Warum die Quelle wichtig ist

Seit einiger Zeit verlinken einige meiner Facebook-Kontakte immer mal wieder auf die Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN). Für mich und für viele andere gibt es gute Gründe, dieses angebliche Nachrichtenportal nicht auf diese Weise zu unterstützen. Der vom Elektrischen Reporter (ZDF) bekannte Mario Sixtus schrieb unlängst:

(Wenn hier nur der Link zum Beitrag erscheint, wird der eingebundene Facebook-Beitrag von Deinem Adblocker ausgeblendet)

Das mag ein wenig provokant sein, aber trifft es sicherlich im Kern.

Warum aber soll jemand, der auf die DWN verlinkt, ein Idiot sein? Nun, dazu müsste man zunächst erklären, was an den DWN schlecht ist. Das Empfinden ist natürlich hier auch sehr subjektiv, auch wenn es von vielen geteilt wird. Daher ist meine folgende Aufzählung nicht eine in Stein gemeißelte Tatsachenbehauptung, sondern spiegelt lediglich das wider, welchen persönlichen Eindruck ich beim Durchstöbern der DWN sowie bei weiterführenden Recherchen gewonnen habe:

  • Die DWN spielen mit der Angst der Bürger vor der Krise. Viele Nachrichten sind tendenziös, populistisch und oft als Lobby-Arbeit für Euro-Gegner erkennbar. Damit meine ich nicht nur die Gemeinschaftswährung „€uro“, sondern auch das Gesamtkonstrukt der europäischen Union.
  • Die „Nachrichten“ auf diesem Portal sind häufig reißerisch und/oder suggestiv, transportieren dem Leser also eine bestimmte politische Botschaft. Eine neutrale Berichterstattung sieht anders aus.
  • Die DWN beziehen sich selbst teilweise auf unseriöse Quellen wie die Verschwörungstheoretiker vom Kopp Verlag, wo auch hin und wieder braunes Gedankengut zu finden ist.
  • Die Kommentare sind durchsetzt von Verschwörungstheorien und Rechtspopulismus wie Relativierungen („rechts und links kann man doch gar nicht mehr unterscheiden“) oder Reichsdeutschem Gedankengut („wir haben keine gültige Regierung, sondern werden nur von einer BRD GmbH beherrscht“).

Kurz: meiner Meinung nach handelt es sich hierbei um ein unseriöses Portal, welches man nicht dadurch legitimieren sollte, indem man die dortigen Inhalte weiter verbreitet. Klar kann man die Kommentare nicht direkt dem Portal zuschreiben, wenn sich aber irgendwo vermehrt sowas tummelt, weiß man, welche Gruppen sich am ehesten von einem solchen Portal angesprochen fühlen und dies ist in indirekter Hinweis auf die Art und politische Ausrichtung der „Nachrichten“.

Nachdem ich (zugegebener Maßen etwas rüde) einem meiner Facebook-Kontakte sagte, was ich davon halte, dass er auf die DWN verlinkt, waren die Reaktionen durchmischt. Ich möchte mich aber hier nur mit den Reaktionen (sinngemäß) „Man sollte nicht die Quelle, sondern den Inhalt bewerten“ oder „Wenn auch nur die Hälfte davon stimmt“ beschäftigen.

Natürlich muss man immer die Quelle bewerten! Ein kritisch denkender Mensch kommt gar nicht daran vorbei. Würde man sich lediglich auf die Inhalte verlassen, ohne die Quelle hinsichtlich Glaubwürdigkeit zu prüfen, käme man schon bei der BILD nicht aus dem Staunen heraus. Dabei ist die BILD tatsächlich noch ein harmloses Beispiel. Viel schlimmer sind Links auf rechtsextreme Portale wie Political Incorrect (PI). Ganz klar kann auch eine dieser fragwürdigen Quellen komplett korrekte Inhalte liefern. Indem man aber unreflektiert auf diese Inhalte verlinkt, unterstützt man jedoch ebenso die Aussagen und Ambitionen der anderen Inhalte auf diesen Portalen. Einfach ausgedrückt: Wer auf einen neutralen Artikel auf der Internetseite der NPD verlinkt, der verlinkt trotzdem auf die NPD und macht sich somit zum Mit-Nazi. Wer auf einen einwandfreien Artikel bei PI verlinkt, verlinkt trotzdem zu PI und macht sich somit selbst zum Unterstützer von Islamfeindlichkeit. Und wer auf die DWN verlinkt, der vermittelt dadurch selbst EU-feindliche Ambitionen.

