Freiheit statt Angst 2011

Ich möchte dringendst daran erinnern, dass am morgigen Samstag den 10.09.2011 die Freiheit statt Angst Demo in Berlin stattfindet.

 

Die Demonstration beginnt um 12:30 Uhr am Pariser Platz und zieht dann weiter zum Alexanderplatz, wo dann der Hauptteil der Veranstaltung stattfindet.

Der Wetterbericht sagt für morgen einen heiter bis wolkigen Tag voraus, Regenschirme können zu Hause bleiben. Die Temperaturen sollen bis auf 24 Grad Celsius steigen – frieren muss also auch keiner!

Feiertagstanzverbot

Hessen hat mit 15 „Stillen Tagen“, an denen ein Tanzverbot gilt, nach Baden-Württemberg (18 Tage), die meisten Tage in Deutschland, in denen aufgrund klerikaler Befindlichkeiten die persönliche Freiheit der Menschen eingeschränkt wird. Denn bei diesen Tanzverbotstagen geht es – mit Ausnahme des Volkstrauertages – fast ausschließlich um kirchliche Feiertage. Die dazugehörigen Gesetze sind in grauen konservativen Zeiten geschmiedet worden, als man sich noch nicht vorstellen konnte, dass sich immer weniger Bevölkerung zum christlichen Glauben bekennt. In Hessen war dies 1971. Nur mal zum Vergleich: Berlin hat lediglich drei Feiertage, an denen ein Tanzverbot zwischen 4 und 12 Uhr gilt.

Im Jahr 2004 lehnte der Baden-Württembergische Landtag eine Petition, das Tanzverbot abzuschaffen, mit der Begründung, dass der Schutz der Sonn- und Feiertage eine große Bedeutung habe. In Bayern wurde 2008 das Feiertagsgesetz aufgrund „Verrohung der Sitten“ verschärft. Was man unter der „Verrohung der Sitten“ alleweil in Bayern versteht, müsste man einen der dortigen Sittenwächter mal fragen. Aber offensichtlich hat es nichts mit Korruption zu tun, sondern eher mit einer von jämmerlichen Kinderfickern Pfaffen anerzogenen Angst vor der Kirche, die den christlichen Glauben schon immer und zu jeder Gelegenheit zu einer Trauerfeier pervertiert hat. Ja, als Christ ist man meistens gezwungen, andächtig und angsterfüllt vor einem zornigen Gott zu harren, der einem jederzeit die ganze Kraft seines Zornes spüren lassen kann.

Wie dem auch sei (ich lasse ja gerne mal meinen Missmut am christlichen Glauben und vor allem an der Kirche aus), halte ich das Feiertagsgesetz für nicht mehr zeitgemäß. Ungefähr ein Drittel der Deutschen Bevölkerung gehört nicht dem christlichen Glauben an und ich wette, dass ein weiteres Drittel zwar auf dem Papier zu irgendeiner Kirche gehört, aber sich nen Scheißdreck um irgendeinen Glauben schert. Dem letzten Drittel gehören dann wohl hauptsächlich Rentner und Fundamentalisten an sowie Heuchler, die von christlichen Werten „predigen“, aber diese Werte bei jeder sich ergebenden Gelegenheit mit Füßen treten. Durchschnittsbürger, die einen ernsthaften christlichen Glauben haben, bilden wohl tatsächlich eine Minderheit. Ich kenne zumindest keinen, dem ich als Außenstehender relativ objektiv das Zertifikat „Christ“ verleihen würde (selbst in meiner eigenen Familie werde ich mit Intoleranz bestraft, weil ich nicht ins konservative Muster passe). Schon vor diesem Hintergrund ist es albern, ernsthaft ein Gesetz aufrecht zu erhalten, welches zum Schutz des Feiertages als Tag „der seelischen Erhebung“ (wer hat sich diese gequirlte Wortwahl eigentlich ausgedacht?), also als Tag der Andächtigkeit – bei christlichen Feiertagen also der Andächtigkeit vor Gott -, errichtet wurde.

Nehmen wir mal an, dass die Ereignisse, die sich vor ca. 2.000 Jahren begeben haben sollen, tatsächlich geschehen sind. Wer die Bibel gelesen hat – also wer sie wirklich! gelesen hat – wird verstehen, dass alle christlichen Feiertage, selbst der Ewigkeitssonntag (Totensonntag) und Karfreitag Tage der Freude sein sollten.

