Kein deutscher Ausweis? Dann meide die Bahn!

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 4 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Wer keinen deutschen Ausweis hat, der sollte die Bahn meiden. Dieser Eindruck wird zumindest von einem recht ungehörigen Vorfall vermittelt. Ein Redakteur des Spiegels bekam das Drama um die russische Psychologie-Studenten Asya live mit und hat die Ereignisse teilweise mit seinem Handy aufgenommen, auch wenn die Bundespolizei versucht hat, ihn dabei zu hindern.

Der Artikel (mit dem veröffentlichen Spiegel-Artikel und dem Video) ist hier zu finden: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/bahnkundin-ohne-deutschen-pass-von-polizei-abgefuehrt-a-894980.html

Die junge Studentin hatte ihr Zug-Ticket online gebucht. Wer schon mal ein Online-Ticket bei der Bahn gebucht hat, wird wissen, dass man dort ein Dokument zur Identifikation angeben muss. Das kann der Personalausweis sein, die Bahncard, die EC- oder Kreditkarte. Nun hatte Asya offenbar als Ausweisdokument den Personalausweis ausgewählt und dort die Ausweisnummer ihres russischen Passes eingetragen, wie sie es immer macht. Bisher gab es dabei wohl auch keine Probleme. Aber es gibt natürlich Tage, an denen gerät man an jemanden, der Dienst nach Vorschrift macht und dabei keine Gnade kennt. Ich kenne so pingelige Leute. Die sind auch privat scheiße.

Im Grunde hatte die Zugbegleiterin Recht: das Ticket war nicht gültig, weil das Ausweisdokument nicht den Bestimmungen entsprach. Diese Bestimmungen gibt es, weil die Bahn (womöglich zu Recht) Angst hat, dass Online-Tickets mehrfach genutzt werden. Insofern kann nur das Ticket seine Gültigkeit besitzen, dessen Gültigkeit nachweisbar ist.

Das könnte übrigens auch passieren, wenn man statt seiner Personalausweis-Nummer die Nummer seines deutschen Reisepasses eingibt. Denn es wird ausdrücklich der Personalausweis verlangt.

Anstatt die Reisende, die das Ticket ja gekauft und auch bezahlt hat, darauf hinzuweisen, dass es problematisch ist, statt des Personalausweises einen anderen Pass zu verwenden, wird sie wie eine Schwarzfahrerin behandelt. Die Möglichkeit, den Sachverhalt zu klären, wurde ihr genau genommen nicht gegeben. Stattdessen wurde sie an der nächsten Station von der Bundespolizei aus dem Zug gezerrt.

Nachdem durch die Bundespolizei gegen Asya wegen Hausfriedensbruchs ermittelt wurde, sie aber im Gegenzug Anzeige gegen die Zugbegleiterin und die Bundespolizei erstattet hat, wurden die Ermittlungen inzwischen wohl eingestellt. Auch die Bahn hat ihr ein Entschuldigungsschreiben zukommen lassen.

Aber muss es denn immer erst soweit kommen, dass die Bahn ihr Bedauern ausdrücken muss? Arschloch-Zugbegleiter gibt es, die werden dadurch auch nicht plötzlich besser. Arschlöcher schmeißen selbst Kinder bei Minusgraden mitten in der Nacht an wildfremden Bahnhöfen raus. Arschlöcher akzeptieren auch nicht, wenn die Bahncard gerade mal einen Tag abgelaufen ist und man die neue Bahncard zu Hause vergessen hat. Arschlöcher akzeptieren nicht, dass man im Tarifdschungel das falsche Ticket gelöst hat. Arschlöcher akzeptieren auch nicht, wenn der einzige Ticket-Automat am Bahnsteig nicht funktioniert.

Oh, einen Arschloch-Zugbegleiter habe ich noch: Jemand hat ein Spar-Ticket. Der Zug verspätet sich und der Anschlusszug ist nicht mehr zu erreichen. Wegen der Zugbindung kann das Ticket eigentlich nicht mehr genutzt werden, aber der Fahrgast hat natürlich das Recht, sich am Info-Schalter einen Ersatz ausstellen zu lassen. Wenn man allerdings an einem Bahnhof strandet, an dem es keinen Info-Schalter gibt, befindet man sich in der tollen Situation, dass man sich die Verspätung vom Zugbegleiter des verspäteten Zugs bestätigen lassen muss. Dann muss man sich ein neues Ticket kaufen, mit dem man dann zu seinem Zielbahnhof fahren kann. Dort kann man sich dann, wenn ich das richtig verstanden habe, das Ticket erstatten lassen oder sich telefonisch oder postalisch an den Kundenservice der Bahn wenden. Blöd nur, wenn man keine EC- oder Kreditkarte dabei hat, um am Automaten das Ticket zu kaufen. Blöd auch, wenn man sich mit diesen Bestimmungen nicht auskennt, weil man sowas grundsätzlich erst dann weiß, wenn es einem schon mal passiert ist.

Wer jetzt also den anschließenden Zug nutzt (was ja logisch wäre), der darf sich dann vom Zugbegleiter, so er denn ein Arschloch ist, anschnauzen lassen, dass das Ticket nicht gültig ist. Natürlich ist er dann schwarz gefahren und muss den doppelten Fahrpreis zahlen oder wird am nächsten Bahnhof von der Bundespolizei abgeholt. Nach einigem hin und her und Intervention durch einen freundlichen Fahrgast, konnte zumindest das Problem des Schwarzfahrens abgewendet werden. Auch hier gab es im Anschluss ein Entschuldigungsschreiben der Bahn.

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