Angst und Statistiken

Als ich heute morgen in die Tageszeitung blickte, wusste ich Bescheid: Angst geht um auf Deutschen Campingplätzen. Innerhalb einer Woche wurden dort 5 Menschen ermordet. Somit ließe sich eine Statistik aufstellen (wenn man am vergangenen Sonntag damit beginnt), nach der Wöchentlich 5 Menschen auf Deutschen Campingplätzen ermordet werden. Das wären 260 Mordfälle im Jahr! Als beruhigende Tatsache kann man dem Otto-Normal-Camper, der morgens seine BILD-Zeitung ließt, aber durchaus sagen, dass statistisch gesehen 100% aller Campingplatzmorde aufgrund von Beziehungsproblemen geschehen. Wer also keine Probleme mit Liebhabern hat, kann beruhigt zum Camping fahren – allen anderen wird empfohlen, daheim zu bleiben.

Diesen Artikel schreibe ich aber nicht ganz ohne einen besonderen Hintergrund. Nachdem ich mir gestern mal wieder Volker Pispers zu Gemüte geführt habe, sind mir einige Aussagen zu Statistiken von Volker Pispers erhalten geblieben.

Der bekannte Kabarettist geht in seinen Erzählungen auf die angebliche Terrorgefahr durch Islamistische Terroristen ein.

Innenminister Schäuble sagt, der islamistische Terrorismus ist die größte Bedrohung im 21. Jahrhundert. Der muss es wissen, der ist die zweitgrößte…

Vor einigen Jahren wurde die Tabaksteuer erhöht, um den Kampf gegen den Terror mit den zusätzlichen Einnahmen finanzieren zu können. Dabei sind Raucher auch nicht viel besser als Selbstmordattentäter – nur eben ohne Sprengstoff. Und in Deutschland ist diese Art der Gemeingefährlichkeit gesellschaftlich Anerkannt und legal, weil auf den Zigarettenpackungen ja der Hinweis steht, dass das Rauchen bei allen Beteiligten ernsthafte Schäden hervorrufen kann. Volker Pispers stellt hier die Frage, ob Sprengstoffgürtel auch legal wären, wenn dort ein Hinweisschild und eine Steuerbanderole angebracht wären.

Worauf ich hinaus möchte: Laut statistischem Bundesamt gibt es jährlich 9.000 Tote, die an den Folgen von Passivrauchen gestorben sind. 150.000 Tote gibt es jährlich, die an den Folgen vom Rauchen gestorben sind. 50.000 sterben jährlich vom Saufen. 1.800 werden jährlich von Besoffenen tot gefahren.
Wenn Al’Kaida jährlich für 1.800 Tote in Deutschland sorgen würde, hätten wir hier so starke Gesetze, dass es unmöglich wäre, irgendwohin zu kommen, ohne bemerkt zu werden – ja, ohne durch einen Nacktscanner zu kommen. Sobald man aber Null-Promille am Steuer fordert, fällt es schwer, sich durchzusetzen, weil die Lobbyisten sich dagegen wehren.

Bevor ich das ganze hier versuche, in eigene Worte zu fassen, was ein deutlich schlechteres Ergebnis der Aussagen von Volker Pispers zur Folge hätte (denn was schon gut ist, lässt sich nicht unbedingt besser machen), stelle ich die entsprechende Folge hier einfach mal zur Verfügung zum selbst nachhören:

Es gab dazu mal ein Video bei Youtube, dies wurde leider entfernt.

Amokläufer in Frankreich

Dass Amokläufe weniger im Zusammenhang mit „Killerspielen“ stehen, als beispielsweise das Frühstücken von Brot, muss ich an dieser Stelle sicherlich nicht erwähnen. Wie Spiegel-Online berichtet, hat in der vergangenen Nacht im Elsaß ein 59jähriger auf Jugendliche geschossen, weil ihm diese zu laut waren. Dabei kam ein Jugendlicher ums Leben. Weitere Personen (unbeteiligte, die mit dem Auto nur vorbei fuhren) wurden teilweise verletzt.

Mir stellt sich nun die Frage, wie ein solcher Gewaltausbruch nun „gerechtfertigt“ wird. Dass der Mann ein regelmäßiger Spieler von „Killerspielen“ ist, ist aufgrund seines Alters eher unwahrscheinlich (die Wahrscheinlichkeit, dass er Mitglied in einem Schützenverein ist – oder zumindes die längste Zeit war -, ist dann doch etwas höher).

Killerspiele-Verbot

Heute hat die VollpfostenMinisterkonferenz in Bremerhaven den Beschluss gefasst, die Herstellung und Verbreitung so genannter „Killerspiele“ zu verbieten, um somit weiteren Amokläufen an Schulen vorzubeugen. Das ganze klingt erstmal sehr edel, ist aber beim genaueren Hinsehen absolut idiotisch. Ganz davon abgesehen, dass es genügend Quellen geben wird, wo man solche Spiele statt im offiziellen Handel erwerben kann, spricht doch die Vernunft eines normalen Menschen, der mit einem IQ höher als 80 gesegnet ist, dass man mit so einem Verbot gar nichts erreicht, außer ein bisschen für populistische Schlagzeilen zu sorgen.

Jeder, der bei der Bundeswehr ist, ein Polizist ist oder sich in einem Schützenverein betätigt (ich werde diese Aufzählung der Einfachheit weglassen und allgemein von „Schützen“ schreiben), weiß, wie schwer es ist, mit einer Waffe umzugehen, wenn man nicht darin geübt ist. Für einen Laien ist es sehr schwer, bspw. mit einer Pistole um sich zu schießen und jemanden gezielt zu treffen (wenn überhaupt jemand getroffen wird). Hingegen haben Schützen eine entsprechende Ausbildung, mit solchen Waffen umzugehen.

