GEMA und Klingeltöne

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 8 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Auch wenn mich mein Arbeitskollege Rössi schlägt, weil er bei meinen ganzen Artikeln nicht mehr mit dem Lesen hinterher kommt, werde ich nun ein wenig in die Zukunft blicken. Die USA sind ja nun in vielerlei Hinsicht Vorreiter, was unser Rechtssystem angeht und auch wie sich Wirtschaft und Trends entwickeln. Gestern berichtete Heise, wie die US-Verwertungsgesellschaft ASCAP (American Society of Composers, Authors, and Publishers) nun auch der GEMA eine Vorlage geben könnte, zukünftig in Deutschland auch noch für ein wenig weiteren Unmut zu sorgen. Die ASCAP behauptet nämlich, dass Klingeltöne eine öffentliche Aufführung der Musikstücke seien und somit Abgabenpflichtig wären. Die us-amerikanischen Telekommunikationsanbieter wehren sich natürlich gegen diesen groben Unsinn und werden da mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Recht behalten. Dass es der ASCAP dabei vermutlich weniger darum geht, die Rechte der Musiker und Komponisten zu vertreten, sondern einfach nur einen Anteil am offenbar florierenden Klingeltonmarkt zu erhalten, also ordentlich Asche einzustreichen, sei mal dahin gestellt.

Und genau das kann ich mir bei der GEMA vorstellen. Nachdem ja nun auch USB-Sticks mit Urheberrechtsabgaben belegt werden sollen (auch wenn das jetzt nicht gerade – zumindest ausschließlich – von der GEMA ausgeht) und viele weitere elektronische Geräte wie Drucker und Scanner sowieso schon mit Urheberrechtsabgaben belegt sind, wird es den deutschen Rechteveredelernwertern nicht schwer fallen, auf die Idee zu kommen, dass man auch Klingeltöne nochmal zusätzlich besteuern könnte, wobei ich mir vorstellen kann, dass diese Abgaben, von denen der Künstler selbst vermutlich gar nichts bekommt, schon längst für den Download gezahlt werden. Aber man könnte ja nochmal zusätzlich in die Tasche greifen: jedes Mal, wenn das Handy klingelt (also wenn ein Anruf reinkommt), müssten dann nochmal Urheberrechtsabgaben gezahlt werden. Das würde zumindest für die Rechteverwerter ein lukratives Einkommen sein.

Dass es unter den Rechteverwertern und Musikindustriellen offenbar auch Leute gibt, die entweder nicht über ihren eigenen Tellerrand sehen können oder grundsätzlich geistige Tiefflieger sind, beweist die Aussage von Musikverbandschef Dieter Gorny, der den Raubkopien im Internet die Schuld an der jährlich immer schlechter besuchten Musikmesse popkomm gibt. Es ist ja auch einfacher, sich einen passenden Sündenbock zu suchen, statt das Versagen der Musikindustrie auf die hauseigene Politik zurück zu führen und sich mal Gedanken zu machen, wie man was an der Schieflage ändern  könnte. Außerdem könnte es auch daran liegen, dass zu viel (oder fast ausschließlich?) Scheiße produziert wird, also kurzlebige Pop-Trends wie Tokio Hotel (na ja, immerhin haben die es zu einem zweifelhaften Ruhm für etwas längere Zeit geschafft) oder irgendein Murks, der durch DSDS verbockt wird. Dass die Pop-Kultur quasi gestorben ist, weil sich nach nur kurzer Zeit niemand mehr für den „Künstler“ interessiert und ihn über kurz oder lang einfach in Vergessenheit geraten lässt, weil es einfach nicht gut genug ist, scheint den Damen und Herren in ihren weichen Kaschmir-Sesseln wohl gar nicht in den Sinn zu kommen.

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