Je suis…

Am Donnerstag den 08.01.2015 wurden in Paris morgens Polizisten zu einem angeblichen Unfall gerufen und aus dem Hinterhalt beschossen. Dabei wurde eine Polizistin erschossen. Die Tat stand in Zusammenhang mit dem radikal-islamistischen Anschlag auf Charlie Hebdo. Der Täter konnte zunächst fliehen, machte aber am 09.01.2015 wieder auf sich aufmerksam, indem er in einem jüdischen Kaufhaus zunächst Geiseln nahm und im Laufe des Tages vier von ihnen erschoss.

Die Geiselnahme wurde zeitgleich mit der Geiselnahme durch die Attentäter vom 07.01.2015 in einer Druckerei nördlich von Paris beendet. Die Geiselnehmer wurden dabei erschossen. Insgesamt kostete der Angriff auf Charlie Hebdo 20 Menschen das Leben.

Man kann Karikaturen mögen oder hassen, sie können befriedigen oder beleidigen. Satire hält der Gesellschaft den Spiegel vor – hässlich, beleidigend, provokant, ungerecht, geschmacklos und überspitzt. Physische Gewalt als Antwort sollte aber nie eine Option sein!

Ich wiederhole mich: Mein Mitgefühl gilt jenen, die Opfer dieser grausamen Taten wurden. Unmittelbar und mittelbar. Den tatsächlichen Opfern, deren Angehörigen und Freunden sowie allen, die (nun) Opfer eines unberechtigten und unreflektierten Hasses werden.

Religion im Überfluss

Ich zitiere mal einen klugen Menschen (oder zumindest einen klugen Satz dieses Menschen): „Religionen kann man doch gar nicht beleidigen, Religionen sind eine Beleidigung. Eine Beleidigung jeglichen gesunden Menschenver­standes.“ – Schockwellenreiter

Ursächlich für diese Aussage war, dass sich Jörg Kantel über die katholische Kirche erzürnte, da der Kölner Kardinal Joachim Meisner seinen katholischen Dunst zum Thema Abtreibung losgelassen hat, nach dem Motto: Abtreibung ist Mord. Ok, nix Neues. So mancher klerikaler Hirnfurz besteht aus solchen und ähnlichen Aussagen.

Der sprichwörtliche Zorn „Gottes“ fährt aber nun auf Jörg Kantel in Form einer ziemlich weltlichen Strafanzeige herab. Ob es nun daran liegt, dass er den Kardinal als „Ayatollah von Köln“ bezeichnete oder als „Hassprediger“? Vielleicht war es auch die Bezeichnung „Kinderficker-Sekte“ für die katholische Kirche? Man weiß es nicht…

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zumindest wegen „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religions­ge­sell­schaften und Weltanschauungsvereinigungen“, das ist § 353d im Strafgesetzbuch. Dieser Mittelalterparagraph steht übrigens laut UN-Menschenrechtskommission in einem Missverhältnis zu den allgemeinen Menschenrechten, was aber die deutsche Gerichtsbarkeit nicht davon abhalten muss, zu Ungunsten desjenigen zu urteilen, der da „beschimpft“ hat. Und bis man sich dann mal zu einem Gericht durchgekämpft hat, welches sich für die Menschenrechte interessiert, kann es ein weiter Weg sein.

Da bedeutet nicht, dass man grundsätzlich straffrei aus einer solchen Sache herauskommt, wenn man was böses über Religionen schreibt (und einen langen Atem beweist). Wenn ich das korrekt verstanden habe, ist man jedoch so lange aus der eher sicheren Seite, wenn man nicht zu Hass und Gewalt aufruft, sondern sich die Beschimpfung lediglich in allgemeiner Kritik an der Religion oder Weltanschauung äußert. Riefe ich „Verbrennt alle Christen!“, wäre das strafbar. Würde ich nur sagen „Das Christentum ist eine Verarsche von vorne bis hinten“ ist es ok. Insofern dürfte der Schockwellenreiter wenig zu befürchten haben, wenn er die katholische Kirche als „Kinderficker-Sekte“ bezeichnet (denn das ist ja leider auch die traurige Wahrheit, dass die katholischen Kleriker gerne mal die kleinen Jungs an ihre kleinen Lümmel heranführen). Und Joachim Meisner als „Hassprediger“ und „Ayatollah von Köln“ zu bezeichnen ist wohl kaum eine Beschimpfung der Religionsgesellschaft, sondern des Kardinals – und darum geht es hier ja gar nicht.

