Der Weg zur IT-Weltspitze

Die große Koalition hat ja im Bereich IT für so manches Kopfschütteln und so manchen Lacher gesorgt. Dass der SPD-Mann Heiko Maas Bundesminister der Justiz geworden ist, sorgte anfangs durchaus für Unmut, galt er doch als Freund der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung. Um so erfreulicher ist, dass er derjenige ist, der aufgrund der aktuellen Entwicklungen zu dem Thema auf EU-Ebene den deutschen Innenministern die Stirn bietet. Fragt sich zwar nur, wie lang er das durchhält. Aber erstmal ist es ein positives Zeichen.

Eine weitere Personalie, die sehr fragwürdig ist, ist die Besetzung des Bundesdatenschutzbeauftragten. War dort bisher der Datenschutz-Hardliner Peter Schaar derjenige, der bei Politik und Wirtschaft für Angst und Schrecken sorgte und den Bürger schützte, ist dort nun Andrea Voßhoff installiert, die eher der Wirtschaft und der Politik dient und beim Bürger für Angst und Schrecken sorgt.

Die merkwürdigste Personalie in der großen Koalition ist aber Alexander Dobrindt, der neben dem Verkehr auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist. Dazu gehört auch der Breitbandausbau (zum Glück ansonsten keine großen inhaltlichen Fragen zum Thema Netzpolitik). Dobrindt möchte eine Netzallianz Digitales Deutschland gründen und somit Deutschland an die IT-Weltspitze bringen. Viel mehr als den Breitbandausbau zu fördern, wird damit aber kaum möglich sein. Und Breitband ist auch vielmals ein überschätzter Begriff: die Bundesnetzagentur hält eine Bandbreite von nur 1MBit/s schon für Breitband.

Aber auch wenn der Breitbandausbau ein wichtiger Schritt der digitalen Weiterentwicklung ist, ist es natürlich nur ein Faktor von vielen, um Deutschland in der IT zur Weltspitze zu verhelfen. Natürlich könnte man hier auf jeden einzelnen Nutzer blicken. Bisher sind – zumindest gefühlt – zu wenige Nutzer in der Lage, mit ihrem PC und/oder mit dem Internet richtig umzugehen. Das merke ich nur bei meiner täglichen Arbeit als System-Administrator, sondern auch im privaten Umfeld und durch unzählige Einträge in Internetforen.

Viel schlimmer ist aber, dass auch die Wirtschaft technologisch oftmals sehr rückständig ist. Natürlich ist eine Softwareumstellung auch immer mit Kosten verbunden, aber wenn sogar Großkonzerne wie die Telekom oder Daimler noch hauptsächlich auf Windows XP mit Internet Explorer 6 setzen, obwohl diese Software seit Jahren veraltet und unsicher ist, dann kann ich kaum glauben, dass diese Unternehmen zukunftsfähig und hilfreich für den Weg zur IT-Weltspitze sind. Man muss natürlich nicht jeden Update-Schritt mitmachen, aber man sollte auch nicht den Anschluss verpassen. Und die Kostenersparnis ist im Zweifelsfall trügerisch: durch veraltete Software entstehen Sicherheitsrisiken, die das Unternehmen vielleicht teurer zu stehen kommen, als wenn man in eine Aktualisierung investiert hätte.

Straßenkrieg

Seit einiger Zeit etabliert sich der Begriff des „Kampfradlers“. Der „Kampfradler“ halte sich nicht an Regeln und nehme keine Rücksicht, so die Aussagen. In Berlin und Freiburg ist sogar eine Kampagne angelaufen, die zu mehr Rücksicht „insbesondere von und gegenüber Radfahrerinnen und Radfahrern“ aufruft. Wer einmal ein Medium dieser Kampagne zu Gesicht bekommen hat, sieht aber auch, dass man diese Kampagne viel eher nur als Aufruf deuten kann, dass nur die Radfahrer mehr Rücksicht nehmen sollen. Hier als Beispiel die Webseite der Kampagne: http://www.rücksicht-im-strassenverkehr.de

Bei der Verwendung des Begriffs „Kampfradler“ wird jedoch vollkommen außer Acht gelassen, dass es daneben auch gleichermaßen „Kampfkraftfahrer“ und „Kampffußgänger“ gibt. Andere Verkehrsmittel erwähne ich hier mal aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht. Insbesondere Autofahrer beschweren sich gerne über die Fahrradfahrer. Teilweise sicherlich zu Recht, allerdings werden von ihnen in aller Regel alle Fahrradfahrer über einen Kamm geschert. Umgekehrt sieht es allerdings auch nicht besser aus. Fahrradfahrer beklagen sich gerne über die rücksichtslosen Autofahrer. Und letztendlich sind da noch die Fußgänger, die sich über Auto- und Fahrradfahrer beklagen, während die beklagten ihrerseits gegen die Fußgänger wettern. Und dieser Kreislauf bewegt sich in eine Sackgasse.