Totensonntag: im Gedenken an die Verstorbenen ist es Verschwendung zu trauern. Denn in der Bibel steht im Grunde (wenn man mal die schwachsinnigen Drogenexzesse von Johannes ignoriert, der die Offenbarung verzapft hat, genauso wie die fundamentalistischen und faschistischen Hetzschriften von Paulus), dass der Verstorbene ins Himmelreich gekommen ist. Also ist es doch ein Grund zur Freude!

Karfreitag: Hätte es keine Kreuzigung von Jesus Christus gegeben, hätte sich die Prophezeiung nicht erfüllt und es gäbe keine Christen. Dass Jesus sich als Märtyrer für die Menschen hingegeben hat, ist doch ein Grund zur Freude! (Ok, meine Argumentation hat da einen kleinen Schönheitsfehler: ohne Christen hätte die Menschheit in den letzten 2.000 Jahren vermutlich nicht so viel leiden müssen…)

Wie man es auch dreht und wendet: ich als Atheist sehe keinen Grund darin, irgendeinen der christlichen Feiertage als Trauertag zu behandeln, an dem es aus Gründen der Pietät geboten wäre, freudige Veranstaltungen zu verbieten. Vielmehr sind diese Tanzverbote dem Unwissen oder der Unfähigkeit, über den Tellerrand zu Blicken, von Politikern geschuldet.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Guttenberg zurück?

Des Volkes Stimme ist laut. Noch lauter ist die BLÖD-Zeitung. Glaubt man den lauten Stimmen, möchte das Volk Karl-Theodor zu Guttenberg (auch „Der Plagiator“) nach seinem gestrigen Rücktritt wieder zurück in seinem Amt als Verteidigungsminister sehen. Eine Facebook-Seite „Wir wollen Guttenberg zurück“ hat inzwischen schon über 450.000 Mitglieder (wobei einige dort wohl nicht für seine Rückkehr plädieren, aber das dürfte eine Minderheit sein).

Ich mache mir natürlich Gedanken, warum fast eine halbe Million deutscher mündiger(?) Bürger Herrn zu Guttenberg zurück haben möchte. Liest man in der Facebook-Gruppe, stellt man fest, dass dort hauptsächlich von seinen großartigen Leistungen als Politiker geschrieben wird, sofern der Ruf nach dem Zurück überhaupt irgendeinen Inhalt hat. Am Anfang will ich klar stellen, dass mir der Rücktritt von Guttenberg relativ egal ist. Meinetwegen hätte er auch weiterhin im Amt bleiben können.

Vielen geht diese Hexenjagd auf Guttenberg auf die Senkel. Klar, manche sehen in Guttenberg den Heilsbringer, manche halten das Thema inzwischen für ausgelutscht (nach drei Tagen wird ein Thema uninteressant, dann muss ein neues zackiges Thema her, denn man will sich ja bespaßen lassen und seiner Sensationsgier neuen Input gewähren). Aber Hexenjagd? Eine Hexenjagd ist für mich die zwanghafte Suche nach Makeln oder Schwächen seines Opfers, um es anschließend dafür zu verurteilen. Zugegeben, bei Guttenberg wurde auch nach einem Makel gesucht, aber im Gegensatz zu einer Hexe hat Herr Guttenberg tatsächlich was „verbrochen“.

Guttenberg hat beschissen – und zwar nicht irgendwann irgendwo, sondern bei einer der höchsten akademischen Auszeichnungen. Es macht für mich schon einen Unterschied, ob man bei den Hausaufgaben bei nem Klassenkameraden abschreibt oder ob man sich bei einer Doktorarbeit auf diese Weise gehen lässt. Da sind deutliche qualitative Unterschiede, die ein vernunftbegabter Mensch erkennen sollte. Wenn aber von Regierung und Bevölkerung geduldet wird, dass ein äußerst sympathisch wirkender Minister betrügt, ist das nicht nur ein Faustschlag ins Gesicht jedes Akademikers, der seinen Titel ehrlich erworben hat, sondern es zeigt auch, dass Regierung und Minister sich über das Gesetz stellen dürfen – und das sogar mit Befürwortung von einem nicht unerheblichen Teil des Volkes (und der BLÖD-Zeitung). Angela Merkel sagte in einer ihrer Verteidigungsreden für Guttenberg, dass sie keinen wissenschaftlichen Mitarbeiter eingestellt habe, sondern einen Minister. Doch darum geht es nicht. Sähe die Sache anders aus, wenn Guttenberg Steuern hinterzogen hätte, wenn er Schmiergelder von Waffenschiebern angenommen hätte, wenn er sich auf welche andere Art und Weise auch immer strafbar gemacht hätte? Vermutlich schon. Oder wirkt die Superstar-Aura des schillernden und adeligen zu Guttenberg auch dann, wenn es mehr um weltliche Dinge geht? (99% aller Guttenberg-Befürworter sind vermutlich keine Akademiker, haben also meist keinen blassen Schimmer von der Bedeutung einer Doktorarbeit.)