Aber es ist schwierig, sich vor den weltlichen Befindlichkeiten von Hardcore-Christen zu schützen, denn die hetzen einem erstmal die Staatsanwaltschaft auf den Hals. Da lobe ich mir doch die Islamisten – da weiß man, was man hat! Die drohen mit Mord und zünden einem die Wohnung an, wenn man ihren Mohammet auch nur schief anguckt. Da stellt sich der Staat dann sogar schützend vor einen. Die Juden hingegen sind vermutlich absolut harmlos. Mag sein, dass Frau Knobloch mal einen offenen Brief schreibt und mit dem Zeigefinger droht, aber die Juden haben sich schon seit Jahrhunderten (oder Jahrtausenden) ihrem Schicksal ergeben, immer diejenigen zu sein, die man beim Völkerball als letztes in seine Mannschaft holt. Immerhin hat es die christliche Religion inzwischen geschafft, die Juden nicht weiter auszurotten.

Der Rest ist meist Frickelwerk aus verschiedenen Konfessionen – wobei da die Christen noch die Mehrheit sind. Zeugen Jehovas, Neuapostolen, Baptisten… und noch ein paar lustige: die xenuphoben Scientologen, FSM, IPU

(Man möge verzeihen, dass ich auf asiatische Religionen nicht eingehe, da ich von denen nichts weiß – sind vermutlich größtenteils von Christen ausgerottet worden)

Andere Religionen wie die heidnischen Wicca gibt es noch vereinzelt, aber gelten Dank christlicher Gründlichkeit als ausgerottet.

Odin sei Dank bin ich Atheist 😀

Der Plagiator

Über Experten, Doktortitel und Hausaufgaben

„Es ist ein Skandal“ ertönt es aus fast allen deutschen Mündern. Die einen halten es für einen Skandal, dass Karl-Theodor zu Guttenberg große Teile seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren kopiert hat, ohne dies zu kennzeichnen. Die anderen halten es für einen Skandal, wie mit „Gutti“ umgegangen wird. Und wiederum anderen halten es für einen Skandal, dass dieser Skandal andere tatsächliche Skandale in den Schatten stellt.

Ich gehöre zu denjenigen, die sich einen Spaß aus der Situation machen. Bis heute habe ich mich nicht wirklich ernsthaft und sachlich mit dem Thema auseinander gesetzt, sondern nur aus Spaß am „bashen“ mitgemacht. Aber natürlich habe ich zu diesem Thema auch eine Grundintention, weshalb ich nun doch mal sachlich an die Thematik herangehen möchte.

Wer hat nicht schon mal geschummelt? In der Schule, an der Uni oder sogar am Arbeitsplatz? Ich schätze, dass sich da die wenigsten von freisprechen können. Aber sind Hausaufgaben, die man bei einem Klassenkameraden abschreibt oder aus dem Internet kopiert, oder Klassenarbeiten bzw. Klausuren, bei denen man vom Tischnachbarn abguckt, vergleichbar mit einer wissenschaftlichen Arbeit im Umfang einer Doktorarbeit? Ich habe nie eine Doktorarbeit geschrieben, aber anhand der Arbeiten, die ich in Schule, Uni und während meiner Ausbildung erarbeiten musste, kann ich mit Gewissheit sagen, dass dies nicht vergleichbar ist. Eine wissenschaftliche Arbeit muss nicht unbedingt etwas neues hervorbringen, sie ist aber ein persönlicher Leistungsbeweis, ein Beweis dafür, dass man sich mit der Materie auseinander gesetzt hat, sie versteht und man sich zum Experten in dem Thema damit deklariert. Von daher ist es viel erbärmlicher, wenn man bei einer wissenschaftlichen Arbeit betrügt, da man sich dadurch selbst betrügt.

Ok, klingt nach den hohlen Phrasen, mit denen Lehrer, Dozenten und Professoren ihre Schüler in regelmäßigen Abständen quälen. Dennoch bin ich inzwischen auch zu dem Schluss gelangt, dass der Selbstbetrug hier das eigentliche Schlimme ist. Was nützt es mir, wenn ich durch eine wissenschaftliche Arbeit, die ich nicht selbst (oder nur in Teilen) geschrieben habe, bessere Job-Chancen habe, weil gerade vielleicht Experten auf dem Gebiet meiner Arbeit gesucht werden? Nichts, denn ich würde spätestens dann, wenn ich den Job habe, auf die Fresse fliegen, weil man merkt, dass ich doch kein Experte bin. Allerdings gibt es in der heutigen Gesellschaft ein ziemlich bescheuertes (konservatives) Werte-System, dass jemand mit einem akademischen Titel grundsätzlich bessere Job-Chancen hat und auch besser bezahlt wird, als jemand, der zwar die gleichen oder besseren Fähigkeiten hat, aber sich die Mühen eines akademischen Grades aus irgendwelchen Gründen (bspw. Pragmatismus, Bequemlichkeit) erspart hat. Der Mensch wird nicht nach tatsächlicher Leistung bewertet, sondern nur nach augenscheinlicher.