Viel schlimmer sind dann jedoch Aussagen wie „und wenn nur die Hälfte davon stimmt“. Solche Aussagen zeigen doch auf, dass man die Glaubwürdigkeit einer Quelle in Frage stellt, dies einem aber irgendwie scheiß egal ist und man nur wegen des Inhalts, den man nicht mal irgendwo geprüft hat, auf den Artikel verlinkt, weil es sich irgendwie spannend liest. Wenn nur die Hälfte stimmt oder wenn man sich nicht sicher ist, dass überhaupt irgendwas stimmt, dann verlinkt man nicht auf solche Artikel. Das Problem dabei ist ja nicht nur, dass man seine eigene Glaubwürdigkeit damit untergräbt. Das größere Problem ist, dass man damit Leute, die leichter zu beeinflussen sind, somit glauben macht, dass der Artikel lesenswert und glaubhaft sei, obwohl er es gar nicht ist. Und solche Leute verbreiten es einfach weiter, verkaufen es als Wahrheit und schon hat man einen Haufen Deppen, die glauben, dass Erich von Däniken ein anerkannter Wissenschaftler ist, dass Gott die Erde in sieben Tagen erschaffen hat oder dass Deutschland eigentlich unter der Herrschaft einer – wahlweise zionistisch oder amerikanisch geführten – BRD GmbH steht.

Ich kann also nur wiederholen: wer sich für die Quellen interessiert, der lebt nicht an den aktuellen Ereignissen vorbei. Im Gegenteil: wer sich für die Quellen interessiert, der prüft damit natürlich auch die Inhalte. Nur wer die Quelle nicht prüft, der wird auch die Inhalte nicht prüfen. Und wer Inhalte verbreitet, die er nicht geprüft hat, der ist – um es mit den Worten von Mario Sixtus auszudrücken – ein Idiot.

Die Spinner aus der Meta-Ebene

Es ist bei meinen Freunden und Lesern allgemein bekannt, dass ich von religiösem Wahnsinn und Esoterik ungefähr so viel halte, wie ein Veganer von einem saftigen Steak. Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel verfasst, der sich mit gewissen Strömungen in der Piratenpartei befasst. Eigentlich nicht mal direkt mit diesen Strömungen, sondern vielmehr mit einer gewissen Personalentscheidung auf Ebene des Abgeordnetenhauses in Berlin. Jedenfalls hat das wohl eine Person gestört, was ich geschrieben hatte, denn ich bekam einen „netten“ Kommentar dazu, den ich allerdings nicht veröffentlichte, da ich mir auf der einen Seite in meinem eigenen Blog erlauben kann, nur die Meinungen zuzulassen, die mir gefallen, und auf der anderen Seite war dort ein Link zu einem Online-Angebot enthalten, wo urheberrechtlich geschützte Werke für lau verteilt werden.

Nach nun fast drei Monaten habe ich mich nun doch noch dazu entschlossen, auf diesen Kommentar einzugehen, weil er inhaltlich viel Spaß macht.

Im Wortlaut heißt es in diesem Kommentar:

Sorry Kollege – aber Deine abfälligen und übertrieben einseitigen Ansichten über Spiritualität und esoterische Praxis zeigen dass du Null Erfahrung in dem Bereich hast. Auch mit den beeindruckenden Heilerfolgen die ein Dr. Hamer vorzuweisen hat scheinst du dich nicht mal im geringsten objektiv beschäftigt zu haben. Alles was du hier geschrieben hast ist ein Vorurteil nach dem anderen, schön nachgeplappert von Trollsites wie Esowatch. Klar gibt es viele Spinner aus der Esoterik Ecke und sicher ist nicht jeder Vertreter dieser Weltanschauung fehlerfrei aber wenn man sich so anstellt wie du wird man nie verstehen warum diese Methoden so beachtlich gut funktionieren. Jemand einfach nur lächerlich machen zu wollen ohne ein einziges begründetes Argument entspricht dem Niveau eines 5.-Klässlers. Vielleicht informierst du dich erstmal unvoreingenommen über das ein odere andere Thema das du anspricht befor du deinen Senf abgibst. Anfangen kannst du damit: http://[Raubkopierer-Portal]/693656-house-numbers-die-aids-verschwoerung-2011-deutsch-hq-dvdrip-ac3-xvid-m3zz.html

und damit: http://www.klein-klein-verlag.de/Was-tun-wir/eidesstattliche-versicherung-von-dr-stefan-lanka.html

Namaste!

