalistischen Eltern waren empört und starteten eine Kampagne, die nun entschieden dafür eintritt, dass das Verbot des Gebets aufzuheben. Dazu wurde auch der Kontakt zu den Medien nicht gescheut.

Leider hat sich abschließend das NRW-Schulministerium nicht gerade klar ausgedrückt, sondern versucht den Streit mit einer sehr schwammig fomulierten Formulierung, dass „kein Kind gegen seinen Willen oder dem seiner Eltern zum Schulgebet gezwungen werden“ dürfe. Jeder Schüler solle einem Gebet „in zumutbarer Weise ausweichen“ können.

Inzwischen gibt es auch kein Gebet mehr. Stattdessen wird eine Schweigeminute gehalten, gegen die keiner etwas auszusetzen hat.

Quelle: spiegel.de

3 Gedanken zu „Schulgebete

  1. OK, dieser Artikel ist schon etwas aelter, aber ich moechte hinzufuegen, dass ich fuer ein Jahr auch mal einen (wohl erzkatholischen) Leerer hatte, der vor Schulschluss mit der Klasse immer gebetet hat. DAs fand ich (obwohl ich zu jenen verrueckten gehoere, die jeden Sonntag in die Kirche rennen) etwas komisch, da ich natuerlich mir im klaren darueber war, dass ich an einer *staatlichen* Schule war und dass auch sogenannte „Ethiker“ im Raum anwesend waren. Ereignet hat sich das ganze in den 1990er Jahren, ob der besagte Lehrer das nach wie vor so macht, ist mir nicht bekannt.

  2. Ach ja, da faellt mir noch was ein: Christliche Gehirnwaesche gibt es nicht. Entweder ist etwas Gehirnwaesche (dann ist es aber nicht christlich) oder es ist christlich (dann ist es aber keine Gehirnwaesche).

    Ich finde, dass wir es hier nicht mit Gehirnwaesche, sondern mit einem einfachen Anachronismus zu tun haben. Anachronistisch ist hierbei nicht, dass gebetet wurde, sondern, dass hier die Trennung von STaat und Religion nicht umgesetzt war, obwohl diese eigentlich schon laenger getrennt sind.

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