Grundsätzlich ist es doch so, dass man Experte ist, wenn man sich selbst zu einem solchen ernennt. Dabei bedeutet dies eigentlich nichts. Ich bin in meiner Firma bspw. der Virenexperte. Ich habe lediglich gesagt, dass ich gut mit Computerviren umgehen kann, dass ich jeden PC bisher säubern konnte (ja, das stimmt auch). Allein durch eine solche Aussage, macht man sich zu einem Experten. Das bedeutet nicht, dass es für mich ein ewiges Alleinstellungsmerkmal ist und ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, denn die Kollegen könnten es auch lernen und eventuell irgendwann besser sein als ich. Ein Experte ist so lange ein Experte, wie er sich als solcher behaupten kann bzw. so lange man es ihm glaubt. Sascha Lobo zum Beispiel, der Internet- und Social-Network-Experte, ist auch nur deshalb Experte, weil er sich offensiv als solchen bewirbt. Die meisten Leute glauben ihm das auch.

Ein Doktortitel ist nichts weiter als eine offensive Selbstbewerbung als Experten. Grundsätzlich halte ich sogar Doktortitel für Überflüssig, weil er letztendlich doch nichts über die fachliche Qualität des Trägers aussagt. Wenn ich zu einem Arzt gehe, der seinen Doktor in Kardiologie gemacht hat, ich aber nur meine Halsschmerzen untersuchen lassen möchte, nützt weder mir noch ihm der Doktortitel etwas. Mag sein, dass er bewiesen hat, dass er sich mit dem menschlichen Herzen gut auskennt, aber ich erwarte von jedem Arzt, dass er mich korrekt behandelt – wobei ich mich dahingehend allerdings noch auf die Unterschiede der fachlichen Ausrichtung verlasse. Ähnlich ergeht es mir mit jedem anderen Akademiker. Was nützt mir ein Anwalt, der seine Doktorarbeit über Abhandlungen in mikronesischem Recht verfasst hat, wenn ich Ärger mit meinem Vermieter habe? Die Hauptsache ist doch, dass er Anwalt ist und mich gegenüber meinem Gegner verteidigen kann bzw. meinen Gegner „platt macht“.

Ja, liebe Leser, eigentlich spreche ich dem Doktortitel und anderen akademischen Graden ihren Sinn und ihren Wert ab. Zumindest so lang man es allein von der Seite betrachtet, was es anderen nützt. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass solche Titel nur ein Blendwerk sind, weil sie anderen eine Sicherheit vermitteln, der Herr oder die Frau Doktor könne alles besser, obwohl sich deren Leistung im Schnitt nicht von denen ohne diesen Titel unterscheidet. Der einzige, der von so einem Titel Nutzen zieht, ist derjenige, der ihn (zu Recht oder zu Unrecht) trägt. Tatsächlich ist es mir also auch scheißegal, ob zu Guttenberg nun „Dr. Gutti“ oder „nur Gutti“ heißt. Mir war es, bis zu dieser Plagiatsdebatte, nicht mal bewusst, dass er überhaupt einen Doktortitel trägt. Gekocht wird bei ihm auch nur mit Wasser.

Kommen wir also zum Thema „Guttenberg“ zurück. Eigentlich müsste man jetzt glauben, dass es mir egal ist, ob Gutti abgeschrieben hat oder nicht. Dem kann ich jedoch nur verhalten zustimmen. In meiner Moralwelt gehört sich sowas nicht – jedenfalls ab einem bestimmten Punkt. Da ist es mir auch vollkommen egal, ob es sich um eine Doktorarbeit, eine Diplomarbeit oder um eine kreative Arbeit im Berufsleben handelt. Ich halte es für eine Unverschämtheit, wenn man hochwertige geistige Arbeit anderer nicht würdigt, wenn man sie mit Füßen tritt, indem man sich daran bedient und kein Wort darüber verliert, sondern sich selbst so darstellt, als sei es dem eigenen „brillanten“ Geiste entsprungen. Diese relativierenden Aussagen wie „wer hat denn nicht bei einer Doktorarbeit irgendwo abgeschrieben?“ machen es nicht besser. Vielmehr bestätigen solche Aussagen, dass es doch vollkommen in Ordnung sei, Urheber nicht zu benennen. Wenn ein Urheber darauf verzichtet, im Falle eines Falles benannt zu werden, so ist das seine Sache. Es wäre für mich dennoch ein Akt der Höflichkeit, ihn zu erwähnen, außer er will es nicht.

