Die Leistung eines Systemadministrators

Die Zeiten ändern sich.

Dieser Beitrag scheint älter als 2 Jahre zu sein – eine lange Zeit im Internet. Der Inhalt ist vielleicht veraltet.

Heute ist, wie jeden letzten Freitag im Juli, der Tag des Systemadministrators. Und obwohl es diesen speziellen Feiertag für meine Berufsgruppe schon seit 14 Jahren gibt, wissen es immer noch nur wenige Leute. Dieser Tag ist dazu gedacht, seinem/n Systemadministrator/en Danke zu sagen für alles, was er geleistet hat.

Manchen Leuten hingegen kommt gar nicht in den Sinn, dem Admin den Dank auszusprechen. Einige sind sogar der Meinung, dass eher der Admin dankbar dafür sein sollte, dass er überhaupt einen Arbeitslohn erhält, da seine Leistung ja überhaupt nicht im Verhältnis zu seinem Lohn stehe.

Ich sehe das anders. Natürlich, ich bin ja auch Admin. Ich finde, wir Admins bekommen – zumindest teilweise – zu wenig für die Leistung bezahlt. Es mag Admins geben, die sich jeden Monat nen neuen Porsche kaufen können, aber das ist die Ausnahme. Und ja, es gibt auch Admins, die eher unfähig sind und somit auch mit dem Durchschnittsgehalt deutlich überbezahlt sind. Aber auch das ist eher die Ausnahme.

Doch wie berechnet man eigentlich die Leistung eines Admins? (Ich gehe mal vom „klassischen“ Mix aus Admin und Helpdesk aus, wie es in kleinen und mittelständischen Unternehmen am ehesten anzutreffen ist.) Schließlich ist so einer doch nur ne Kostenstelle. Er beschafft neue Hardware und neue Software und erklärt den Kollegen, wie sie bunt statt schwarz-weiß drucken können. Und ansonsten verbieten sie einem ständig nur die Nutzung von irgendwelchen Programmen und Pornoseiten oder sind nur am Meckern, wenn man mal eigenmächtig was „optimiert“ hat. Sie produzieren nichts, sie bringen keinen Gewinn ein, sie kosten einfach nur und sitzen in ihrem Kämmerlein und drehen Däumchen.

Zumindest habe ich das Gefühl, dass Admins oftmals so wahrgenommen werden.

Man bemerkt Admins nur, wenn mal was NICHT funktioniert. So ist das eben mit der selektiven Wahrnehmung. Während ein Arbeiter am Fließband daran gemessen werden kann, wie viele Kugelschreiber er zusammengeschraubt hat, während ein Vertriebler daran gemessen werden kann, wie viele Produkte er verkauft hat, während das Marketing daran gemessen werden kann, wie stark der Umsatz gestiegen ist (und dazu noch die ganzen hübschen Marketing-Medien wie Bilder, Videos, Präsentationen etc.), kann ein Admin offenbar nur danach gemessen werden, wie häufig es Probleme mit der IT gab. Dann heißt es gleich: was für ein unfähiger Admin, wofür bezahlen wir den denn? (Wie schon gesagt, auch solche gibt es, aber ich halte es eher für die Ausnahme.) Und wenn es gar keine Probleme gab, dann heißt es: der macht doch eh nix, wofür wird der eigentlich bezahlt?

Und da genau liegt doch der Hund begraben. Der Admin arbeitet „im Verborgenen“ und kümmert sich drum, dass der Arbeitsalltag weitgehend unproblematisch für die Angestellten abläuft. Das heißt: niemand bemerkt es, weil alles gut ist. Ich frage mich manchmal, wie sich ein Angestellter – oder auch eine Führungskraft – die Arbeit eines Admins vorstellt. Soll er den ganzen Tag durch die Büros wuseln und Kabel verlegen? Irgendwann sind doch alle Kabel verlegt – im besten Fall müssen doch gar keine neuen Kabel verlegt werden. Oder sollen Admins abwechselnd an einem Tag Kabel verlegen (so sinnlos sie auch sein mögen) und am nächsten Tag die Kabel wieder entfernen?

Besser ist doch, dass der Admin – in welcher Form auch immer – alle Systeme im Blick hat und bei Unregelmäßigkeiten sofort reagieren kann. Ich gebe zu, ich gucke mir auch Katzenbilder und unsinnige Sachen im Internet an. Es gibt am Tag mehrmals Momente, da hab ich nichts Besseres zu tun. Aber es gibt jeden Tag irgendwas zu machen – und sei es nur, den Spamfilter zu justieren, damit die Kollegen nicht merken, dass es überhaupt ein Spamproblem gibt.

An Beispielen mangelt es mir nicht. Ich kann hier zwar nur für mich selbst sprechen, denke aber, dass es bei anderen Admins in anderen Firmen ähnlich ist. Die Spamfilter hab ich ja schon erwähnt. Man guckt sich dabei die Log-Dateien an, was durch den Spamfilter gerutscht ist und definiert dann nach eigenem Gutdünken, wie man zukünftig solchen Spam vermeiden kann. Dabei kann man bspw. strikt nach Keywords filtern, muss aber auch im Hinterkopf haben, dass manche Keywords auch in legitimen Mails vorhanden sein können. So habe ich erst kürzlich den Fehler gemacht, dass ich das Wort „Qualitat“ gefiltert habe (irgendwelche dubiosen Finanzagenten sollten angeworben werden und da der Versender aus dem Ausland kommt, gibt es keine Umlaute). Das erschien mir sinnvoll. Allerdings habe ich dabei nicht bedacht, dass dieser Begriff auch im Wort „qualitativ“ vorkommt. Und schon wurde eine legitime Mail vom Spamfilter abgewiesen.

