Schweizer Religionskäse

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 7 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Am vergangenen Sonntag haben die Schweizer über das umstrittene Minarettverbot abgestimmt und es mit 57%iger Stimmenmehrheit durchgesetzt. Jetzt kann man sagen: ja, die klare Mehrheit der Schweizer wünscht sich das Verbot des Baus von Minaretten. Betrachtet man aber mal die Zahlen, so waren nur knapp über die Hälfte der Schweizer überhaupt an der Abstimmung beteiligt. Daraus ergibt sich, dass sich lediglich etwas über 30% der Schweizer, also nicht mal ein Drittel, explizit für das Verbot aussprechen. Damit kann man ein passives Mitwirken bzw. eine passive Zustimmung derjenigen, die nicht zur Abstimmung gegangen sind, sich also enthalten haben, zwar immer noch als Zustimmung interpretieren, schließlich ist die Duldung oftmals schwerwiegender als eine aktive Teilnahme. Aber letztendlich lässt sich darüber keine konkrete Aussage fassen, außer der, dass nur knapp ein Drittel der Schweizer ein Minarettverbot klar befürwortet. Und es ist schade, dass bei solchen heiklen Fragen immer diejenigen die Abstimmungen gewinnen, die am besten ihre Leute mobilisieren können – nämlich die Extremisten. Das ist nicht nur in der Schweiz so…

Ich muss gestehen: ich wäre auch für ein Minarettverbot gewesen. Aber nur, wenn es auch gleichzeitig ein Kirchenglockenverbot gegeben hätte. Wer, wie ich, neben einer katholischen Kirche wohnt und noch ein bis zwei weitere Kirchtürme in näherer Umgebung hat, der hätte dafür auch volles Verständnis. Religionsfreiheit in allen Ehren: aber sollte die viel gepriesene Religionsfreiheit nicht auch bedeuten, dass ich frei von Religion sein darf? Wenn ich anfangen würde, Sonntags morgens 10 Minuten lang auf dem Balkon aus der Satanischen Bibel über ein Megaphon zu rezitieren, wäre mir der Unmut meiner Mitmenschen sicherlich gewiss… Aber Kirchenglocken dürfen mehrmals täglich teilweise 20 Minuten lang läuten, so dass ich zu diesen Zeiten weder telefonieren, noch lesen, noch schreiben, noch Filme schauen kann – vom sonntagmorgendlichen Schönheitsschlaf ganz zu schweigen.

4 Gedanken zu „Schweizer Religionskäse

  1. Jub, genau das denke ich mir auch bei dem ganzen Trara über die Schweizer.
    Aber wo kämen wir denn hin, wenn alle vernünftig wären. Wie sollten die Medien das finanziell überstehen? Von der Politik, die sich dann mit relevanten Dingen auseinander setzen müsste, ganz zu schweigen.
    (wohne auch an einer kath Kirche, DIREKT daneben. Toll ist die Uhr, weiss ich immer, wie spät ich dran bin. Aber der Sound hat keinen Mutebutton :/ )

    • Richtig. So lang die Glocken nicht läuten und die Muezzin nicht „singen“, habe ich auch nichts gegen Glockentürme und Minarette 😀 Und einmal am Tag wäre das ja alles noch erträglich…

  2. die Prozentangaben mögen vielleicht stimmen – aber das ist nun mal in der „DEMOKRATIE“ so, daß der, der nicht wählen geht, immer die stärkste Fraktion (Partei) unterstützt.
    Man könnte ja mal für D ausrechnen, wieviel Prozent der Bevölkerung CDU und FDP gewählt haben.
    Vermutlich weniger als 50% und trotzdem sind sie an der Regierung.
    Das ist das „Schöne“ an der DEMOKRATIE!!!

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