Betrachten wir einmal den Killerspielespieler: davon gibt es tausende in unserem „schönen“ Deutschland. Wenn man einen Persönlichkeitstest aller Killerspielespieler durchführen würde, würde man sogar feststellen, dass der größte Teil ganz normal ist, ohne bemerkenswertes bzw. überdurchschnittliches Aggressionspotential. Weiterhin ist das einzige Werkzeug eines Killerspielespielers der Klick auf die linke Maustaste. Da gibt es keinen Rückstoß und das Zielen ist einfacher.

Klar, es gibt das Argument, dass Killerspiele durchaus das Potential haben, den Einzelnen gegenüber Verletzungen und Mord/Totschlag abzustumpfen – oder Aggressiv zu machen. Aber dieses Argument geistert schon seit Ewigkeiten durch die Welt der düsteren Legenden und wird immer dann gebraucht, wenn irgendwelche Leute, die viel von sich halten, aber nix in der Birne haben, mit irgendwelchen Dingen nicht umgehen können. Dieses Argument wurde auf Musik angewendet, auf Filme, vielleicht sogar vor vielen Jahrhunderten schon auf Schach. Heute sind es eben die virtuellen Welten, in denen Schlachten gegen das Böse geschlagen werden.

Dabei ziehen diese Hohlbirnen aber nicht die Möglichkeit in Betracht, dass es gar nicht auf die Freizeitgestaltung ankommt, wie sich eine Persönlichkeit eines Menschen entwickelt. Sondern es ist ein gesellschaftliches Problem, welches durch Verbote oder große Reden nicht besänftigt wird, sondern es im schlimmsten Fall sogar noch vergrößert.

Kommen wir aber zurück zum Thema: was unterscheidet nun einen Schützen von einem Killerspielespieler? Außer, dass der Killerspielespieler eine viel coolere Bezeichnung hat, ist der Schütze im Umgang mit echten Waffen geübt. Und ich denke, diese Tatsache ist ein sehr wichtiger Punkt. Die weitere Stufe ist nun die Aggregation von Killerspielespielern und Schützen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es davon auch eine Menge gibt. Aber wenn man sich mal die Täter von Amokläufen mit Schusswaffen anschaut, waren sie alle im Schützenverein, waren Waffennarren oder haben eine anderweitige Ausbildung an Schusswaffen genossen. Die wenigsten haben Killerspiele gespielt. In den meisten Fällen, in denen Amokläufer auch diese Spiele gespielt haben, konnte nicht mal wirklich ein schlüssiger Bezug zwischen Spielen und Tat hergestellt werden – außer natürlich, dass sich solche Spiele im Besitz des Täters befanden.

Doch weil man die Lobby der Waffenindustrie und der Schützen nicht verärgern möchte, nimmt man lieber die weitaus harmloseren Industriezweige aufs Korn und schiebt diesen dann den schwarzen Peter zu. So einfach ist das: denn was noch nicht traditionsgebunden ist, lässt sich auch schneller und einfacher wieder verdrängen.

Wer jetzt also behaupten möchte, dass ein Killerspielespieler eine höhere Gefahr darstellt, als jemand, der im Umgang mit Waffen geübt ist und ohne größere Umstände an Schusswaffen heran kommt, den bitte ich, von der Lektüre meines Blogs abzusehen und sich lieber wieder der BILD-Zeitung zu widmen, sofern die nicht schon zu anspruchsvoll für ihn ist. Allen anderen sage ich, dass ein Amokläufer keine „Übung“ durch Computerspiele benötigt, um seine Tat zu begehen.

Amoklauf in Emsdetten

Wie immer gehen die meisten Leute nach solchen Ereignisse auf die Suche nach dem Sündenbock. Wenn es nicht der Heavy Metal ist (Marilyn Manson insbesondere) ist, dann sind entweder Gewaltvideos oder „Killerspiele“ der Grund. Dass aber jemand hingeht und sagt, dass die Gesellschaft an sich diese Gewalttäter hervorbringt, gibt es leider viel zu selten und wenn, dann werden diese Leute einfach „wegignoriert“. Es ist ja auch einfacher, irgendwelchen „Dingen“ die Schuld in die Schuhe zu schieben, als komplizierte soziale Konstrukte auseinander zu klamüsern.

Diskussionen über Computerspiele und Gewaltvideos werden immer wieder losgetreten, letztendlich bringen sie jedoch nichts, außer dass die Medien mal wieder was zu berichten haben. Man sollte nämlich auch bedenken, dass von 5.000.000 Jugendlichen, die CS, Doom oder Quake spielen, nur einer auch zur Waffe greift und Menschen damit verletzt oder umbringt. Und dieser eine ist jemand, der keine Ziele im Leben hat – mag sein, weil seine Eltern ihn vernachlässigen, er von seinen Mitschülern gemobbt wird, er schlecht in der Schule ist oder einfach aus einem sozial schwachen Umfeld kommt. Die meisten von denen werden auch nicht zu Amokläufern. Einige produzieren HipHop, andere begehen Straftaten, aber die meisten fügen sich ihrem Schicksal und bleiben vollkommen normal.

Außerdem: woher bekommen solche Leute die Waffen? Besonders in diesem Fall, wo der Täter heute eigentlich eine Verhandlung wegen illegalen Waffenbesitzes hatte…