Ich muss Passwörter zurücksetzen, weil Mac- und Linux-Nutzer ihre Passwörter nicht selbst am Active Directory ändern können. Accounts müssen entsperrt werden, weil Nutzer ihr Passwort mehrfach falsch eingegeben haben (oder bei einem Passwortwechsel vergessen wurde, auch das WLAN-Passwort im Smartphone zu ändern). Neue Benutzer müssen eingerichtet werden, wenn neue Kollegen kommen. Und Accounts ausgeschiedener Mitarbeiter muss ich entsprechend deaktivieren. Software-Updates müssen verteilt werden, damit sich niemand über Sicherheitslücken irgendwelche Schadsoftware einfängt. Die AntiVirus-Lösung muss überwacht werden (und per Mail ankommende Viren, die noch nicht erkannt werden, eingesendet werden). Und wenn doch mal ein Virus seinen Weg auf einen Rechner geschafft hat, muss ich den betroffenen Rechner säubern. Die Firewall muss überwacht werden, um Angriffe zu erkennen, Schadsoftware im eigenen Netzwerk zu entdecken oder einfach nur Verbindungsprobleme zu analysieren. Im Allgemeinen muss die IT-Sicherheit gewährleistet werden. Dazu gehört, einschlägige Medien regelmäßig zu lesen (ich nehme hier Heise, Golem und Winfuture) und ggf. Gegenmaßnahmen zu ergreifen (wie beim Heartbleed-Problem Anfang April 2014). Ich muss die Drucker überwachen (kleinere Defekte und Papierstau beheben, Papier auffüllen, Toner und andere Verbrauchsmaterialien tauschen). Ich muss den Zustand der Server überwachen, wie die Prozessor- und Speicherauslastung ist, wie die Festplattenauslastung ist, ob wichtige Updates für Dienste bereit stehen. Wenn Bedarf besteht, muss ich neue PCs oder Macs bestellen und einrichten. Die Telefonanlage verwaltet sich nicht von selbst und auch Netzwerkdosen müssen gepatcht werden, wenn eine (wieder) in Betrieb genommen wird. Zu meinen Aufgaben gehört außerdem das Planen der Arbeitsplatzverteilung, wenn neue Mitarbeiter kommen oder sich neue Teams bilden. Ich muss neue Dienste, die den Kollegen Erleichterung bei ihrer täglichen Arbeit bringen, evaluieren und installieren. Ich muss das Backup im Auge haben und prüfen, wer eine wichtige Datei gelöscht oder zumindest verändert hat. Die Konferenzräume müssen regelmäßig geprüft werden, ob alle Kabel, Adapter und Geräte vorhanden und einsatzbereit sind. Mitarbeiter müssen ständig und wiederholt auf Gefahren hingewiesen werden (es kommt leider hin und wieder mal vor, dass eine Rechnung.pdf.exe ausgeführt wird) oder darin ermuntert werden, bei Problemen erstmal einen Neustart durchzuführen.

Auch sonstige Probleme und Wehwehchen im Büroalltag sind (unfreiwillig) zu meinen Aufgaben geworden. Ist der Geschirrspüler kaputt oder muss eine Glühbirne gewechselt werden, bin ich der erste Ansprechpartner, weil das ja mit nem Schalter bedient wird. Manche glauben sogar, dass ich neues Klopapier auf die Toiletten bringen muss.

Ich könnte vermutlich ein dickes Buch darüber schreiben, was ein Admin alles zu tun hat. Und manchmal wird ein Admin auch für Arbeiten eingespannt, die normalerweise nicht in seine Stellenbeschreibung passen. Ja, man könnte sich weigern, solche Aufgaben durchzuführen, weil die Stellenbeschreibung solche Hausmeisterarbeiten nicht umfasst. Aber wozu die Diskussion?

Anders herum fühlt man sich manchmal ein bisschen verarscht. So kommt es auch schon vor, dass jemand ohne Ahnung, aber mit Macht (Kunden, Geschäftsführer etc.), dem Admin irgendwelche Lösungen für Problemstellungen diktiert. Da kann man sich noch so mit Händen und Füßen gegen wehren, meistens bleibt einem nichts anderes übrig, als die „Lösung“ umzusetzen und zu demonstrieren, dass es nicht funktioniert. Ein „ich habs dir doch gesagt“ hilft da übrigens nicht. Letztendlich heißt es trotzdem, dass es die Unzulänglichkeit des Admins ist.

2 Gedanken zu „Die Leistung eines Systemadministrators

  1. Ja der Artikel spricht mir aus der Seele. Bei mir kommen noch Produktentwicklung, Softwareentwicklung, Mitarbeiter und Azubiausbildung hinzu. Ausserdem bin auch ich für alles was mit Strom zu tun verantwortlich, vom Leuchtmittelwechseln über die Planung von Steckdosen in Räumen bis zur neuen Brandmeldeanlage..

    VG
    Oliver

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