Darth Vaders Rückzieher

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 7 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Eine Nachricht, die mich heute morgen in tiefe Betroffenheit geführt hat: der Darth Vader der Deutschen Politik, der „Schlumpf mit dem Herpes“ (aus Kalkhofes „Der Wixxer“), der Nachfolgebösewicht von Franz-Joseph Strauß, Roland Koch, hat seinen Rücktritt zum Ende des Jahres bekannt gegeben. Betroffenheit deshalb, weil ein beliebtes Feindbild nun aus der Politik verschwindet und sich nun dem schnöden Mammon verschreibt. Wobei es ja nicht unbekannt ist, dass Roland Koch auch eine Vorliebe für finanzielle Selbständigkeit hat. Schließlich spielte er in der CDU-Spendenaffäre der 1990er eine der Hauptrollen.

Nun will also dieses Urgestein der desaströsen CDU-Politik des vergangenen Vierteljahrhunderts einfach so, aus „persönlichen Gründen“, der Politik den Rücken zudrehen. Dabei wurde der Schwarzgeldexperte, Populist und Bildungs- und Sozialterrorist, der „Pate der organisierten Verfassungskriminalität“ (aus „Neues aus der Anstalt“ im Dezember 2009) sogar schon als potentieller Nachfolger für den gesundheitlich stark angeschlagenen Ex-Überwachungsminister, den derzeitigen Finanzminister Wolfgang Schäuble gehandelt. Andererseits hat der Sparfuchs Koch, der erst vor Kurzem wieder mit Vorschlägen, dass man am Besten bei Bildung und sozialen Einrichtung mit den Einsparungen, um das Haushaltsdefizit nicht zu sehr zu vergrößern und somit Griechenland, Portugal und Spanien zu folgen, beginnen sollte, immer eher Richtung Kanzleramt geschielt. Ich schätze auch, dass ihm der heftige Gegenwind, der ihm auch innerhalb seiner Partei aufgrund seiner Sparpläne im Bildungssektor entgegen kam, letztlich seine Entscheidung, vom Amt des hessischen Ministerpräsidenten zurück zu treten, „erleichtert“ hat. Manch einer munkelte schon, dass er den Bildungssektor aushungern lassen wollte, da er dumme Wähler benötigte, um auch bei den nächsten Wahlen weiter im Amt zu bleiben.

Wo wir beim Thema „nächste Wahlen“ sind: angeblich war der CDU-Führung das Ansinnen von Roland Koch, Ende 2010 von seinem Amt zurück zu treten und sich aus der Politik zu verabschieden, schon länger bekannt (wer dazu eine verlässliche Quelle hat, bitte melden). Aber auch so ist es eine berechtigte Forderung der Piratenpartei Hessen, Neuwahlen zu fordern. Knapp eineinhalb Jahre ist Roland Koch in seinem Amt als Ministerpräsident Hessens bestätigt – und auch nur mit einem sehr knappen Ergebnis. Nur 37,2 % der hessischen Wähler wollten ganz klar wieder von Roland Koch regiert werden. Die FDP konnte vor einem Jahr noch mit 16,2 % dieses Vorhaben stützen. Dass er so früh nach seiner Wiederwahl zurück tritt, schreit, auch im Hinblick auf die desolate Verfassung der FDP, die wackelige Position der CDU und die neue Stärke der SPD, quasi nach Neuwahlen. Aber die CDU wird es wohl aussitzen. Denn sie könnte – berechtigter Weise – die Gefahr sehen, ihre Macht im Hessischen Landtag zu verlieren.

Und nun wird Volker Bouffier, der evtl. ein bisschen Vetternwirtschaft betrieben hat, aber sich zumindest über ein Gerichtsurteil hinwegsetzte und einen neuen Polizeipräsidenten ernannte, als Koch-Nachfolger gehandelt. Und schon wird der Ausspruch, es sei eine „Entscheidung zwischen Pest und Kochlera“ im Netz populär. Dass sich Volker Bouffier keiner großen Beliebtheit erfreut, liegt möglicherweise auch daran, dass er so manche Zahl nach Milchmädchenmanier sehr eigensinnig interpretiert und somit ein Rückgang der Straftaten im Internet plötzlich eine Steigerung sind.

Wie dem auch sei – ein großer Stein ist am heutigen Tage sicherlich dem einen oder anderen vom Herzen gefallen. Aber auch Angst und Schrecken könnte sich zumindest innerhalb der CDU verbreiten. Wer da nun an wessen Stuhl sägen wird, wird sich in der kommenden Zeit zeigen… aber ich glaube auch, dass „Machtwort-Merkel“ (aus der „Extra 3 Kanzler-Kantine“) zumindest leicht ins Schwitzen geraten könnte.

Ein Gedanke zu „Darth Vaders Rückzieher

  1. Der Rückzug von Roland Koch hat mich total überrascht. Er ist als hessischer Ministerpräsident ein Urgestein in der Regierung. Ich bin wirklich gespannt, wie sein Nachfolger die Lücke füllt, die er zweifellos hinterlassen wird. Man kann zu ihm stehen wie man will, auf jeden Fall ist er noch zu jung um sich zur Ruhe zu setzen. Wir werden sicher noch von ihm hören.

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