Über die Moral

In einem Kommentar zu meinem Artikel über piratiges Denken (nicht mehr verfügbar) wird moniert, dass „keine moralischen Grenzen“ nicht gut seien. Nun denn, dann will ich mich mit der Problematik der „Moral“ mal etwas ausführlicher befassen und mir im Laufe des Schreibens ein Ergebnis entwickeln, denn ich weiß selbst noch nicht, auf welches Ergebnis ich kommen werde.

Fangen wir bei dem entsprechenden Artikel bei Wikipedia an:

Moral bezeichnet meist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen, sofern diese wiederkehren und sozial anerkannt und erwartet werden. So verstanden, sind die Ausdrücke Moral, Ethos oder Sitte weitgehend gleichbedeutend und werden beschreibend (deskriptiv) gebraucht. Daneben wird mit der Rede von „Moral“ auch ein Bereich von praktischen Urteilen, Handlungen oder deren Prinzipien (Werte, Güter, Pflichte, Rechten) verbunden. So verstanden, wertet eine Unterscheidung von Moral und Unmoral. Eine solche Bewertung kann als bloßer Ausdruck subjektiver Zustimmung oder Ablehnung verstanden werden (vergleichbar zu Applaus oder Buhrufen), oder als Beurteilung von Handlungen, deren Maximen oder sonstige Prinzipien in moralischer Hinsicht, d.h. als moralisch gut oder moralisch schlecht. Letzteres entspricht einem metaethischen Realismus. Die theoretische Ausarbeitung unterschiedlicher methodischer Vorgehensweisen und Kriterien moralischer Urteile sind Gegenstand der philosophischen Disziplin der Ethik.

Moral ist demnach eine subjektive Regel, die für bestimmte Gruppen von Menschen gilt. Würde sich die Menschheit grundsätzlich immer an die Moral halten, könnte sich die Moral nicht weiter entwickeln und somit auch die Menschheit nicht. Aus moralischen Gründen war es vor 5000 Jahren vielleicht sogar falsch, den Polytheismus aufzugeben und zum Monotheismus zu wechseln. Aber trotz Moralvorstellungen haben sich die Menschen dennoch nicht immer an sie gehalten und haben entdeckt, dass die Erde rund ist und sich nicht im Zentrum des Universums befindet. Trotz Moralvorstellungen haben sie (andere) Religionen gegründet, Wissenschaft begründet und technologische Fortschritte erreicht. Trotz Moral hat die Menschheit aufgrund einiger, die sich über die Moral hinweggesetzt haben, im Laufe der Jahrtausende sehr viel zur Weiterentwicklung beigetragen und neue moralische Grenzen gesetzt. Dass nicht alles dabei gut war, muss dabei hingenommen werden (es bleibt einem ja gar nichts anderes übrig). Es ist also durchaus wichtig, dass man sich auch über die moralischen Grenzen der Gesellschaft hinaus begeben kann. Natürlich wird es da auch niemanden oder zumindest kaum jemanden gelingen, vollständig ohne eigene Moralvorstellungen zu handeln. Ich schätze, dass jeder Mensch irgendwo an seine eigenen Grenzen stößt, über die er nicht hinweg kommt. Selbst der als anti-moralisch geltende Satanismus hat seine eigenen Grenzen, die u.a. in den 11 Satanischen Regeln niedergeschrieben sind.