Ich habe mir genau diese AIDS-Verschwörung, die mir hier von dem anonymen Spaßvogel, der offenbar seine geistige Erfüllung im Mondscheinbaden von Kieselsteinen gefunden hat, empfohlen wird, angesehen. Aussage dessen ist, dass HIV eine Erfindung amerikanischer Militärs sei, um Homosexuelle und Drogensüchtige auszurotten, aber der Virus außer Kontrolle geraten und nun ein globales Problem geworden sei.

Jeder Mensch, der einigermaßen vernünftig denken kann, wird spätestens jetzt erkennen, dass dieser Esoterik-Fritze, der mir hier vorwirft, ein Vorurteil nach dem anderen aneinander zu reihen und die „seriöse“ (an dieser Stelle ein lautes Lachen) Esoterik somit zu Unrecht durch den Dreck zu ziehen, seinen Teil dazu beiträgt. Ich selbst habe gar nicht vor, die „seriöse“ Esoterik durch den Dreck zu ziehen, da es sie für mich gar nicht gibt. Es mag eine Glaubensfrage sein, genauso wie der Glaube an einen oder mehrere Götter, ob eine Salami, die während einer Vollmondnacht hergestellt wurde, besondere Kräfte besitzt (Die Vollmond-Salami ist übrigens kein Witz, der Blödsinn wird tatsächlich von der Metzgerei Ludwig hergestellt und u.a. bei Karstadt (Perfetto) verkauft). Aber genauso, wie ich bspw. den christlichen Glauben als Mittel zur Verängstigung, Unterdrückung oder auch Beruhigung für naive Menschen betrachte, ist für mich die Esoterik nichts anderes. Die Menschen wollen an Dinge glauben, weil sie nicht in der Lage sind, das zu verstehen, was um sie herum passiert.

Und dann kommen da die echten Spinner, die – entweder von einem höheren Wesen beauftragt oder weil sie sich selbst als höheres Wesen betrachten oder glauben, die Erkenntnis über alle Wahrheit zu besitzen – dann ziemlich viel Müll in die Welt blasen. Da fängt es an mit Trotteln, die sich vor Hochspannungsmasten fürchten und jedem erzählen, dass sie in deren Nähe bspw. ein Kribbeln bemerken, wenn sie den Holzgriff eines Spatens anfassen. Andere glauben daran, dass die Kondensstreifen von Flugzeugen irgendwelche Mittel enthalten, um die Bevölkerung gefügig zu machen. Dann gibt es wiederum welche, die glauben, dass Aids ein missglücktes Experiment einer biologischen Waffe ist (wie auch gerne in Zombiefilmen thematisiert), ebenso wie die Vogelgrippe. Dann sind einige überzeugt, dass man Krebs mit der Gabe einfacher Vitamin-C-Präparate heilen könne. Manch einer weiß, dass die Illuminaten jede Regierung der Welt unterwandert haben und somit bspw. jeder Krieg ein bewusster Schachzug der Illuminaten ist. Übrigens waren die Illuminaten auch an den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 beteiligt. Natürlich!

Und an allem sind letztendlich die Juden schuld!

Nein, das sag ich jetzt nicht einfach so. Verfolgt man die ganzen Verschwörungstherorien zu ihren Anfängen, findet man sehr häufig einen Bezug zu antisemitischen Bestrebungen. Dort ist häufig genug von einer zionistischen Weltverschwörung die Rede.

Natürlich hat man für jede Verschwörungstheorie auch die entsprechenden Nachweise. Das sind gerne mal Videos und Bilder, auf denen eigentlich nichts zu erkennen ist, woraus die Verschwörungstheoretiker dann wiederum sehr viel erkennen können. Das sind aber auch angebliche Zeugenaussagen von Leuten, die sich irgendwas einbilden. Man hat sogar echte wissenschaftliche Erkenntnisse dabei, die jedoch oftmals falsch interpretiert werden (weil völlig aus dem Kontext gerissen). Und natürlich viele andere Faktoren, die zusammenspielen aber erst durch eigenwillige (aber durchaus logische) Interpretationen und Schlussfolgerungen dazu führen, dass diese Verschwörungstheorien eine durchaus stabile erste Basis erhalten. Gegenbeweise werden aber in der Regel nicht zugelassen, da sie als gefälscht gelten (sie würden ja auch die Verschwörungstheorie unglaubwürdig erscheinen lassen). Ein gutes Beispiel dafür ist die Bielefeldverschwörung (ein Experiment von Studenten, um zu zeigen, wie Verschwörungstheorien funktionieren).