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Ich selbst bin ja Fußgänger, einige Zeit auch viel mit dem Rad unterwegs gewesen und auch als Autofahrer habe ich am Verkehr teilgenommen. Meistens nicht auf Krawall gebürstet. Aber hin und wieder habe auch ich mich über die anderen Verkehrsteilnehmer aufgeregt. Und wenn man erstmal bewusst auf alle anderen Verkehrsteilnehmer achtet, sieht man, dass es überall Rücksichtslosigkeit gibt.

Was mir so aufgefallen ist, stelle ich in drei Abschnitten dar:

Die Autofahrer

Autofahrer stehen an der Spitze der Nahrungskette im Straßenverkehr. Vielen ist aber dabei nicht bewusst, dass damit auch viele Pflichten einher gehen. Ein großes Problem bei Autofahrern ist die Geschwindigkeit. Damit meine ich nicht nur, dass es etliche Autofahrer gibt, die es geil finden, mit überhöhter Geschwindigkeit zu fahren (und sich dann noch aufregen, wenn sie dabei erwischt werden – selbst wenn sie, wie ein Bekannter von mir, den ich nicht leiden kann, dazu noch ein verbotenes Radarwarngerät einsetzen), sondern mehr um den Drang, so schnell wie möglich voran zu kommen. Dabei werden neben Geschwindigkeitsbegrenzungen auch viele andere Regeln ignoriert. Auf der Autobahn wird dicht aufgefahren und rechts überholt. Bei Ampeln wird bei gelb nochmal richtig Gas gegeben, nur damit man nicht warten muss. Dass dabei dann hin und wieder auch mal eine rote Ampel überfahren wird und somit Fahrradfahrer und Fußgänger in Lebensgefahr gebracht werden, habe ich auch schon einige Male erlebt. Manchmal sind Zebrastreifen für „Kampfkraftfahrer“ auch nur ein Vorschlag und Fußgänger, die einen solchen benutzen möchten, werden ignoriert und notfalls weggehupt. Auch der Schulterblick nach rechts, ob da vielleicht Fußgänger oder Fahrradfahrer kommen, wird nicht selten ausgelassen – hin und wieder mit tödlichem Ausgang. Und selbst in den Fällen, wo es glimpflich ausgeht, muss man dann als Fahrradfahrer häufig Schimpf- und Hasstiraden über sich ergehen lassen, obwohl man sich richtig verhalten hat. Und auch ob der Fußgänger „Vorfahrt“ hat oder nicht, ist oft genug egal. Stattdessen wird der Fußgänger einfach von der Straße gehupt und manchmal dazu noch beleidigt oder bedroht.

Doch auch andere Probleme mit Autofahrern sind üblich: auf der Autobahn gilt die mittlere Spur quasi als rechte Spur. Man darf dort also – trotz Rechtsfahrgebot – fahren, auch wenn auf der rechten Spur viel Platz ist. Das verstehen viele jedoch nicht und manch einer glaubt, den vermeintlichen Rechtsfahrignoranten belehren zu müssen, indem er ihn nach dem Überholvorgang schneidet und ganz auf die rechte Spur rüber zieht und dabei billigend in Kauf nimmt, dass sein gefährlicher Belehrungsversuch einen Unfall verursachen kann.
In der Stadt hat man als Autofahrer unterdessen immer ein Problem, Parkplätze zu finden. Und weil das manchmal länger dauert, als man dafür aufwenden möchte, werden kurzerhand Fußgänger- und Fahrradwege zugeparkt. Übrigens nicht nur von normalen Autofahrern, sondern auch vom Ordnungsamt oder der Polizei. Und besonders ärgerlich (und gefährlich) für Radfahrer: Viele Autofahrer vergewissern sich nicht bevor sie aussteigen, ob von hinten vielleicht ein Fahrradfahrer kommt. Stattdessen wird einfach die Tür aufgerissen und ein Fahrradfahrer befindet sich dann in einer lebensgefährlichen Falle.