Und das ist auch gut so! Gewisse moralische Grenzen, die ich im Einzelnen nicht aufführen kann, sind so wichtig für den Fortbestand der Menschheit, dass es wider die Natur wäre, sie zu übertreten. Dazu zähle ich vor allem das Töten von Menschen (natürlich auch dort mit Ausnahmen wie die Abwehr der Bedrohung für das eigene Leben), auch wenn genau diese Grenze leider sehr häufig übertreten wird. Nur so lange ich niemandem einen körperlichen Schaden ohne dessen Einwilligung zufüge, kann ich auch mit der Moral brechen. Andererseits kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass es insbesondere in der Medizin wissenschaftliche Errungenschaften gegeben hat, die durch das Brechen mit der Moral zurück zu führen sind, bei denen Menschen ohne deren Einwilligung körperlichen Schaden genommen haben. Ich habe in dem Zusammenhang gedankliche Fetzen, dass sowas u.a. während der NS-Zeit geschehen ist, konnte aber keine Quellen finden, die mir sicher belegen, dass es tatsächliche Errungenschaften gab (die verschiedenen grausamen und verachtenswerten Folter- und Tötungsmethoden, die bspw. ein Herr Josef Mengele erforscht hat, halte ich für ein Verbrechen und keinesfalls für eine Errungenschaft, auch wenn man da wieder beachten sollte, dass er gewissen damaligen Moralvorstellungen in Deutschland sicherlich auch entsprach).

Mit der Moral ist es also eine komplizierte Sache. Die Moral, die heute herrscht, kann gestern noch als unmoralisch gegolten haben und kann morgen auf eine andere Weise unmoralisch sein. Mein Fazit ist also, dass es sowas wie eine richtige Moral gar nicht geben kann, da Moral unbeständig, individuell und begrenzt ist und sich fortlaufend in einer Weiterentwicklung befindet. Gesellschaftliche Moralvorstellungen gelten immer nur für eine gewisse Zeit und es gibt keine allumfassende Moral, sondern nur zu jedem Thema eine eigene, meist von den anderen unabhängige. Moralvorstellungen, die grundsätzlich als allgemeine Lebensregeln gelten, wie bspw. bei der Thematik „Töten von Menschen“, sind im Menschen seit jeher gefestigt, auch wenn da wiederum verschiedene gesellschaftliche Moralvorstellungen einwirken (wie könnte es sonst die Todesstrafe selbst in „zivilisierten“ Staaten geben? warum würde es sonst die Forderung nach der Todesstrafe auch hier in Deutschland geben?).

Ich hoffe, ich konnte den Begriff „Moral“ einigermaßen klug beschreiben und habe mich damit gut genug auseinander gesetzt. Konstruktive Kritik wie Ergänzungen und Verbesserungen ist natürlich erwünscht, schließlich bin ich auch nur ein Mensch, der nicht an alle Möglichkeiten denken kann.

GEMA und Klingeltöne

Auch wenn mich mein Arbeitskollege Rössi schlägt, weil er bei meinen ganzen Artikeln nicht mehr mit dem Lesen hinterher kommt, werde ich nun ein wenig in die Zukunft blicken. Die USA sind ja nun in vielerlei Hinsicht Vorreiter, was unser Rechtssystem angeht und auch wie sich Wirtschaft und Trends entwickeln. Gestern berichtete Heise, wie die US-Verwertungsgesellschaft ASCAP (American Society of Composers, Authors, and Publishers) nun auch der GEMA eine Vorlage geben könnte, zukünftig in Deutschland auch noch für ein wenig weiteren Unmut zu sorgen. Die ASCAP behauptet nämlich, dass Klingeltöne eine öffentliche Aufführung der Musikstücke seien und somit Abgabenpflichtig wären. Die us-amerikanischen Telekommunikationsanbieter wehren sich natürlich gegen diesen groben Unsinn und werden da mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Recht behalten. Dass es der ASCAP dabei vermutlich weniger darum geht, die Rechte der Musiker und Komponisten zu vertreten, sondern einfach nur einen Anteil am offenbar florierenden Klingeltonmarkt zu erhalten, also ordentlich Asche einzustreichen, sei mal dahin gestellt.