Die Wege von Esoterikern und Verschwörungstheoretikern sind übrigens häufig sehr nahe beieinander, ebenso beliebt sind dieselben Verschwörungstheorien auch im ultrarechten, pro-nationalen Spektrum. Zum Beispiel haben auch verschiedene Nazi-Parteien wie die NPD oder die REP in der Vergangenheit ihre Propaganda mit Hilfe u.a. von Chemtrail-Verschwörungstheorien in die Welt geschickt. Da passt es ja auch, dass der in dem Kommentar genannte Stefan Lanka nicht nur ein esoterischer Quacksalber, sondern auch verantwortlich für die eine oder andere haarsträubende Verschwörungstheorie und außerdem Anhänger der Germanisch Neuen Medizin ist, die durchaus eine feste Verbindung zu antisemitischem Gedankengut hat.

Also liebe Meta-Spinner, werft mir bitte nicht vor, ich hätte mich mit dem Thema nicht genug oder nur einseitig beschäftigt, wenn ihr mir selbst nur „Nachweise“ aus einseitiger und ideologisch verblendeter Sicht bieten könnt.

Feiertagstanzverbot

Hessen hat mit 15 „Stillen Tagen“, an denen ein Tanzverbot gilt, nach Baden-Württemberg (18 Tage), die meisten Tage in Deutschland, in denen aufgrund klerikaler Befindlichkeiten die persönliche Freiheit der Menschen eingeschränkt wird. Denn bei diesen Tanzverbotstagen geht es – mit Ausnahme des Volkstrauertages – fast ausschließlich um kirchliche Feiertage. Die dazugehörigen Gesetze sind in grauen konservativen Zeiten geschmiedet worden, als man sich noch nicht vorstellen konnte, dass sich immer weniger Bevölkerung zum christlichen Glauben bekennt. In Hessen war dies 1971. Nur mal zum Vergleich: Berlin hat lediglich drei Feiertage, an denen ein Tanzverbot zwischen 4 und 12 Uhr gilt.

Im Jahr 2004 lehnte der Baden-Württembergische Landtag eine Petition, das Tanzverbot abzuschaffen, mit der Begründung, dass der Schutz der Sonn- und Feiertage eine große Bedeutung habe. In Bayern wurde 2008 das Feiertagsgesetz aufgrund „Verrohung der Sitten“ verschärft. Was man unter der „Verrohung der Sitten“ alleweil in Bayern versteht, müsste man einen der dortigen Sittenwächter mal fragen. Aber offensichtlich hat es nichts mit Korruption zu tun, sondern eher mit einer von jämmerlichen Kinderfickern Pfaffen anerzogenen Angst vor der Kirche, die den christlichen Glauben schon immer und zu jeder Gelegenheit zu einer Trauerfeier pervertiert hat. Ja, als Christ ist man meistens gezwungen, andächtig und angsterfüllt vor einem zornigen Gott zu harren, der einem jederzeit die ganze Kraft seines Zornes spüren lassen kann.

Wie dem auch sei (ich lasse ja gerne mal meinen Missmut am christlichen Glauben und vor allem an der Kirche aus), halte ich das Feiertagsgesetz für nicht mehr zeitgemäß. Ungefähr ein Drittel der Deutschen Bevölkerung gehört nicht dem christlichen Glauben an und ich wette, dass ein weiteres Drittel zwar auf dem Papier zu irgendeiner Kirche gehört, aber sich nen Scheißdreck um irgendeinen Glauben schert. Dem letzten Drittel gehören dann wohl hauptsächlich Rentner und Fundamentalisten an sowie Heuchler, die von christlichen Werten „predigen“, aber diese Werte bei jeder sich ergebenden Gelegenheit mit Füßen treten. Durchschnittsbürger, die einen ernsthaften christlichen Glauben haben, bilden wohl tatsächlich eine Minderheit. Ich kenne zumindest keinen, dem ich als Außenstehender relativ objektiv das Zertifikat „Christ“ verleihen würde (selbst in meiner eigenen Familie werde ich mit Intoleranz bestraft, weil ich nicht ins konservative Muster passe). Schon vor diesem Hintergrund ist es albern, ernsthaft ein Gesetz aufrecht zu erhalten, welches zum Schutz des Feiertages als Tag „der seelischen Erhebung“ (wer hat sich diese gequirlte Wortwahl eigentlich ausgedacht?), also als Tag der Andächtigkeit – bei christlichen Feiertagen also der Andächtigkeit vor Gott -, errichtet wurde.