Man mag meinen, eine Doktorarbeit ist ja nur ein Text. Das ist dann ja nicht so schlimm… wir kopieren uns ja auch unsere Musik und Filme aus dem Internet. Wenn man erwischt wird, wird es teuer.  Zwar halte ich die Methoden der Rechteverwerter durchaus für fragwürdig, dennoch plädiere ich dafür, dass die Künstler ein Recht darauf haben, für ihre Werke belohnt zu werden. Das gilt nicht nur für Musik, Filme, Software, sondern auch für Bücher, journalistische Artikel sowie Aufsätze und andere wissenschaftliche Texte. Wenn sich jemand an anderen bereichert, ohne deren Zustimmung zu haben, nennt man das Diebstahl. Wenn man sich mit fremden Federn schmückt, ist dies eine Täuschung (oder auch ein Betrug). Der Begriff Diebstahl ist eigentlich als das Wegnehmen einer Sache definiert. Bei einer Kopie wird in dem Sinne niemandem eine Sache weggenommen, aber man bringt den Eigentümer um seine Anerkennung. Stellt euch doch mal vor, ihr habt DEN Song geschrieben/komponiert oder ihr habt DIE Geschichte geschrieben oder DAS Spiel programmiert. Plötzlich kommt jemand an, bedient sich an eurem „geistigen Eigentum“ (geistiges Eigentum gibt es vom logischen Zusammenhang her gar nicht, aber der Begriff wurde für diese Situation geprägt und ist allgemein verständlich, deshalb sei mir verziehen, dass ich mit solchen unsinnigen Begrifflichkeiten um mich werfe) und scheffelt damit die große Kohle (oder heimst sich auf andere Weise dafür die Lorbeeren ein), während ihr daheim sitzt und leer ausgeht. Ganz ehrlich: würdet ihr da nicht auch auf die Barrikaden gehen und denjenigen, der euch die Anerkennung weggenommen hat, auf welche Weise auch immer zur Verantwortung ziehen wollen?

Selbst nachdem es klar war, dass Guttenberg (weite) Teile seiner Doktorarbeit bei anderen Autoren kopiert hat, ohne den Autoren in der nötigen Form die gebotene Anerkennung in Form von Fußnoten zu gewähren, hat er sich zunächst nicht auf die Plagiatsvorwürfe eingelassen, sondern sie bestritten. Erst nachdem der Druck auf ihn größer wurde und weitere Textstellen, die er zweifellos kopiert hatte, aufgedeckt wurden, hat er sich in ein Wischiwaschi gedruckst, in dem er zwar noch nicht konkret bestätigt hat, dass er kopiert habe, aber aus dem klar wurde, dass er gemerkt hat, ertappt worden zu sein. Vermutlich hätte man ihm verziehen, wenn er sich gleich zu Anfang aufrichtig entschuldigt hätte. Wenn er gesagt hätte (dabei kommt es auf den Wahrheitsgehalt nicht an), er habe versehentlich die Fußnoten vergessen und er wolle diese nun mit Hilfe der Netzgemeinde nachträglich einfügen und seine Doktorarbeit nochmals zur Bewertung an der Universität einreichen (sofern das überhaupt möglich ist – das kann ich nicht beurteilen). Er hätte auch direkt sagen können: „Hey, ja, ich hab da was Dummes getan, ich hab abgeschrieben, ich bitte die Uni meinen Titel zurück zu nehmen und akzeptiere eine angemessene Strafe.“ Auch das hätte seinem Image nicht geschadet, sondern hätte gezeigt, dass er Rückgrat besitzt. Weil sie Rückgrat besitzen, sind übrigens noch ganz andere Menschen von ihrem Amt zurück getreten. Man denke zum Beispiel an die ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, die aufgrund einer „Bagatelle“ von ihrem Amt zurück getreten ist, weil sie wusste, dass sie eine Verfehlung begangen hat und sie eine Vorbildfunktion besitzt. Ihr hat man zugejubelt, weil sie Rückgrat bewies und manch einer hätte sie sogar gerne als Bundespräsidentin gesehen.

Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Wäre Frau Käßmann im Amt geblieben, hätten sich doch die Geier auf sie gestürzt und sie zum Rücktritt gezwungen. Warum ist es mit Guttenberg anders? Warum sollte er, der auch eine Vorbildfunktion besitzt, nun keine Konsequenzen aus seinem Fehlverhalten ziehen, Rückgrat beweisen und zurücktreten? Guttenberg hat politisch nichts erreicht. Mehr noch hat er gezeigt, dass er mit Problemen in seinem Ministerium nicht umgehen kann. Als 2009 in Afghanistan ein Tanklaster von der Bundeswehr bombardiert wurde und es eine große Anzahl an zivilen Opfern gab, hat er mit beinahe täglich wechselnden Aussagen für Widersprüchlichkeiten und Verwirrung gesorgt und letztlich Oberst Klein als Sündenbock präsentiert. Der Schuldige war gefunden, Guttenberg war fein raus. Fatal war seine Äußerung, dass die Bundeswehr auch wirtschaftliche Interessen absichern solle – für die gleiche Äußerung geriet der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler stark in die Kritik, weshalb er sein Amt niederlegte. Man mag dies Ehrlichkeit nennen, aber es zeigt dennoch nur auf, wie unsere Regierung, deren Vertreter Guttenberg für das Heer ist, über Einsatzmöglichkeiten der Bundeswehr denkt, welche verfassungsfeindlich sind. Im letzten Jahr entsetzten Berichte von Ekel-Ritualen bei der Bundeswehr das deutsche Volk. Genau das deutsche Volk, welches sich an Ekel-Formaten wie „Dschungelcamp“  (immerhin 7,4 Millionen Zuschauer) und Folter-Filmen wie SAW aufgeilt, verurteilt nun zugegeben unappetitliche, aber dennoch in der Regel auf freiwilliger Teilnahme (ich habe mit mehreren ehemaligen Soldaten gesprochen, die diese Rituale kennen) basierende „Rituale“ bei der Bundeswehr. Guttenberg gibt sich autoritär, findet auf der Gorch Fock einen Offizier, der sich daneben benimmt, und suspendiert ihn. Sündenbock gefunden! Im vergangenen Jahr hat Guttenberg auch eine große Bundeswehrreform eingeleitet. Die Wehrpflicht entfällt, somit aber auch der alternative Zivildienst. Ich selbst war nie Befürworter der Wehrpflicht, aber dieser Totalausfall ist insbesondere für soziale Dienste, die auf Zivildienstleistende angewiesen sind, ein riesiger Kostenfaktor. Das, was in der Bundeswehr gespart wurde, muss nun mindestens in den sozialen Sektor fließen. Die Reform hat gute Ansätze, ist aber leider nicht gut genug durchdacht gewesen. Und Herr Guttenberg hat die Reform sogar noch um einige Monate nach vorn gezogen, so dass die Wehrpflicht nicht mehr für die Schulabgänger des letzten Jahres galt und somit den sozialen Einrichtungen kurzfristig die geplanten Zivildienstleistenden weggefallen sind.

Trotz dieser Dinge, hat Guttenberg sein Ansehen in der Bevölkerung nicht verloren. Warum ist das so? An dieser Stelle zitiere ich eine Person mit dem Pseudonym Häkelschwein:

Wer nur Boulevardmedien konsumiert, aber kaum seriöse Zeitungen oder Bücher liest, für den ist alles unterhalb von Superstars, Sensationen und Riesenwirbeln jenseits der Wahrnehmungsschwelle, für den gibt es nur total toll oder total scheiße.

Guttenberg war seit langem der erste Politiker, der es über die Wahrnehmungsschwelle dieser Bevölkerungsgruppe geschafft hat, alle übrigen verschwimmen in ihren Augen in derselben grauen Masse.