Die Fahrradfahrer

Fahrradfahrer haben das schwere Los, schwächer als Autofahrer, aber stärker als Fußgänger zu sein. Dem Autofahrer können sie nur selten gefährlich werden (abgesehen von einigen Rüpeln, die sich – egal wie eng es ist – rechts an wartenden Autos vorbei drängen und dabei mit ihrem Lenker Spiegel beschädigen oder Kratzer in den Lack machen). Manche Fahrradfahrer ignorieren auch den Umstand, dass das Auto gewinnt, sollten sie bei rot über die Ampel fahren und plötzlich kommt ein Autofahrer von der Seite angebraust. Ansonsten sind manche Fahrradfahrer einfach nur ärgerlich und gefährlich für Fußgänger. An einer roten Ampel anzuhalten fällt offenbar vielen Fahrradfahrern deutlich schwerer, wenn es sich nur um einer Fußgängerampel handelt. Entweder wird der Fußgänger zur Seite geklingelt oder man schlängelt sich durch die Fußgänger, die gerade die Ampel überqueren, durch. Der Konflikt mit den Fußgängern ist auch bei Bushaltestellen anzutreffen, bei denen der Fahrradweg zwischen Straße und Wartezone verläuft (die Stadtplaner, die so nen Mist verzapfen, gehören eigentlich eingesperrt). Und dann gibt es noch die Fahrradfahrer, die sich – egal wie voll es ist – mehr oder weniger ohne Rücksicht auf Verluste durch Fußgängerzonen oder Bürgersteige bewegen. Ärgerlich wird es vor allem dann, wenn ein ausgewiesener Radweg (der auch benutzbar ist) vorhanden ist, der von den Fahrradfahren aber ignoriert wird.

Gefährlich für Fußgänger und für sich selbst verhält sich ein Radfahrer dann, wenn er bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs ist. Ist er dann auch noch dunkel bekleidet, ist er für Autofahrer und Fußgänger fast unsichtbar. Beim Autofahrer hilft da auch kein Schulterblick mehr. Und ein Fußgänger, der nicht ganz genau hinschaut, könnte dem Fahrradfahrer in den Weg laufen. Beim Licht geht es also nicht nur darum, dass der Fahrradfahrer genug sieht (habe ich auch schon als Begründung gehört), sondern vor allem darum, dass er auch von anderen gesehen wird. Deshalb ist es auch wichtig, helle Kleidung oder eine Warnweste zu tragen, um gut gesehen zu werden.

Die Fußgänger

Fußgänger sind die schwächsten Teilnehmer im Straßenverkehr und haben somit die meisten Rechte. Das bedeutet nicht, dass sich Fußgänger per se gar nicht rücksichtslos verhalten können. Im Gegenteil! Das fängt allein schon bei Hundebesitzern an, die auf der einen Seite des 10 Meter breiten Bürgersteigs laufen, während ihr Hund auf der anderen Seite läuft und man dadurch quasi gezwungen wird, über die Leine, die sich über den gesamten Bürgersteig zieht, drüber zu steigen. Dann habe ich häufig schon feststellen müssen, dass Fußgänger ohne nach rechts und links zu blicken auf den Fahrradweg laufen. Fahrradfahrer müssen dann beherzt ausweichen oder bremsen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Und so richtig ärgerlich sind Fußgänger, die kurzerhand den Fahrradweg für sich einnehmen und sich auch nicht von Fahrradfahrern, die es dann auch noch wagen zu klingeln, von dort vertreiben lassen. Auch an roten Fußgängerampeln kommen Fußgänger gerne Fahrradfahrern in die Quere. Hat man als Fußgänger noch einigermaßen Respekt vor herannahenden Autos, werden Fahrradfahrer manchmal komplett ignoriert und man springt in der Hoffnung, dass der Fahrradfahrer schon ausweichen wird, einfach auf die Straße. Und manch einer fordert seinen Schutzengel noch mehr heraus, indem er einfach zwischen parkenden Autos auf die Straße springt, ohne zu prüfen, ob da vielleicht irgendwo ein Auto kommt.
Für manche Fußgänger gilt auch gegenüber anderen Fußgängern keine Rücksichtnahme. Viele gucken nicht, wohin sie laufen und erwarten, dass die anderen Fußgänger schon Kollisionen vermeiden werden.