So, mein lieber Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, es ist verständlich, dass Du aufgrund des gesellschaftlichen und politischen Drucks Deinen Doktortitel zurück gibst. Ich erwarte aber auch, dass Du nicht nur lapidar um das Thema herum redest und lediglich behauptest, Du würdest Deine Arbeit aufgrund handwerklicher Mängel zurückziehen, sondern dass Du Dich bei den Autoren, von denen Du kopiert hast, entschuldigst. Dann kann man das Thema als erledigt betrachten. Um Deinen Ruf wirst Du Dir keine Gedanken machen müssen. Das deutsche Wählervolk ist im Schnitt so beschränkt, dass es diese Sache so oder so spätestens in einem halben Jahr vergessen haben wird. Und wenn Du Dich bemühst, endlich mal ehrlich zu sein und gute Politik zu machen, dann werden die Fehler, die Du in Deiner Amtszeit gemacht hast, auch nicht mehr so leicht wieder hochkochen. Das kritische Wählervolk, welches Deine Fehler nicht vergisst, wird Dich bzw. Deine Partei sowieso nicht wählen. Aber ich behaupte mal, dass Du sie mit guter Politik besänftigen kannst.

Zum Abschluss aber noch dieses hier (scnr):

kopiert bei http://macbush.com/2011/02/19/der-plagiator/

Das Google-StreetView-Phänomen

Derzeit erhitzt das Projekt Google StreetMap die Gemüter. Angeheizt durch die Politik, die dieses Thema als Nebelkerze verwendet, um von tatsächlich problematischen Themen wie bspw. die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken abzulenken. An der ganzen Diskussion lässt sich aber auch hervorragend erkennen, dass offenbar auch sehr viele Menschen und auch Medien gerne laut über Dinge reden, von denen sie ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung haben, stürzen sich wie die Geier auf die Gerüchte, die sie gehört haben, spinnen dies weiter und machen aus einer eigentlich ganz harmlosen Sache eine monströse Unverschämtheit.

Die Auflösung des Rätsels, was Google StreetView ist, möchte ich hier mal vorweg nehmen: Google schickt seine Fahrzeuge , die mit einer in ca. 2,90m Höhe befestigten 360° Kamera ausgestattet sind, über die Straßen. Hierbei wird alle paar Sekunden ein Foto gemacht. Das passiert für einen Ort in aller Regel einmalig. Diese Fotos werden dann mit dem Kartendienst Google Maps verbunden, so dass man virtuell durch die Städte laufen kann. Gesichter und KFZ-Kennzeichen werden von einer Software mit einer sehr hohen Genauigkeit automatisch erkannt und unkenntlich gemacht. Es kann durchaus passieren, dass dieser Automatismus nicht immer greift, aber Google reagiert sehr schnell auf entsprechende Hinweise und bearbeitet Fotos, auf denen noch Gesichter oder KFZ-Kennzeichen zu erkennen sind, manuell nach.

Damit komme ich dann auch zum problematischen Teil. Es kann nämlich auch durchaus vorkommen, dass man zufällig vom Google-StreetView-Fahrzeug in einer blöden Situation erwischt wird. Viele Situationen kann man jedoch auch durch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit vermeiden: wenn man bspw. eine „Erotik-Videothek“ besuchen möchte und gesteigerten Wert darauf legt, dass man nicht direkt davor fotografiert wird und der Besuch quasi der ganzen Welt angezeigt wird, reicht es aus, sich vorher nochmal umzusehen, ob man eines dieser Fahrzeuge in seiner näheren Umgebung sieht. Die Chance, dass man fotografiert wird, ist jedoch deutlich gering. Wie schon gesagt, fährt das Google-Fahrzeug jede Straße nur ein einziges Mal ab. Dies geschieht in einer Geschwindigkeit von ca. 30 km/h und es wird nicht gefilmt, sondern es wird nur alle paar Sekunden ein Foto geschossen.