(Übrigens lohnt sich das Lesen des ganzen oben verlinkten Kommentares bei Netzpolitik, aber natürlich auch der Artikel zu diesem Kommentar. Häkelschwein werde ich auch im folgenden Text in einigen Passagen sinngemäß wiedergeben)

Am 01.03.2011 um ca. 11:20 Uhr hat Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Rücktritt bekannt gegeben. Als kritischer Zuhörer behaupte ich, dass seine Rede ausgesprochen gut war. Nicht dass man mich falsch versteht: ich empfand seine Rede wie ein einlullendes Blendwerk. Sie war derart gestaltet, dass sie dem gemeinen Zuhörer Tränen der Rührung und des Mitleids in die Augen treiben konnte. Er hat sich zu der Plagiats-Affäre abermals nicht konkret ausgedrückt, hat seine Fehler nur mangelhaft eingestanden. Als frech empfand ich, dass er die bedauerlicherweise in Afghanistan verletzten und getöteten deutschen Soldaten als Begründung für seinen späten Rücktritt vorgeschoben hat. Besser wäre m.E. gewesen, wenn er diesen Zusammenhang nicht hergestellt hätte. Aber seine Rücktrittsrede hat bei vielen gewirkt. „Respekt“ habe ich von manchen Personen gehört. Respekt? Wofür? Dass er Rückgrat bewiesen hat und zurückgetreten ist? Nein, meine lieben Freunde, Respekt hätte man im zollen können, wenn er, wie ich schon schrieb, viel eher und angemessen aus die Plagiatsaffäre reagiert hätte, wenn er endlich mal von Anfang an  ehrlich gewesen wäre, was er bis zuletzt nicht war. Sein Rücktritt kam von politischer Sicht her zu spät – und wie ich schrieb, hätte es vermutlich nicht einmal dazu kommen müssen.

Ich verweise auf oben, dass es mir prinzipiell egal ist, dass er zurückgetreten ist. An seine Stelle kommt jetzt jemand, der den Job mindestens genauso kann, der (nun ehemalige) Innenminister Thomas de Maiziére. Wir müssen uns da nichts vor machen: Guttenberg hat kein gutes Bild abgegeben. Und das hätte jeder andere in dem Amt sehr wahrscheinlich auch nicht. Guttenberg war politisch nichts besonderes, er ist, was das angeht, problemlos ersetzbar. Er hat es aber geschafft, die Massen für sich zu gewinnen. Guttenberg ist den Menschen sympathisch (auch mir!). Der Unterschied zwischen kritischen Politik-Betrachtern und dem bildungsfernen Pöbel besteht allerdings darin, dass der bildungsferne Pöbel, die Konsumenten von Boulevardblättern, welche sich sich als Sprachrohr des Volkes verstehen, aber meist nur das sensationsgierige und promigeile Klientel bedient, welches politisch so desinteressiert/desorientiert ist, dass man es mit populistischen Schlagzeilen sehr gut manipulieren und kontrollieren kann, gar nichts von der politischen Arbeit von Guttenberg weiß, sondern sich einfach nur sicher ist, dass ein Mensch mit solchem Charisma auch gute politische Arbeit erledigt. Dass dies weit abseits der Realität sein kann (aber natürlich nicht sein muss), interessiert nicht.

Der Punkt ist der, dass die meisten der Guttenberg-Fans für sachliche Argumentationen nicht zu haben sind. Sie sind geblendet von der Aura Guttenbergs. Er wird von ihnen heroisiert, er wird von ihnen idealisiert, so wie ein Süchtiger seine Droge behandelt. Versucht man nun, an die Wurzel zu gehen, wird der Groupie böse, schaltet auf Durchzug und lässt keine kritische Bemerkung zu. Als Antwort bekommt man entweder Beleidigungen, Rechtfertigungen, Verharmlosungen (auch in Form von Vorhaltungen wie „wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein“ oder „als ob du noch nie abgeschrieben hättest“) oder einfach nur leere Worthülsen.

