Frech & Dreist

Man beliebt zu schießen

Man erlebt heutzutage ja schon eine ganze Menge. Was sich aber ertappte Spammer teilweise leisten, ist an Frechheit und Dreistigkeit kaum zu überbieten.

Eine häufig verwendete Ausrede von ertappten Spammern ist: „Unser Newslettersystem wurde gehackt“ – Aber: „In einem Atomkraftwerk kann man auch nicht sagen, man habe keine rote Warnlampe leuchten sehen und keine Alarm-Sirenen gehört!“ (zit. der Signatur von „Spamgegner“ bei Antispam.de)

Aber nicht jeder versucht, auf eine solch perfide Art seinen Hals aus der Schlinge zu ziehen. Ein paar bösartige Beispiele und ein ziemlich bescheuertes möchte ich Dir hier vorstellen (Namen verändert):

Der Betreiber einer als Teestube getarnten zweifelhaften Firma schrieb:

Sehr geehrter Herr xxx

Wir haben heute ihre falschen Darstellungen
Über www.[Die Teestube].de zur Kenntnis genommen.

Es wurde sofort Strafanzeige erstattet.

Hiermit fordern wir Sie auf binnen 24 Stunden
Die Texte aus dem Internet zu entfernen.

Andernfalls werden wir dies über eine gerichtliche Verfügung erzwingen.

Nur weil Sie nacheigenen Angaben gerade Ihr Abitur gemacht haben
Schreiben wir Sie persönlich an um Ihnen die hohen Gerichtskosten
(Streitwert 500.000.- Euro) zu ersparen.

Mit freundlichen Grüßen

Dass der Hinweis auf die Strafanzeige nur Bluff war und auch alles andere nur meiner Verunsicherung galt, habe ich relativ schnell bemerkt.

Ein Spezialist für Partnerinnenvermittlung aus Russland schrieb:

Ich fordere Sie hiermit auf unverzüglich Ihre Seite vom Netz zu nehmen.

Ihr Eintrag bei Google erzeugt für meine Seite eine Geschäftsschädi-
gung. Durch Ihren Eintrag bei Google ist eine Spam E-Mail von uns zu
sehen die wir nie verschickt haben. Ich gebe Ihnen hiermit 4 Wochen
Zeit Ihren Eintrag bei Google (Update alle 3 Wochen) und allen
anderen Suchmaschinen so zu ändern das kein Eintrag von Ihnen mit
unserer Seite und weiteren in Verbindung steht. Ich verweise auf
Firmennamen, Copyright und Links.
Damit Sie nicht noch weiteren Schaden anrichten können bleiben
weitere Informationen erst einmal anonym.

Diese Aufforderung der Änderung Ihrer Suchmaschinen Einträge betrifft
mehre Seiten in deren Auftrag ich schreibe. Wir werden Ihre
Aktivitäten beobachten.

Ich fordere Sie hiermit zu einer Stellungnahme innerhalb von 2 Tagen
auf.

Interessanter Weise wurde mir hier erst vorenthalten, worum es überhaupt geht. Es handelte sich hier offensichtlich um einen Einschüchterungsversuch. Erst aus einer weiteren E-Mail ging hervor, worum es sich überhaupt dreht. Der Spammer hatte eine von meiner Harvesterfalle generierte E-Mail-Adresse angemailt, durch die ich ihm den Einsatz eines illegalen Adresssammlers nachweisen konnte. Diese Reaktion kam vermutlich, nachdem 1&1 meine Beschwerde gegen ihn an ihn weitergeleitet hatte. Er teilte mir dann auch mit, dass von seiner Seite aus „Werbung nach den offiziellen EU Richtlinien verschickt“ werde. Als ich ihm erklärte, dass es keine EU-Richtlinien zum Versenden von Spam gebe, ging er weiter in die Offensive:

aus Ihrem Schreiben erkenne ich das Sie nicht über die offiziellen
Richtlinien der EU und Deutschland Informiert sind. Ich bleibe dabei
das Ihr Eintrag bei Google für mich und andere eine Geschäfts-
schädigung bedeutet die wir so nicht dulden können.
So lange wie Sie Daten von einer Internetseite kopieren, egal wie viel
,auch Auszüge, ist dies eine Verletzung des Copyright und hat zur
Folge eine Geschäftsschädigung.
Ich fordere Sie hiermit nochmals auf die Daten die Sie von
***.de gesammelt haben sofort von Ihrer Seite
zu löschen.

Eines machte mich jedoch stutzig. Das war der Umstand, dass ich weder Inhalte von seiner Homepage kopiert, noch irgendwelche anderen Daten auf meiner Seite publiziert hatte. Es stellte sich heraus, dass er sich über meine Meldung bei Antispam.de mukierte. In weiteren E-Mails versuchte er mir u.a. zu erklären, dass man persönliche Briefe/E-Mails nicht veröffentlichen dürfe. Dabei ist es – rechtlich betrachtet – jedem Menschen freigestellt, Briefe und E-Mails, die man erhalten hat, zu veröffentlichen, wie und wo man möchte. Leider verstehen die meisten Leute den Begriff „Briefgeheimnis“ nicht richtig und nehmen fälschlich an, dass kein Brief ohne Genehmigung des Absenders irgendwo veröffentlicht werden dürfe (das ist nur bei ganz bestimmten Rechtsverhältnissen der Fall).

Das Opfersyndrom

Einige Spammer reden sich auch damit heraus, sie seien Opfer ihrer Konkurrenz geworden. Oft mit dem Zusatz, dass bereits eine Strafanzeige gestellt wurde. In dem Fall, der mir vor meinem geistigen Auge Vorschwebt, wurde ein Aktenzeichen angegeben, unter welchem die Anzeige zu finden sei.

Vorsicht Spam ! Zur Zeit versenden unbekannte Personen für unsere In-
ternetseite Spam eMails. Diese eMails stammen nicht von uns. Wir ver-
senden niemals eMails, die für unsere Seiten werben. Wenn Sie eine
solche eMail erhalten haben, wenden Sie sich bitte an den Absender die-
ser eMails. Wir können da leider nichts unternehmen und sind ebenfalls
nur Opfer. Wir vermuten das Konkurrenz Unternehmen hinter diesen eMails
stecken, damit man unsere Seite sperrt.

Wir haben bereits Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet (Aktenzeichen:
105 443/04), wegen Rufschädigung

Anzeigen werden aber in aller Regel nicht als Aktenzeichen erfasst und enthalten außerdem immer einen Bezug zu der Behörde, wo man die Anzeige erstattet hat. Aus dem Grund ist das Benennen von Aktenzeichen nur dann sinnvoll, wenn man auch die Behörde benennt und alle Buchstaben, die zu einem Aktenzeichen hinzugehören (man muss es ja nachforschen können). Alles andere ist Augenwischerei, dem man keinen Glauben schenken sollte. In diesem Fall ist es sogar höchst wahrscheinlich, dass dieser Hinweis lediglich ein Ablenkungsmanöver ist. Den Straftatbestand der „Rufschädigung“ gibt es so nicht. Denkbar wäre hier höchstens „Üble Nachrede“ oder „Verleumdung“. Natürlich wurde schon versucht, herauszufinden, ob diese Anzeige tatsächlich vorliege, doch der „Erstatter“ der Anzeige hat sich bisher mit genaueren Angaben sehr zurückgehalten.

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