Wulff – NOT MY PRESIDENT

Inzwischen hat sich Frau Merkel mit ihrer Schwarz-Geld-Koalition auf Christian Wulff als nächsten Bundespräsidenten geeinigt. Nachdem alle fast noch vor Schock wegen der Nominierung einer Ursula von der Leyen für das Amt des Bundespräsidenten gelähmt sind, erscheint Wulff nicht mehr ganz so schlimm. Vielleicht eine Strategie, damit die Netzgemeinde Herrn Wulff eher akzeptiert? Wie dem auch sei, ist auch mit Christian Wulff ein denkbar schlechter Kandidat für das Amt zur Kandidatur gebracht worden. Er gilt als religiöser Hardliner, einer, der die fundamental-christliche Organisation „Pro Christ“, die u.a. für Kreationismus und Schwulenhetze steht, mit einer Mitgliedschaft in deren Kuratorium unterstützt.

Nicht nur, dass mit ihm ein christlicher Fundamentalist zum Staatsoberhaupt der Deutschen gewählt werden würde, er wäre indes womöglich auch eine leicht zu kontrollierende Marionette von Schwarz-Geld – denn was anderes möchte unsere Regierung offenbar nicht. Der von Köhler auch schon vermisste Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten würde mit Wulff (sowie auch mit den anderen, jetzt ausgeschiedenen Kandidaten von der CDU) genau so mit Füßen getreten werden, wie die schwarz-gelbe Regierung es schon längst mit dem Grundgesetz tut (ach ja, in der großen Koalition mit der SPD hat sich diese auch nicht mit Ruhm bekleckert). Somit verhindert man lästige Kritik und Diskussionen, wie es unter Weizäcker oder Rau doch schon hin und wieder mal der Fall war.

Ein Hoffnungsschimmer ist da der von der Opposition eingebrachte Gegenkandidat Joachim Gauck, der ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Er hat nicht nur auf der Oppositionsseite Fürsprecher, sondern auch in den Reihen von Schwarz-Gelb genießt er angeblich ein hohes Ansehen. Mit ihm würde ein Parteiloser, der auch als Selbstdenker bezeichnet wird und m.E. definitiv Fähig zu einer kritischen Betrachtung der Bundespolitik ist, zum Bundespräsidenten gewählt werden. Ein Präsident, den ich mir durchaus vorstellen kann.

Zum Thema Wulff deshalb nur:

Wulff - NOT MY PRESIDENT

Schulgebete

Fast wie ins Mittelalter versetzt fühlt man sich, wenn man von dem christlichen Fundamentalismus mancher Eltern im nordrhein-westfälischen Korschenbroich hört. Dort war es bislang an der Grundschule im Stadtteil Pesch üblich, bei Unterrichtsbeginn ein kleines, zwar konfessionsloses, aber dennoch christliches Gebet zu beten. Verwendet wurden dazu die letzten vier Zeilen des bekannten Textes von Dietrich Bonhöffer, den er in seiner Gefangenschaft kurz vor seiner Hinrichtung verfasste („Von guten Mächten“).

Eine Erwähnung in den Medien wäre es wohl kaum wert gewesen, wenn sich nicht sich als atheistisch bezeichnende Eltern gegen dieses alltäglich Gebet zu Recht verwehrt und eine Beschwerde eingereicht hätten. Das Schulamt reagierte genau richtig und verbot kurzum das Schulgebet. Die christlich-fundamentalen Eltern des Ortes, die offenbar ein großes Problem mit Toleranz gegenüber Menschen mit anderer Weltanschauung haben, gründeten eine Initiative, um die christliche Gehirnwäsche in der Schule weiterhin zu ermöglichen.

Der Konflikt eskalierte, als der Schulleiter die Vorbereitungen des traditionellen Krippenspiels, welche während des normalen Unterrichts stattfinden sollten, aus den genannten Gründen absagte. Die fundamentalistischen Eltern waren empört und starteten eine Kampagne, die nun entschieden dafür eintritt, dass das Verbot des Gebets aufzuheben. Dazu wurde auch der Kontakt zu den Medien nicht gescheut.

Leider hat sich abschließend das NRW-Schulministerium nicht gerade klar ausgedrückt, sondern versucht den Streit mit einer sehr schwammig fomulierten Formulierung, dass „kein Kind gegen seinen Willen oder dem seiner Eltern zum Schulgebet gezwungen werden“ dürfe. Jeder Schüler solle einem Gebet „in zumutbarer Weise ausweichen“ können.

Inzwischen gibt es auch kein Gebet mehr. Stattdessen wird eine Schweigeminute gehalten, gegen die keiner etwas auszusetzen hat.

Quelle: spiegel.de