Und nun will ich noch die düsteren Legenden und die größten Missverständnisse zu Google StreetView aufklären. Es ist schon bedeutend, wenn sich Promis in aller Öffentlichkeit blamieren, indem sie in der BILD ganz offen und klar zugeben, dass sie keinerlei Ahnung haben, wovon sie sprechen. Aber die Hauptsache ist ja, dass man mal wieder die Namen Sky du Mont oder Jeanette Biedermann liest. Neben anderen haben diese nämlich in einem Interview ganz offenbar gezeigt, dass es trotz grober Ahnungslosigkeit wichtig ist, zu einem Thema zu äußern – und nebenbei auch teilweise noch intime Details aus dem Privatleben veröffentlichen, die man auch mit Google StreetView nicht erfahren hätte. So hat Jeanette Biedermann Angst davor, dass man sie beim nackt Sonnenbaden in ihrem Garten beobachten könnte. Sky du Mont möchte nicht, dass man seine Kinder beim Spielen im Garten beobachten kann. Der BILD-Redakteur Martin Wichmann möchte nicht, dass man sein Haus von allen Seiten einsehen kann. Und ein männliches Topmodel findet es gut, dass er jederzeit nachsehen kann, ob seine Häuser noch stehen.
Die genannten (und vermutlich ein Großteil der bildungsschwächeren Bevölkerung) gehen davon aus, dass jedes Haus mit etlichen Kameras ausgestattet wird, die Live jeden Winkel des Hauses filmt und dies im Internet öffentlich zugänglich macht. Seltsamerweise sind es meist auch solche Leute, die die Bemühungen von gewissen Überwachungsministern positiv bewerten, die am liebsten auch überall Kameras installieren möchten – und das dann sogar im Haus.

Um es nochmal zu verdeutlichen: Google sendet keine Live-Bilder ins Internet, sondern macht einmalige Momentaufnahmen. Der ganze Vorgang dauert wenige Sekunden. Google fotografiert von der Straße aus, wie es quasi jeder machen könnte. Google geht nicht auf die Grundstücke und fotografiert dabei alle Seiten des Gebäudes – geschweige denn den Garten, in dem man gerade Nackt in der Sonne liegt, wie Jeanette Biedermann es, impliziert durch ihre Aussage im Interview, offenbar regelmäßig tut. Wer seinen Garten, in dem er sich nackt sonnt, seine Kinder spielen lässt oder andere private Dinge tut, vor dem Haus hat, was in Deutschland ja recht ungewöhnlich ist, der muss sich damit abfinden, dass Leute, die an dem Grundstück vorbei gehen, einen Blick auf das Geschehen werfen und es sogar fotografieren – so wie es Google quasi auch macht. Zugegeben, eine Kamera in einer Höhe von 2,90m hat nicht jeder, der zufällig am entsprechenden Grundstück vorbei geht. Aber es ist durchaus jedermann erlaubt, mit einer Leiter, die sogar Aufnahmen aus weitaus höherem Blickwinkel ermöglicht, Fotos zu machen.

Manche Leute haben Angst davor, dass durch die fotografierten Straßenzüge potentielle Einbrecher angelockt werden und ihnen die Möglichkeit gegeben wird, das begehrte Objekt auszuspionieren. Aber mal ganz ehrlich: die regional operierenden Einbrecher kennen die Häuser bestimmt bereits seit Jahren und haben sie schon gründlichst ausspioniert – und zwar besser als drei Fotos von Google das ermöglichen würden. Evtl. haben die Einbrecher schon bereits das Grundstück erkundet und Blicke durch die Fenster geworfen. Also alles, wo Google eigentlich keine Hilfe bietet, da Google weder die Grundstücke betritt, noch Fotos vom Hausinneren macht. Ganz davon abgesehen halte ich die meisten Einbrecher für ebenso ungebildet wie diejenigen, die aufgrund von Google StreetView Angst vor Einbrüchen haben: potentielle Opfer und potentielle Täter haben m.E. die gleiche Ahnung von Google StreetView – nämlich keine.
Einbruchsstatistiken aus Orten, in denen Google StreetView bereits seit Jahren verfügbar ist, zeigen, dass es entweder keinerlei Änderung an der Anzahl der Einbrüche gibt, oder dass die Anzahl der Einbrüche sogar zurück gegangen ist.

