Kinderpornographie im Internet

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 8 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Wir alle sind uns einig, dass Kinderpornographie eines der entsetzlichsten und widerlichsten Dinge ist. Zu Recht werden solche Verbrechen bestraft.

Seit einiger Zeit beschäftigt aber der Vorstoß von Ursula von der Leyen („Zensursula“ oder „von der Laien“) die verschiedenen Gemüter innerhalb der Netzkultur. Die Familienministerin fordert nämlich eine Internetsperre für derartige Angebote. Dagegen wäre prinzipiell auch nichts einzuwenden, schließlich wird kaum jemand sich für die Verbreitung von Kinderpornographie aussprechen, sei es als Teil der freien Meinungsäußerung oder anderer Beweggründe. Allerdings birgt dieses Vorgehen auch Gefahren, ganz davon abgesehen, dass der versierte Nutzer solcher Angebote die technischen Hürden mit wenig Aufwand umgehen könnte und der Hauptvertriebsweg von dem Dreck sowieso offline stattfindet.

Als konkrete Gefahren bezeichne ich, dass hier unter einem Vorwand, wenn auch ein plausibler und lobenswerter, versucht werden, die Gesellschaft gegenüber Zensur zu desensibilisieren, um dann später leichter, ohne größere Aufregung, andere Inhalte zensieren zu können. Das Szenario stelle ich mir so vor, dass nach der Kinderpornographie auch Stimmen laut werden (das BKA hat es sogar schon ins Gespräch gebracht), weitere grundsätzlich strafbare Inhalte wie Nazi-Propaganda oder Gewaltverherrlichung zu sperren. Und da fängt es an, dass man sich nicht mehr sicher sein kann, welche Inhalte noch zensiert werden.  Vorstellbar wären „Crack“-Seiten, die Promo-Seiten von so genannten „Killerspielen“, IT-Sicherheitsportale, Pornographie, Glücksspiele und zu guter Letzte Seiten mit Kritik zu verschiedenen Religionsgemeinschaften oder systemkritischen Inhalten.
Ganz nebenbei bemerkt, dürfen auch solche Seite hochoffiziell gesperrt werden, die selber keine solchen Inhalte bereit stellen, sondern lediglich darauf verlinken (oder hinweisen, wie man auf solche Inhalte gelangen kann).

Eine weitere Gefahr ist, dass Internetnutzer, die versehentlich (weil sie bspw. einem Link folgen, ohne zu wissen, was sich dahinter verbirgt) auf solche gesperrte Inhalte geraten, ins Visir der Fahnder gelangen, da inzwischen auch geplant ist, die IPs derer zu sichern, die auf die geplanten Sperrseiten treffen. Somit würde auch ein eigentlich unbescholtener Nutzer plötzlich kriminalisiert werden, der unter normalen Umständen direkt von einer solchen Seite abstand genommen hätte.

Zensursula sieht außerdem den Hang zur Pädophilie offenbar als ansteckende Krankheit, die man sich durch einfache Einsichtnahme in kinderpornographische Angebote einfangen kann. Schließlich argumentiert sie damit, dass Nutzer, die zufällig auf solche Internetseiten gelangen, plötzlich Gefallen daran finden könnten („Einstiegsdroge„). Ich persönlich denke ja eher, dass jeder seine sexuellen Neigungen kennt und solche Seiten keinen Einfluss darauf haben werden. Schließlich wird auch niemand plötzlich schwul, weil er sich zufällig mit Schwulenpornos konfrontiert sieht.

Dem streitbaren Portal Wikileaks war übrigens vor einiger Zeit aufgefallen, als eine australische Sperrliste analysiert wurde, dass sich eben nicht nur Internetadressen zu Kinderpornographie darauf befinden, sondern auch einige Internetseiten, die damit überhaupt nichts zu tun haben.

Letztendlich entpuppt sich das Vorhaben, Internetseiten zu sperren, als Gefahr für die Informations- und Meinungsfreiheit. Die Kinderliebe der Politik steht dabei wohl auch eher im Hintergrund, da mit solchen Maßnahmen der Kindesmissbrauch weder verhindert, noch erschwert wird. Stattdessen wird mit diesem Mittel ein populistischer Wahlkampf, ohne Rücksicht auf die Opfer, im „Superwahljahr“ 2009 betrieben, der bei dem Großteil der nicht selbständig denkenden Bevölkerung Anklang findet. Aber leider auch bei bereits fünf deutschen Providern: Telekom, Arcor/Vodafone, Hansenet/Alice, Telefonica/O2 und Kabel Deutschland.

Mehr dazu auch bei Heise Telepolis: Netzsperren
Carechild.de: Die großen Lügen der Ursula von der Leyen

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