Fazit

Man sieht also, dass jeder seinen Teil zur gegenseitigen Rücksichtnahme beitragen kann und sollte. Es betrifft alle Gruppen von Verkehrsteilnehmern, aber zum Glück immer nur einen Teil und nie ausnahmslos alle. Autofahrer stellen die größte Gefahr für alle anderen Verkehrsteilnehmer dar, da bei ihnen bei einem Unfall mit einem der anderen Teilnehmer am wenigsten passieren kann. Und auch wenn es durchaus Unfälle gibt, wo Fußgänger schwerer als beteiligte Fahrradfahrer verletzt werden, ist der Fahrradfahrer derjenige, der von allen Gruppen am gefährdetsten ist.

Niemand kann und sollte allein von „Kampfradlern“ reden, wenn er nicht auch die rücksichtslosen Teilnehmer der anderen Kategorien beachtet. Und wenn sich nicht Städteplaner und Politik mehr mit den Ursachen dieser Problematik beschäftigen, wird der Straßenkrieg zwischen den unterschiedlichen Kampfteilnehmern (zu Lasten aller rücksichtsvollen Verkehrsteilnehmer) weitergeführt.

PRI(S)MA, Herr Obama!

Ein neuer Datenskandal erschüttert die Welt. Ein mutiger Mitarbeiter eines IT-Beratungsunternehmens, das US-Regierungsstellen betreut, hat brisante Dokumente mitgehen lassen und diese an die Öffentlichkeit gebracht. Dadurch wurde ein ungeahntes Ausmaß bekannt, wie us-amerikanische Sicherheitsbehörden die Internetnutzer ausspionieren. Teilweise in Zusammenarbeit mit großen Diensteanbietern. Google, Microsoft, Apple, Facebook und Co wollen zwar davon nichts gewusst haben, aber ganz ehrlich: selbst wenn sie doch irgendwie mit drinstecken, bleibt ihnen doch gar nichts anderes übrig, als abzuwiegeln und zu dementieren. Wer würde seinen Kunden und Nutzern schon gerne direkt ins Gesicht sagen: „Hey, ich hab Dich belogen und betrogen und Dein Vertrauen ausgenutzt!“. Es wäre zwar ehrlich, käme aber einem Selbstmord gleich. Nun können die beschuldigten Unternehmen hoffen, dass entweder nichts ans Licht kommt, oder dass bewiesen wird, dass sie nichts damit zu tun haben.

Der Mitarbeiter heißt Edward Snowden, die Firma Booz Allen Hamilton. Nachdem Edward Snowden sich kurz nach der Veröffentlichung einiger Dokumente selbst zu erkennen gegeben hat, ist er schon ins Ausland geflohen. Booz Allen Hamilton hat ihm direkt die Kündigung hinterher geworfen. Man könnte nun meinen, dass die bei Booz Allen Hamilton gemeine Arschlöcher sind. Das war zumindest mein erster Gedanke. Aber hätten die sich nicht von Edward Snowden distanziert und ihn gefeuert, wäre der Vertrauensverlust gegenüber dem Kunden, also gegenüber der US-Regierung so beträchtlich geschädigt worden, dass Booz Allen möglicherweise ziemlich schnell alle 20.000 Mitarbeiter entlassen müsste. Insofern kann es durchaus sein, dass Edward Snowden intern gefeiert wird, während der offizielle Standpunkt reine Politik ist.

So – und nun kommt die BILD ins Spiel. Viel eher der sagenhafte Franz Joseph Wagner, seines Zeichens Kolumnist bei BILD, der sich für keinen Griff ins Klo zu schade ist und manchmal so schnell seine Meinung (bzw. seine publizierte Meinung) ändert, dass einem fast schwindelig werden kann. Der besagte Herr Wagner schrieb nämlich jüngst in der BILD, dass er es gut fände, wenn die Regierung alles und jeden Überwachen würde:

Ich mag die Überwachung, sie ist ein Schutz. Ich bin lieber überwacht als tot.

Franz Joseph Strauss Wagner stellt die Gretchenfrage, was denn gewesen wäre, hätte man terroristische Nachrichten gefunden. Mal ganz davon abgesehen, dass es keine „terroristischen Nachrichten“ gibt, sondern man maximal Boulevard-Zeitungen wie die BILD als „terroristisches Nachrichtenblatt“ bezeichnen könnte, sind solche Fragen doch genau so bescheuert, wie die Frage danach, was gewesen wäre, wenn seine Eltern gewusst hätten, wie man verhütet. Um Peer Steinbrück zu zitieren: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“

Ist die Komplettüberwachung des Internets – insbesondere von Online-Diensten wie Facebook, Twitter, Google, Outlook, ebay, Amazon, PayPal uvm. – überhaupt verhältnismäßig? Ja, es gibt Terroristen. Ja, die sind scheiße. Ja, die benutzen auch das Internet. Ja, die essen auch Brot und trinken Wasser! Zu was präventive Überwachung führt, kann man – zugeben etwas überspitzt – in Minority Report oder dem Klassiker 1984 von George Orwell erfahren.