Hartnäckig hält sich auch die Aussage, dass durch Google StreetView jeder wisse, wo die einzelne Person wohnt. Auch das ist natürlich Unsinn. Um zu wissen, wer in dem Haus wohnt, brauche in in der Regel erstmal die Adresse der Person. Denn Google veröffentlicht weder Bilder noch Namen von den Personen, die in dem abgelichteten Haus wohnen – abgesehen von den in dem Haus niedergelassenen Firmen, Ärzten, Anwälten, Gaststätten etc.

Wen das nicht beruhigt, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, jederzeit(!) Einspruch gegen die Veröffentlichung der Fotografie seines Hauses einzulegen. Das Haus wird dann von Google freiwillig unkenntlich gemacht – es besteht jedoch kein rechtlicher Anspruch. Von anderer Seite betrachtet könnten aber gerade unkenntlich gemachte Häuser Einbrecher anlocken, da ja impliziert wird, dass es dort etwas zu verbergen gibt. Wobei ich auch diese Sichtweise für eher unwahrscheinlich halte. Lustig finde ich jedoch diejenigen, die sich aber von der Presse vor ihrem Haus fotografieren lassen, der Presse die Erlaubnis geben, dass das Foto in der Zeitung und parallel dazu auch noch in der Online-Ausgabe (also im Internet) mit den dazugehörigen Namen, ohne das Gesichter oder das Haus unkenntlich gemacht wurden, veröffentlicht wird – mit der Aussage, dass man nicht möchte, dass das Haus bei Google abgebildet wird. Da brennen einem doch die Synapsen durch…

Mein Fazit ist: hier wird ein größeres Fass aufgemacht, als nötig ist. Nicht nur von Leuten, die keine Ahnung haben, aber mal laut sein möchten, sondern auch von Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten. Bei manchen steht auch nur das Google-Bashing im Vordergrund, weil sie der tiefen inneren Überzeugung sind, dass Google einfach nur böse ist und deshalb grundsätzlich alles schlecht ist, was von Google kommt. Nun ja, diese persönliche Überzeugung darf jeder haben, aber man muss sie nicht zwangsweise teilen 😉
Und wie schon in der Einleitung erwähnt, bin ich davon überzeugt, dass das Thema von der Politik bewusst in den Vordergrund gerückt wird, um eigene Unzulänglichkeiten zu verschleiern, um unpopuläre Gesetze ohne größeren Widerstand aus der Bevölkerung, weil die ja gerade mit was anderem beschäftigt ist, durchzudrücken.

Frauen und Religion

Man möchte meinen, dass unsere heutige „zivilisierte“ Gesellschaft in Sachen Emanzipation durchaus fortgeschritten ist. Gleichberechtigung der Geschlechter wird zumindest in den „christlichen“ Industriestaaten groß geschrieben. Wenig überraschend ist, dass das Weltbild mancher religiösen Gesellschaften immer noch im Mittelalter verweilt. Neben der katholischen Kirche, die wenigstens so langsam zeigt, dass das Mittelalter schon seit einiger Zeit vorbei ist, sind auch die russisch-orthodoxen noch nicht im Heute angekommen. So sehr ich den christlichen Glauben auch aufgrund verschiedener Aspekte verachte, muss ich zumindest der evangelischen Kirche zugestehen, dass es in Sachen Gleichberechtigung sehr modern zugeht. Der geistige Führer der evangelischen Kirche Deutschlands (EKG) ist eine Frau. Und das ist das verheerende an der Sache: die russisch-orthodoxe Kirche erkennt keine Frau als Führungsperson an, da es eine Frauenordination dort schlichtweg nicht gibt, ja sogar abgelehnt wird.

Das bestürzende an der Sache ist, dass jahrelange gute Beziehungen zwischen der EKG und der russisch-orthodoxen Kirche somit einfach beendet sind. Die Ignoranz mancher Religionen oder in diesem Fall Konfessionen ist es wert, einen Artikel hier in diesem Blog zu hinterlassen, der – entgegen meiner Natur – nicht den christlichen Glauben angreift, sondern das verachtenswerte mittelalterliche Weltbild gegenüber Frauen in der Gegenwart anprangert. Nur weil ein extremistischer Paulus vor knapp 2.000 Jahren schrieb, dass die Frau minderwertig sei, muss man diese antike (quasi) Einzelmeinung heute in der modernen Welt nicht mehr verteidigen, da wir inzwischen (glücklicherweise) wissen, dass Frauen uns Männern nicht unterlegen sind, sondern sich auch in der Lage befinden, eigene Meinungen zu bilden, selbst wenn das patriarchische (und absolut sinnfreie) Weltbild dadurch gestört wird.