Und genau das kann ich mir bei der GEMA vorstellen. Nachdem ja nun auch USB-Sticks mit Urheberrechtsabgaben belegt werden sollen (auch wenn das jetzt nicht gerade – zumindest ausschließlich – von der GEMA ausgeht) und viele weitere elektronische Geräte wie Drucker und Scanner sowieso schon mit Urheberrechtsabgaben belegt sind, wird es den deutschen Rechteveredelernwertern nicht schwer fallen, auf die Idee zu kommen, dass man auch Klingeltöne nochmal zusätzlich besteuern könnte, wobei ich mir vorstellen kann, dass diese Abgaben, von denen der Künstler selbst vermutlich gar nichts bekommt, schon längst für den Download gezahlt werden. Aber man könnte ja nochmal zusätzlich in die Tasche greifen: jedes Mal, wenn das Handy klingelt (also wenn ein Anruf reinkommt), müssten dann nochmal Urheberrechtsabgaben gezahlt werden. Das würde zumindest für die Rechteverwerter ein lukratives Einkommen sein.

Dass es unter den Rechteverwertern und Musikindustriellen offenbar auch Leute gibt, die entweder nicht über ihren eigenen Tellerrand sehen können oder grundsätzlich geistige Tiefflieger sind, beweist die Aussage von Musikverbandschef Dieter Gorny, der den Raubkopien im Internet die Schuld an der jährlich immer schlechter besuchten Musikmesse popkomm gibt. Es ist ja auch einfacher, sich einen passenden Sündenbock zu suchen, statt das Versagen der Musikindustrie auf die hauseigene Politik zurück zu führen und sich mal Gedanken zu machen, wie man was an der Schieflage ändern  könnte. Außerdem könnte es auch daran liegen, dass zu viel (oder fast ausschließlich?) Scheiße produziert wird, also kurzlebige Pop-Trends wie Tokio Hotel (na ja, immerhin haben die es zu einem zweifelhaften Ruhm für etwas längere Zeit geschafft) oder irgendein Murks, der durch DSDS verbockt wird. Dass die Pop-Kultur quasi gestorben ist, weil sich nach nur kurzer Zeit niemand mehr für den „Künstler“ interessiert und ihn über kurz oder lang einfach in Vergessenheit geraten lässt, weil es einfach nicht gut genug ist, scheint den Damen und Herren in ihren weichen Kaschmir-Sesseln wohl gar nicht in den Sinn zu kommen.

Killerspiele-Verbot

Heute hat die VollpfostenMinisterkonferenz in Bremerhaven den Beschluss gefasst, die Herstellung und Verbreitung so genannter „Killerspiele“ zu verbieten, um somit weiteren Amokläufen an Schulen vorzubeugen. Das ganze klingt erstmal sehr edel, ist aber beim genaueren Hinsehen absolut idiotisch. Ganz davon abgesehen, dass es genügend Quellen geben wird, wo man solche Spiele statt im offiziellen Handel erwerben kann, spricht doch die Vernunft eines normalen Menschen, der mit einem IQ höher als 80 gesegnet ist, dass man mit so einem Verbot gar nichts erreicht, außer ein bisschen für populistische Schlagzeilen zu sorgen.

Jeder, der bei der Bundeswehr ist, ein Polizist ist oder sich in einem Schützenverein betätigt (ich werde diese Aufzählung der Einfachheit weglassen und allgemein von „Schützen“ schreiben), weiß, wie schwer es ist, mit einer Waffe umzugehen, wenn man nicht darin geübt ist. Für einen Laien ist es sehr schwer, bspw. mit einer Pistole um sich zu schießen und jemanden gezielt zu treffen (wenn überhaupt jemand getroffen wird). Hingegen haben Schützen eine entsprechende Ausbildung, mit solchen Waffen umzugehen.

Betrachten wir einmal den Killerspielespieler: davon gibt es tausende in unserem „schönen“ Deutschland. Wenn man einen Persönlichkeitstest aller Killerspielespieler durchführen würde, würde man sogar feststellen, dass der größte Teil ganz normal ist, ohne bemerkenswertes bzw. überdurchschnittliches Aggressionspotential. Weiterhin ist das einzige Werkzeug eines Killerspielespielers der Klick auf die linke Maustaste. Da gibt es keinen Rückstoß und das Zielen ist einfacher.