Warum also, wenn nicht aus niederen Trieben heraus, wünscht man sich Guttenberg als Verteidigungsminister zurück? Es kann hier nur um die Person gehen, nicht um die Politik, denn die war nichts besonderes. Wenn man das Volk seine Vertreter komplett selbst bestimmen ließe (Deutschland sucht den Super-Minister), würden beliebte Selbstdarsteller aus dem Fernsehen wie Stefan Raab, Günther Jauch, Heidi Klum, Dirk Bach, Thomas Gottschalk und (evtl. als Gegenpol) Dieter Bohlen unser Land führen. Vielleicht wäre das auch keine falsch Wahl, denn letztendlich würden sie den Job auch irgendwie machen – sicherlich mit mehr Theatralik, aber sie würden es schon irgendwie hinbekommen. Unsere bisherigen Politiker kriegen es ja auch irgendwie hin. Man muss nicht zum Politiker ausgebildet werden, sondern man muss sich nur verkaufen können.

Ich greife an dieser Stelle noch eine Sache auf, die mich ein wenig verärgert hat. Manch einer vermutet hinter dem Guttenberg-Skandal die „böse“ Opposition. Gerne wird ja in der Politik der politische Gegner durch das Aufdecken von Skandalen und Skandälchen demontiert. Die Politik ist kein Ponyhof, sondern ein schmutziges Geschäft. Wer sich darauf einlässt, muss darauf gefasst sein, dass er in aller Öffentlichkeit wegen kleinster Fehler bloßgestellt wird. Dabei gehen die Gegner nicht gerade zimperlich vor. Schwächen der anderen werden in der Politik immer ausgenutzt. Sei es nun das Steineschmeißen von Grünen, der Hang zum Kommunismus bei der Linken, die Dienstwagen bei der SPD, die Steuergeschenke der FDP oder die Finanzen (Schmiergelder etc.) bei der CDU. Dazu kommen noch die Kinderficker, die man auch in jeder Partei finden kann. Hitlervergleiche lassen zumindest das gegnerische Bündnis immer wieder aufs Neue zu entsetzten Reaktionen verleiten. Dabei wird skandiert, dass sich das nicht gehört. Und obwohl sich keine Partei davon freisprechen kann, ist die Empörung immer wieder groß.

Diesen „Skandal“ aufgedeckt haben jedoch nicht die Oppositionsparteien, die als erstes nach Rücktritt geschrien haben, sondern das Internet mit seinen Benutzern. Dort war anfangs nichts von Rücktrittsforderungen zu lesen – das änderte sich erst so langsam, als Guttenberg trotz offensichtlicher Beweise den Plagiatsvorwurf abstritt. Die Medien, die bis dahin noch relativ neutral über das Geschehen berichtet haben, stimmten jedoch in den Tenor ein, nachdem Guttenberg sie brüskierte, indem er auf einer Pressekonferenz nicht erschien, sondern sich mit Vertretern ausgewählter Medien „im Hinterzimmer“ traf:

[Das Video bei Youtube wurde leider entfernt]

Letztendlich hat sich die Situation für Guttenberg so sehr zugespitzt, dass ihm als Politiker keine andere Wahl mehr blieb, als von seinem Amt als Verteidigungsminister zurückzutreten.

Nun gut, die Frage, warum er zurück kommen soll, ist weiterhin ungeklärt. Ich habe keinen vernünftigen Grund finden können. Vielleicht hat der freundliche Leser, der es bis hierhin geschafft hat, eine nachvollziehbare Idee, warum Karl-Theodor zu Guttenberg besser als Minister geeignet ist als andere.

Das Google-StreetView-Phänomen

Derzeit erhitzt das Projekt Google StreetMap die Gemüter. Angeheizt durch die Politik, die dieses Thema als Nebelkerze verwendet, um von tatsächlich problematischen Themen wie bspw. die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken abzulenken. An der ganzen Diskussion lässt sich aber auch hervorragend erkennen, dass offenbar auch sehr viele Menschen und auch Medien gerne laut über Dinge reden, von denen sie ganz offensichtlich nicht die geringste Ahnung haben, stürzen sich wie die Geier auf die Gerüchte, die sie gehört haben, spinnen dies weiter und machen aus einer eigentlich ganz harmlosen Sache eine monströse Unverschämtheit.