Nehmen wir mal an, dass die Ereignisse, die sich vor ca. 2.000 Jahren begeben haben sollen, tatsächlich geschehen sind. Wer die Bibel gelesen hat – also wer sie wirklich! gelesen hat – wird verstehen, dass alle christlichen Feiertage, selbst der Ewigkeitssonntag (Totensonntag) und Karfreitag Tage der Freude sein sollten.

Totensonntag: im Gedenken an die Verstorbenen ist es Verschwendung zu trauern. Denn in der Bibel steht im Grunde (wenn man mal die schwachsinnigen Drogenexzesse von Johannes ignoriert, der die Offenbarung verzapft hat, genauso wie die fundamentalistischen und faschistischen Hetzschriften von Paulus), dass der Verstorbene ins Himmelreich gekommen ist. Also ist es doch ein Grund zur Freude!

Karfreitag: Hätte es keine Kreuzigung von Jesus Christus gegeben, hätte sich die Prophezeiung nicht erfüllt und es gäbe keine Christen. Dass Jesus sich als Märtyrer für die Menschen hingegeben hat, ist doch ein Grund zur Freude! (Ok, meine Argumentation hat da einen kleinen Schönheitsfehler: ohne Christen hätte die Menschheit in den letzten 2.000 Jahren vermutlich nicht so viel leiden müssen…)

Wie man es auch dreht und wendet: ich als Atheist sehe keinen Grund darin, irgendeinen der christlichen Feiertage als Trauertag zu behandeln, an dem es aus Gründen der Pietät geboten wäre, freudige Veranstaltungen zu verbieten. Vielmehr sind diese Tanzverbote dem Unwissen oder der Unfähigkeit, über den Tellerrand zu Blicken, von Politikern geschuldet.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Über die Moral

In einem Kommentar zu meinem Artikel über piratiges Denken (nicht mehr verfügbar) wird moniert, dass „keine moralischen Grenzen“ nicht gut seien. Nun denn, dann will ich mich mit der Problematik der „Moral“ mal etwas ausführlicher befassen und mir im Laufe des Schreibens ein Ergebnis entwickeln, denn ich weiß selbst noch nicht, auf welches Ergebnis ich kommen werde.

Fangen wir bei dem entsprechenden Artikel bei Wikipedia an:

Moral bezeichnet meist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen, sofern diese wiederkehren und sozial anerkannt und erwartet werden. So verstanden, sind die Ausdrücke Moral, Ethos oder Sitte weitgehend gleichbedeutend und werden beschreibend (deskriptiv) gebraucht. Daneben wird mit der Rede von „Moral“ auch ein Bereich von praktischen Urteilen, Handlungen oder deren Prinzipien (Werte, Güter, Pflichte, Rechten) verbunden. So verstanden, wertet eine Unterscheidung von Moral und Unmoral. Eine solche Bewertung kann als bloßer Ausdruck subjektiver Zustimmung oder Ablehnung verstanden werden (vergleichbar zu Applaus oder Buhrufen), oder als Beurteilung von Handlungen, deren Maximen oder sonstige Prinzipien in moralischer Hinsicht, d.h. als moralisch gut oder moralisch schlecht. Letzteres entspricht einem metaethischen Realismus. Die theoretische Ausarbeitung unterschiedlicher methodischer Vorgehensweisen und Kriterien moralischer Urteile sind Gegenstand der philosophischen Disziplin der Ethik.