Klar, es gibt das Argument, dass Killerspiele durchaus das Potential haben, den Einzelnen gegenüber Verletzungen und Mord/Totschlag abzustumpfen – oder Aggressiv zu machen. Aber dieses Argument geistert schon seit Ewigkeiten durch die Welt der düsteren Legenden und wird immer dann gebraucht, wenn irgendwelche Leute, die viel von sich halten, aber nix in der Birne haben, mit irgendwelchen Dingen nicht umgehen können. Dieses Argument wurde auf Musik angewendet, auf Filme, vielleicht sogar vor vielen Jahrhunderten schon auf Schach. Heute sind es eben die virtuellen Welten, in denen Schlachten gegen das Böse geschlagen werden.

Dabei ziehen diese Hohlbirnen aber nicht die Möglichkeit in Betracht, dass es gar nicht auf die Freizeitgestaltung ankommt, wie sich eine Persönlichkeit eines Menschen entwickelt. Sondern es ist ein gesellschaftliches Problem, welches durch Verbote oder große Reden nicht besänftigt wird, sondern es im schlimmsten Fall sogar noch vergrößert.

Kommen wir aber zurück zum Thema: was unterscheidet nun einen Schützen von einem Killerspielespieler? Außer, dass der Killerspielespieler eine viel coolere Bezeichnung hat, ist der Schütze im Umgang mit echten Waffen geübt. Und ich denke, diese Tatsache ist ein sehr wichtiger Punkt. Die weitere Stufe ist nun die Aggregation von Killerspielespielern und Schützen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es davon auch eine Menge gibt. Aber wenn man sich mal die Täter von Amokläufen mit Schusswaffen anschaut, waren sie alle im Schützenverein, waren Waffennarren oder haben eine anderweitige Ausbildung an Schusswaffen genossen. Die wenigsten haben Killerspiele gespielt. In den meisten Fällen, in denen Amokläufer auch diese Spiele gespielt haben, konnte nicht mal wirklich ein schlüssiger Bezug zwischen Spielen und Tat hergestellt werden – außer natürlich, dass sich solche Spiele im Besitz des Täters befanden.

Doch weil man die Lobby der Waffenindustrie und der Schützen nicht verärgern möchte, nimmt man lieber die weitaus harmloseren Industriezweige aufs Korn und schiebt diesen dann den schwarzen Peter zu. So einfach ist das: denn was noch nicht traditionsgebunden ist, lässt sich auch schneller und einfacher wieder verdrängen.

Wer jetzt also behaupten möchte, dass ein Killerspielespieler eine höhere Gefahr darstellt, als jemand, der im Umgang mit Waffen geübt ist und ohne größere Umstände an Schusswaffen heran kommt, den bitte ich, von der Lektüre meines Blogs abzusehen und sich lieber wieder der BILD-Zeitung zu widmen, sofern die nicht schon zu anspruchsvoll für ihn ist. Allen anderen sage ich, dass ein Amokläufer keine „Übung“ durch Computerspiele benötigt, um seine Tat zu begehen.

Deutschland degeneriert in digitales Entwicklungsland

Technologieverdrossenheit, Angst, Skepsis, Unkenntnis und Überregulierung machen das eigentlich so fortschrittliche Deutschland zu einem digitalen Entwicklungsland. Was genau damit gemeint ist und wie sich das darstellt, hat Marcel Weiss auf Netzwertig.com sehr gut dargestellt:

http://netzwertig.com/2009/04/24/deutschland-degeneriert-in-ein-entwicklungsland-teil-1-von-3/

http://netzwertig.com/2009/04/30/deutschland-degeneriert-in-ein-entwicklungsland-teil-2-von-3/