Die Auflösung des Rätsels, was Google StreetView ist, möchte ich hier mal vorweg nehmen: Google schickt seine Fahrzeuge , die mit einer in ca. 2,90m Höhe befestigten 360° Kamera ausgestattet sind, über die Straßen. Hierbei wird alle paar Sekunden ein Foto gemacht. Das passiert für einen Ort in aller Regel einmalig. Diese Fotos werden dann mit dem Kartendienst Google Maps verbunden, so dass man virtuell durch die Städte laufen kann. Gesichter und KFZ-Kennzeichen werden von einer Software mit einer sehr hohen Genauigkeit automatisch erkannt und unkenntlich gemacht. Es kann durchaus passieren, dass dieser Automatismus nicht immer greift, aber Google reagiert sehr schnell auf entsprechende Hinweise und bearbeitet Fotos, auf denen noch Gesichter oder KFZ-Kennzeichen zu erkennen sind, manuell nach.

Damit komme ich dann auch zum problematischen Teil. Es kann nämlich auch durchaus vorkommen, dass man zufällig vom Google-StreetView-Fahrzeug in einer blöden Situation erwischt wird. Viele Situationen kann man jedoch auch durch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit vermeiden: wenn man bspw. eine „Erotik-Videothek“ besuchen möchte und gesteigerten Wert darauf legt, dass man nicht direkt davor fotografiert wird und der Besuch quasi der ganzen Welt angezeigt wird, reicht es aus, sich vorher nochmal umzusehen, ob man eines dieser Fahrzeuge in seiner näheren Umgebung sieht. Die Chance, dass man fotografiert wird, ist jedoch deutlich gering. Wie schon gesagt, fährt das Google-Fahrzeug jede Straße nur ein einziges Mal ab. Dies geschieht in einer Geschwindigkeit von ca. 30 km/h und es wird nicht gefilmt, sondern es wird nur alle paar Sekunden ein Foto geschossen.

Und nun will ich noch die düsteren Legenden und die größten Missverständnisse zu Google StreetView aufklären. Es ist schon bedeutend, wenn sich Promis in aller Öffentlichkeit blamieren, indem sie in der BILD ganz offen und klar zugeben, dass sie keinerlei Ahnung haben, wovon sie sprechen. Aber die Hauptsache ist ja, dass man mal wieder die Namen Sky du Mont oder Jeanette Biedermann liest. Neben anderen haben diese nämlich in einem Interview ganz offenbar gezeigt, dass es trotz grober Ahnungslosigkeit wichtig ist, zu einem Thema zu äußern – und nebenbei auch teilweise noch intime Details aus dem Privatleben veröffentlichen, die man auch mit Google StreetView nicht erfahren hätte. So hat Jeanette Biedermann Angst davor, dass man sie beim nackt Sonnenbaden in ihrem Garten beobachten könnte. Sky du Mont möchte nicht, dass man seine Kinder beim Spielen im Garten beobachten kann. Der BILD-Redakteur Martin Wichmann möchte nicht, dass man sein Haus von allen Seiten einsehen kann. Und ein männliches Topmodel findet es gut, dass er jederzeit nachsehen kann, ob seine Häuser noch stehen.
Die genannten (und vermutlich ein Großteil der bildungsschwächeren Bevölkerung) gehen davon aus, dass jedes Haus mit etlichen Kameras ausgestattet wird, die Live jeden Winkel des Hauses filmt und dies im Internet öffentlich zugänglich macht. Seltsamerweise sind es meist auch solche Leute, die die Bemühungen von gewissen Überwachungsministern positiv bewerten, die am liebsten auch überall Kameras installieren möchten – und das dann sogar im Haus.

Um es nochmal zu verdeutlichen: Google sendet keine Live-Bilder ins Internet, sondern macht einmalige Momentaufnahmen. Der ganze Vorgang dauert wenige Sekunden. Google fotografiert von der Straße aus, wie es quasi jeder machen könnte. Google geht nicht auf die Grundstücke und fotografiert dabei alle Seiten des Gebäudes – geschweige denn den Garten, in dem man gerade Nackt in der Sonne liegt, wie Jeanette Biedermann es, impliziert durch ihre Aussage im Interview, offenbar regelmäßig tut. Wer seinen Garten, in dem er sich nackt sonnt, seine Kinder spielen lässt oder andere private Dinge tut, vor dem Haus hat, was in Deutschland ja recht ungewöhnlich ist, der muss sich damit abfinden, dass Leute, die an dem Grundstück vorbei gehen, einen Blick auf das Geschehen werfen und es sogar fotografieren – so wie es Google quasi auch macht. Zugegeben, eine Kamera in einer Höhe von 2,90m hat nicht jeder, der zufällig am entsprechenden Grundstück vorbei geht. Aber es ist durchaus jedermann erlaubt, mit einer Leiter, die sogar Aufnahmen aus weitaus höherem Blickwinkel ermöglicht, Fotos zu machen.