Franz Joseph Wagner hält Edward Snowden für einen Verräter und einen Verbrecher. Dem schließen sich sicherlich viele an – insbesondere natürlich amerikanische Regierungskreise, Barack Obama eingeschlossen („Es hat einen Grund, warum manche Dinge geheim sind“). Würde man aber jetzt auch so urteilen, wenn Edward Snowden nicht den us-amerikanischen Schnüfflern die Hosen herunter gezogen hätte, sondern einem allgemein anerkannten Schurkenstaat? Wenn er vom iranischen oder nordkoreanischen Geheimdienst solche Dokumente geleakt hätte, wäre er doch von vielen, die ihn heute am liebsten am Strang baumeln sehen wollen, gefeiert worden. Es kommt also gar nicht wirklich drauf an, dass er Dokumente eines Geheimdienstes veröffentlicht hat, sondern zu wem dieser Geheimdienst gehört.

Ungefähr das gleiche ist doch auch mit Bradley Manning passiert. Der hat ein Verbrechen aufgedeckt, aber jeder scheint ihn dafür zu hassen, weil das Verbrechen durch Soldaten der USA begangen wurde. Hätte er Verbrechen aufgedeckt, die von Soldaten eines unliebsamen Staates begangen wurden, wäre er der gefeierte Held.

Aber so urteilen wir Menschen gerne. Wir selbst wollen auch nach 22 Uhr noch im Biergarten draußen sitzen und uns unterhalten, aber wehe wir haben in der Nachbarschaft selbst einen Biergarten, dann sorgt die Polizei um spätestens 22:05 Uhr für Ruhe.

Und jetzt wird vergauckt!

Wulff ist weg. Zum Glück. War er doch zuletzt nur noch eine Schande als Bundespräsident. Ich konnte ihn sowieso nie wirklich als solchen anerkennen. Der Nachfolger war überraschend schnell gefunden: Joachim Gauck. Er hätte es viel lieber schon 2010 werden sollen, durfte er aber nicht, weil unsere unfähige Kanzlerin Angela Merkel ja viel lieber den Christian Wulff im Amt des Bundespräsidenten haben wollte.

Na ja, wie dem auch sei – ich hatte mich damals schon für Gauck ausgesprochen. Warum? Weil ich ihn für besser hielt als Wulff. So ging es vielen damals, heute sind aber offenbar nicht mehr so viele dieser Meinung. Das hat durchaus mit gewissen Aussagen zu tun, die Gauck zu populären Gesprächsthemen getätigt hat und nicht auf allgemeine Zustimmung gestoßen sind. Zumindest wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt und den nötigen Kontext nicht beachtet. Bei der Süddeutschen Zeitung hat man dies mal aufgeschlüsselt: http://www.sueddeutsche.de/politik/umstrittene-aeusserungen-ueber-occupy-und-sarrazin-was-gauck-wirklich-gesagt-hat-1.1288683

Ok, manches mag davon auch schön geredet worden sein. Aber im Großen und Ganzen wirkt der Protest gegen Gauck in vielen Fällen eher populistisch und unüberlegt. Und manchmal scheint es sogar so, dass eigentlich gar nichts gegen Gauck einzuwenden wäre, aber man kann ihn nicht befürworten, weil man aus Prinzip dagegen sein muss. Dass es aber auch bei Gauck durchaus Gründe gibt, warum man ihn nicht als Bundespräsidenten haben möchte, sollte selbstverständlich sein. Ein Kandidat, der von ausnahmslos allen getragen wird, wäre doch auch unheimlich…

Die Piratenpartei, die ja nun auch zum ersten Mal einen Kandidaten benennen darf, weiß noch nicht so recht, wie sie sich verhalten soll. Es wird über Hans-Jürgen Papier diskutiert, der sicherlich auch kein schlechter Vorschlag ist, selbst wenn der äußere radikale linke Rand der Piratenpartei ihn als Rechtspopulisten versteht. Viele Piraten und Nicht-Piraten handeln aber auch den Kabarettisten Georg Schramm. Schaden würde wohl keiner der beiden Vorschläge, da kein Vorschlag der Piraten auch nur eine geringste Chance hätte, sich gegen den „Wunschkandidaten“ von Schwarz-Geld-Rot-Grün durchzusetzen. Rein aus Prinzip!