Picknick verboten

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 8 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

In manchen Städten werden LAN-Parties verboten, weil dort Amokläufer ausgebildet würden, in Gießen werden Gothic-Veranstaltungen verboten, weil die Musik „menschenverachtend“ sei, und in Braunschweig werden Flashmobs verboten, weil Picknick die öffentliche Ordnung gefährde.

Wie sagte doch einst der Freidenker Goethe? „Erlaubt ist, was gefällt.“

Natürlich lässt sich dieses Zitat nicht immer anbringen, denn wenn es mir gefällt, meinen Chef blau anzumalen, ist das nicht unbedingt auch erlaubt. Aber im Umkehrschluss sehen es manche niederrangige Regionalpolitiker oder einfache Stadtangestellte wohl so, dass nicht erlaubt ist, was ihnen nicht gefällt. Ich kann hier auch nur die Vermutung äußern, dass die Motivation, die da hinter steckt, eine ganz schlichte Machtdemonstration ist, um zu zeigen, wer der Boss ist.

Kommen wir zum Thema „Picknick“. Ein Picknick ist ein geselliges Ereignis, bei dem eine kleine Gruppe von Menschen sich für gewöhnlich auf einem Stofftuch zusammen setzt, um zu essen und zu trinken. Laut Wikipedia ist Picknick schon seit der Antike bekannt, also ein kulturelles Ereignis, welches seit Jahrtausenden praktiziert wird. Und genau dieses Ereignis wurde nun in Braunschweig verboten. Um ehrlich zu sein, ist nicht das Picknick an sich verboten, sondern nur das Picknick, welches im Rahmen eines Flashmobs veranstaltet wird, wenn sich also mehrere Picknicker zur selben Zeit am selben Ort einfinden, um ein größeres Picknick dort zu veranstalten. Die Gefahr, die von so einem Massen-Picknick ausgehe, wird vom Braunschweiger Ordnungsamt so beschrieben: die Sandsteinpflaster vor dem Schloss seien teuer. Auf die Frage des „Veranstalters“, warum „samtene Decken“ der Picknicker die ach so teuren Sandsteinpflaster mehr gefährden als Tausende Frauen, die täglich mit ihren High-Heels über den Platz stolzieren, gab das Ordnungsamt Braunschweig keine Antwort mehr.

Auch der Gedanke an eine Anmeldung einer Demonstration wurde im Keim erstickt, indem das Ordnungsamt Braunschweig dem „Veranstalter“ mitteilte, dass ein Picknick auf einer Demonstration „eine nicht genehmigungsfähige Sondernutzung“ darstelle, was ich übrigens für ausgemachten Quark halte. Eher hat sich hier das Ordnungsamt zu einer vorsätzlich falschen Auskunft hinreißen lassen, nur um Angst zu machen. Ich habe noch nie etwas davon gehört, dass ein Picknick auf einer Demonstration nicht erlaubt sei – ganz im Gegenteil! So kann sich eine Demonstration auch allein auf ein Picknick beschränken.

Ein Gedanke zu „Picknick verboten

  1. Sollte irgendjemand an besagtem Tag in der Braunschweiger Region sein, möge er bitte daran denken dass am 8. August um 16:00 Uhr auf dem Schlossplatz KEIN Picknick stattfindet. Sagt das euren Freunden. Schreibt es meinetwegen auch auf Luftballons und verteilt die: Am 8. August findet von 16:00 bis 18:00 Uhr KEIN Picknick auf dem Schlossplatz statt! Nicht dass da jemand noch auf dumme Ideen kommt…

    Danke für die Aufmerksamkeit.

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