Spendenbereitschaft

Guten Morgen oder guten Abend – je nach dem, wie man es sieht!
Gestern abend lief auf Sat 1 eine Spendengala für die Tsunami-Opfer. Viele viele Stars (und auch Nicht-Stars) waren anwesend, um die Sendung dabei zu unterstützen, möglichst viele Spenden zu sammeln. So hat zum Beispiel der FC Bayern München eine stattliche Summe von 300.000 € gespendet. Die Telekom sogar eine ganze Million – und damit nicht genug. Unter den Telekom-Mitarbeitern soll der Spendentopf auch noch mal rumgehen, was evtl. auch noch eine weitere Million einbringen könnte und die Einnahmen durch die Anrufe über die Service-Hotline (immerhin 6,2 Cent pro Minute) sollen gespendet werden. Jeanette Biedermann spendete 15.000 €. Ich habe die Sendung leider nicht zuende gesehen, aber ich denke, das Endergebnis liegt bei 3,5 Millionen €. Sat 1 gibt auf seiner Internetseite zurzeit leider auch keine Auskunft darüber.

Die Spendenbereitschaft ist groß. Ich frage mich nur, warum? Genau ein Jahr vorher, am 26. Dezember 2003 wurde der Ort Bam im Iran von einem Erdbeben erschüttert. Von der Stadt blieben nur noch Trümmer und Staub übrig. 30.000 Menschen sind damals umgekommen. So gewaltige Spendenaufrufe wie heute hat es damals nicht gegeben.

Ist es diesmal so viel wichtiger für uns, weil mehr als tausend Deutsche wohl umgekommen sind? Oder ist es, weil der Tsunami eine Naturgewalt ist, die wir noch nicht ausreichend kennengelernt haben? Aber würde ein normales Erdbeben, welches so viele Opfer fordert, in einem westlichen Staat nicht auch anders bewertet werden?

Fragen über Fragen…

Medienkatastrophen

Die Süddeutsche Zeitung ist meine Lieblingszeitung. Sie ist intellektuell und vermittelt viele Informationen. Die SZ hat ein hohes Niveau und ist dennoch gut zu lesen.
Ich würde es aber nicht ansprechen, wenn ich nicht einen negativen Anlass hätte. Die SZ hat wohl neuerdings neue Lektoren oder die Lektorenstellen waghalsig gekürzt. Es ist mehr als nur ärgerlich, wenn in der einst so tollen Zeitung Rechtschreibfehler, Tippfehler, vergessene Buchstaben und merkwürdige Grammatiken vorkommen. In der heutigen SZ ging es um „Rauschfgithandel“ und um die ZDF-Serie „Sternfl stern“. Das waren nur zwei Beispiele, die mir gerade spontan eingefallen sind. Doch das ist alles nicht so tragisch – ich lese weiterhin in der SZ.

Ein Artikel hat es mir heute mal wieder besonders angetan. Und zwar geht es in dem Artikel um die Verbrechen der Deutschen Medien.

Januar: der Prolo-Sender RTL (RTL = Rammeln Titten Lallen) schickt eine Gruppe der miesesten Güteklasse C Promis nach Australien in den Bush, wo diese dann „gefährliche“ Aufgaben erledigen müssen. Gefährlich war es wohl höchstens für die Tiere – ich möchte nicht wissen, wie viele Kakerlaken allein schon vom Anblick Küblböcks verendet sind. Einige Teilnehmer des Dschungelcamps verlieren (berechtigterweise) ihren Job. Leider hat RTL nicht dazugelernt und plant ein Revival.
Da das Niveau noch nicht ganz am Boden ist, wird kurzerhand der Nachfolger vom Bachelor ins TV gesetzt: die Bachelorette.

März: Die Chefetage bei Pro Sieben Sat 1 Media AG wird neu besetzt. Das Programm wird nicht besser – nur schlechter!
Talk-Clown Michel Friedman wird beim Koksen erwischt und es wird aufgedeckt, dass er lustige Parties mit Damen des horizontalen Gewerbes ausgiebig gefeiert hat. Ich glaube, dass die Prostituierten nur am Koks und am Geld interessiert waren – so ein schmieriger, öliger Mensch wie Friedman erzeugt jedenfalls bei mir nur Ekel. Hier stellt sich die Frage: Hatte Möllemann wohl doch Recht? Zumindest als Mitglied des Zentralrats der Juden sollte Friedman nun nicht mehr haltbar sein.

Mai: Anke Engelke versucht in Haralds Fußstapfen zu treten und startet mit einer Late Night Show. Wie ich geahnt hatte, ist ihre Schrittweite deutliche geringer als die von Harald, so dass ihre drittklassige Late Night Show sehr schnell floppte. Das intelligente Harald Schmidt Publikum hat sich das nicht angetan – dafür aber das stupide Publikum, dass nachmittags die Gerichts- und Talkshows in sich reinfrisst und abends ein Niveau wie bei der BILD-Zeitung benötigt – nämlich gar keins. Selbst dieses Publikum konnte Schreckschraube und Antiwitzexpertin Anke Engelke nicht lange für sich behalten.

Juni: Arabella Kiesbauer hört nach zehn Jahren mit ihrer Gruselshow auf! Gut? Ich weiß nicht, was läuft denn jetzt dort?
Der US-Medienkonzern Viacom kauft den Sender Viva – das Programm des Senders wird noch schlechter, als es sowieso schon war.

Juli: Pro Sieben startet die Ekel-Show „Die Alm“, wo, wie schon beim Dschungelcamp, eine Reihe Klasse C Promis ausgesucht werden. Die dürfen sich nun mit Ekel-Aufgaben rumschlagen – es ist jedoch fraglich, was ekliger ist. Die Aufgaben oder die Promis?

September: Der Niveau-Sumpf RTL macht seinem Image alle Ehre und zeigt Live Brust-Operationen. Pädagogisch wertvoll!
Sat 1 zieht das Niveau mit der Show „Kämpf um deine Frau“, in der männliche Versager darum in einem Camp kämpfen, dass ihre Frauen sie nicht verlassen. Ok, diese Show hatte wenigstens einen sozialen Hintergrund und letztendlich fand ich es toll, dass die Weicheier Manieren, Putzen und Kochen gelernt haben.
Pro Sieben strahlt die Show „Hire or Fire“ aus, welche jedoch aufgrund des bahnbrechenden Erfolges (hat die Show überhaupt jemand gesehen?) sofort wieder aus dem Programm fliegt. RTL hat von Titten wohl nicht genug und stellt Reiner Calmund für die Show Big Boss ein, die aber genauso ist, wie der Hauptdarsteller: langweilig und träge.

November: ARD und ZDF tuen es den Privatsender gleich und bringen ebenfalls stupide wie langweilige Doku-Soaps raus. Bei ARD ist es „Abenteuer 1900 – Leben im Gutshaus“ und beim ZDF „Traumfischer“ und „Sternflüstern II“.
Pro Sieben startet die Show „The Swan“, wo dumme hässliche Mädchen einer Schönheitsoperation unterzogen werden sollen. Leider ist denen kein Hirn eingepflanzt worden.

Dezember: Sex and the City läuft nicht mehr! Endlich kann man sich wieder ne Freundin zulegen, ohne dass man gezwungen wird, diese Serie zu sehen.


„Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien.“ Oscar Wilde; brit. Schriftsteller, 1854-1900