Moral ist demnach eine subjektive Regel, die für bestimmte Gruppen von Menschen gilt. Würde sich die Menschheit grundsätzlich immer an die Moral halten, könnte sich die Moral nicht weiter entwickeln und somit auch die Menschheit nicht. Aus moralischen Gründen war es vor 5000 Jahren vielleicht sogar falsch, den Polytheismus aufzugeben und zum Monotheismus zu wechseln. Aber trotz Moralvorstellungen haben sich die Menschen dennoch nicht immer an sie gehalten und haben entdeckt, dass die Erde rund ist und sich nicht im Zentrum des Universums befindet. Trotz Moralvorstellungen haben sie (andere) Religionen gegründet, Wissenschaft begründet und technologische Fortschritte erreicht. Trotz Moral hat die Menschheit aufgrund einiger, die sich über die Moral hinweggesetzt haben, im Laufe der Jahrtausende sehr viel zur Weiterentwicklung beigetragen und neue moralische Grenzen gesetzt. Dass nicht alles dabei gut war, muss dabei hingenommen werden (es bleibt einem ja gar nichts anderes übrig). Es ist also durchaus wichtig, dass man sich auch über die moralischen Grenzen der Gesellschaft hinaus begeben kann. Natürlich wird es da auch niemanden oder zumindest kaum jemanden gelingen, vollständig ohne eigene Moralvorstellungen zu handeln. Ich schätze, dass jeder Mensch irgendwo an seine eigenen Grenzen stößt, über die er nicht hinweg kommt. Selbst der als anti-moralisch geltende Satanismus hat seine eigenen Grenzen, die u.a. in den 11 Satanischen Regeln niedergeschrieben sind.

Und das ist auch gut so! Gewisse moralische Grenzen, die ich im Einzelnen nicht aufführen kann, sind so wichtig für den Fortbestand der Menschheit, dass es wider die Natur wäre, sie zu übertreten. Dazu zähle ich vor allem das Töten von Menschen (natürlich auch dort mit Ausnahmen wie die Abwehr der Bedrohung für das eigene Leben), auch wenn genau diese Grenze leider sehr häufig übertreten wird. Nur so lange ich niemandem einen körperlichen Schaden ohne dessen Einwilligung zufüge, kann ich auch mit der Moral brechen. Andererseits kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass es insbesondere in der Medizin wissenschaftliche Errungenschaften gegeben hat, die durch das Brechen mit der Moral zurück zu führen sind, bei denen Menschen ohne deren Einwilligung körperlichen Schaden genommen haben. Ich habe in dem Zusammenhang gedankliche Fetzen, dass sowas u.a. während der NS-Zeit geschehen ist, konnte aber keine Quellen finden, die mir sicher belegen, dass es tatsächliche Errungenschaften gab (die verschiedenen grausamen und verachtenswerten Folter- und Tötungsmethoden, die bspw. ein Herr Josef Mengele erforscht hat, halte ich für ein Verbrechen und keinesfalls für eine Errungenschaft, auch wenn man da wieder beachten sollte, dass er gewissen damaligen Moralvorstellungen in Deutschland sicherlich auch entsprach).

Mit der Moral ist es also eine komplizierte Sache. Die Moral, die heute herrscht, kann gestern noch als unmoralisch gegolten haben und kann morgen auf eine andere Weise unmoralisch sein. Mein Fazit ist also, dass es sowas wie eine richtige Moral gar nicht geben kann, da Moral unbeständig, individuell und begrenzt ist und sich fortlaufend in einer Weiterentwicklung befindet. Gesellschaftliche Moralvorstellungen gelten immer nur für eine gewisse Zeit und es gibt keine allumfassende Moral, sondern nur zu jedem Thema eine eigene, meist von den anderen unabhängige. Moralvorstellungen, die grundsätzlich als allgemeine Lebensregeln gelten, wie bspw. bei der Thematik „Töten von Menschen“, sind im Menschen seit jeher gefestigt, auch wenn da wiederum verschiedene gesellschaftliche Moralvorstellungen einwirken (wie könnte es sonst die Todesstrafe selbst in „zivilisierten“ Staaten geben? warum würde es sonst die Forderung nach der Todesstrafe auch hier in Deutschland geben?).

Ich hoffe, ich konnte den Begriff „Moral“ einigermaßen klug beschreiben und habe mich damit gut genug auseinander gesetzt. Konstruktive Kritik wie Ergänzungen und Verbesserungen ist natürlich erwünscht, schließlich bin ich auch nur ein Mensch, der nicht an alle Möglichkeiten denken kann.