Über die Moral

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 8 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

In einem Kommentar zu meinem Artikel über piratiges Denken (nicht mehr verfügbar) wird moniert, dass „keine moralischen Grenzen“ nicht gut seien. Nun denn, dann will ich mich mit der Problematik der „Moral“ mal etwas ausführlicher befassen und mir im Laufe des Schreibens ein Ergebnis entwickeln, denn ich weiß selbst noch nicht, auf welches Ergebnis ich kommen werde.

Fangen wir bei dem entsprechenden Artikel bei Wikipedia an:

Moral bezeichnet meist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen, sofern diese wiederkehren und sozial anerkannt und erwartet werden. So verstanden, sind die Ausdrücke Moral, Ethos oder Sitte weitgehend gleichbedeutend und werden beschreibend (deskriptiv) gebraucht. Daneben wird mit der Rede von „Moral“ auch ein Bereich von praktischen Urteilen, Handlungen oder deren Prinzipien (Werte, Güter, Pflichte, Rechten) verbunden. So verstanden, wertet eine Unterscheidung von Moral und Unmoral. Eine solche Bewertung kann als bloßer Ausdruck subjektiver Zustimmung oder Ablehnung verstanden werden (vergleichbar zu Applaus oder Buhrufen), oder als Beurteilung von Handlungen, deren Maximen oder sonstige Prinzipien in moralischer Hinsicht, d.h. als moralisch gut oder moralisch schlecht. Letzteres entspricht einem metaethischen Realismus. Die theoretische Ausarbeitung unterschiedlicher methodischer Vorgehensweisen und Kriterien moralischer Urteile sind Gegenstand der philosophischen Disziplin der Ethik.

Moral ist demnach eine subjektive Regel, die für bestimmte Gruppen von Menschen gilt. Würde sich die Menschheit grundsätzlich immer an die Moral halten, könnte sich die Moral nicht weiter entwickeln und somit auch die Menschheit nicht. Aus moralischen Gründen war es vor 5000 Jahren vielleicht sogar falsch, den Polytheismus aufzugeben und zum Monotheismus zu wechseln. Aber trotz Moralvorstellungen haben sich die Menschen dennoch nicht immer an sie gehalten und haben entdeckt, dass die Erde rund ist und sich nicht im Zentrum des Universums befindet. Trotz Moralvorstellungen haben sie (andere) Religionen gegründet, Wissenschaft begründet und technologische Fortschritte erreicht. Trotz Moral hat die Menschheit aufgrund einiger, die sich über die Moral hinweggesetzt haben, im Laufe der Jahrtausende sehr viel zur Weiterentwicklung beigetragen und neue moralische Grenzen gesetzt. Dass nicht alles dabei gut war, muss dabei hingenommen werden (es bleibt einem ja gar nichts anderes übrig). Es ist also durchaus wichtig, dass man sich auch über die moralischen Grenzen der Gesellschaft hinaus begeben kann. Natürlich wird es da auch niemanden oder zumindest kaum jemanden gelingen, vollständig ohne eigene Moralvorstellungen zu handeln. Ich schätze, dass jeder Mensch irgendwo an seine eigenen Grenzen stößt, über die er nicht hinweg kommt. Selbst der als anti-moralisch geltende Satanismus hat seine eigenen Grenzen, die u.a. in den 11 Satanischen Regeln niedergeschrieben sind.

Und das ist auch gut so! Gewisse moralische Grenzen, die ich im Einzelnen nicht aufführen kann, sind so wichtig für den Fortbestand der Menschheit, dass es wider die Natur wäre, sie zu übertreten. Dazu zähle ich vor allem das Töten von Menschen (natürlich auch dort mit Ausnahmen wie die Abwehr der Bedrohung für das eigene Leben), auch wenn genau diese Grenze leider sehr häufig übertreten wird. Nur so lange ich niemandem einen körperlichen Schaden ohne dessen Einwilligung zufüge, kann ich auch mit der Moral brechen. Andererseits kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass es insbesondere in der Medizin wissenschaftliche Errungenschaften gegeben hat, die durch das Brechen mit der Moral zurück zu führen sind, bei denen Menschen ohne deren Einwilligung körperlichen Schaden genommen haben. Ich habe in dem Zusammenhang gedankliche Fetzen, dass sowas u.a. während der NS-Zeit geschehen ist, konnte aber keine Quellen finden, die mir sicher belegen, dass es tatsächliche Errungenschaften gab (die verschiedenen grausamen und verachtenswerten Folter- und Tötungsmethoden, die bspw. ein Herr Josef Mengele erforscht hat, halte ich für ein Verbrechen und keinesfalls für eine Errungenschaft, auch wenn man da wieder beachten sollte, dass er gewissen damaligen Moralvorstellungen in Deutschland sicherlich auch entsprach).

Mit der Moral ist es also eine komplizierte Sache. Die Moral, die heute herrscht, kann gestern noch als unmoralisch gegolten haben und kann morgen auf eine andere Weise unmoralisch sein. Mein Fazit ist also, dass es sowas wie eine richtige Moral gar nicht geben kann, da Moral unbeständig, individuell und begrenzt ist und sich fortlaufend in einer Weiterentwicklung befindet. Gesellschaftliche Moralvorstellungen gelten immer nur für eine gewisse Zeit und es gibt keine allumfassende Moral, sondern nur zu jedem Thema eine eigene, meist von den anderen unabhängige. Moralvorstellungen, die grundsätzlich als allgemeine Lebensregeln gelten, wie bspw. bei der Thematik „Töten von Menschen“, sind im Menschen seit jeher gefestigt, auch wenn da wiederum verschiedene gesellschaftliche Moralvorstellungen einwirken (wie könnte es sonst die Todesstrafe selbst in „zivilisierten“ Staaten geben? warum würde es sonst die Forderung nach der Todesstrafe auch hier in Deutschland geben?).

Ich hoffe, ich konnte den Begriff „Moral“ einigermaßen klug beschreiben und habe mich damit gut genug auseinander gesetzt. Konstruktive Kritik wie Ergänzungen und Verbesserungen ist natürlich erwünscht, schließlich bin ich auch nur ein Mensch, der nicht an alle Möglichkeiten denken kann.

Ein Gedanke zu „Über die Moral

  1. Gut geschrieben.

    So nebenbei: Wusstest du eigentlich das es die Todesstrafe auch in Deutschland noch gibt?
    In Hessen. Nur würde es nie dazu kommen da der Bundespräsident jegliche Vorderung einer Todesstrafe ablehnen würde.
    Na ja, zumindest noch. Wer weiss, wenn es so weiter geht und jemand falsches mal an so hoher Macht kommt, oder einfach diese Moral relativiert wird… hm.
    Irgendwie ein Teufelskreis mit der Moral.. 😉

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