Manche Leute haben Angst davor, dass durch die fotografierten Straßenzüge potentielle Einbrecher angelockt werden und ihnen die Möglichkeit gegeben wird, das begehrte Objekt auszuspionieren. Aber mal ganz ehrlich: die regional operierenden Einbrecher kennen die Häuser bestimmt bereits seit Jahren und haben sie schon gründlichst ausspioniert – und zwar besser als drei Fotos von Google das ermöglichen würden. Evtl. haben die Einbrecher schon bereits das Grundstück erkundet und Blicke durch die Fenster geworfen. Also alles, wo Google eigentlich keine Hilfe bietet, da Google weder die Grundstücke betritt, noch Fotos vom Hausinneren macht. Ganz davon abgesehen halte ich die meisten Einbrecher für ebenso ungebildet wie diejenigen, die aufgrund von Google StreetView Angst vor Einbrüchen haben: potentielle Opfer und potentielle Täter haben m.E. die gleiche Ahnung von Google StreetView – nämlich keine.
Einbruchsstatistiken aus Orten, in denen Google StreetView bereits seit Jahren verfügbar ist, zeigen, dass es entweder keinerlei Änderung an der Anzahl der Einbrüche gibt, oder dass die Anzahl der Einbrüche sogar zurück gegangen ist.

Hartnäckig hält sich auch die Aussage, dass durch Google StreetView jeder wisse, wo die einzelne Person wohnt. Auch das ist natürlich Unsinn. Um zu wissen, wer in dem Haus wohnt, brauche in in der Regel erstmal die Adresse der Person. Denn Google veröffentlicht weder Bilder noch Namen von den Personen, die in dem abgelichteten Haus wohnen – abgesehen von den in dem Haus niedergelassenen Firmen, Ärzten, Anwälten, Gaststätten etc.

Wen das nicht beruhigt, dem bleibt immer noch die Möglichkeit, jederzeit(!) Einspruch gegen die Veröffentlichung der Fotografie seines Hauses einzulegen. Das Haus wird dann von Google freiwillig unkenntlich gemacht – es besteht jedoch kein rechtlicher Anspruch. Von anderer Seite betrachtet könnten aber gerade unkenntlich gemachte Häuser Einbrecher anlocken, da ja impliziert wird, dass es dort etwas zu verbergen gibt. Wobei ich auch diese Sichtweise für eher unwahrscheinlich halte. Lustig finde ich jedoch diejenigen, die sich aber von der Presse vor ihrem Haus fotografieren lassen, der Presse die Erlaubnis geben, dass das Foto in der Zeitung und parallel dazu auch noch in der Online-Ausgabe (also im Internet) mit den dazugehörigen Namen, ohne das Gesichter oder das Haus unkenntlich gemacht wurden, veröffentlicht wird – mit der Aussage, dass man nicht möchte, dass das Haus bei Google abgebildet wird. Da brennen einem doch die Synapsen durch…

Mein Fazit ist: hier wird ein größeres Fass aufgemacht, als nötig ist. Nicht nur von Leuten, die keine Ahnung haben, aber mal laut sein möchten, sondern auch von Leuten, die es eigentlich besser wissen müssten. Bei manchen steht auch nur das Google-Bashing im Vordergrund, weil sie der tiefen inneren Überzeugung sind, dass Google einfach nur böse ist und deshalb grundsätzlich alles schlecht ist, was von Google kommt. Nun ja, diese persönliche Überzeugung darf jeder haben, aber man muss sie nicht zwangsweise teilen 😉
Und wie schon in der Einleitung erwähnt, bin ich davon überzeugt, dass das Thema von der Politik bewusst in den Vordergrund gerückt wird, um eigene Unzulänglichkeiten zu verschleiern, um unpopuläre Gesetze ohne größeren Widerstand aus der Bevölkerung, weil die ja gerade mit was anderem beschäftigt ist, durchzudrücken.

Der Wulff im Staatspelz

Es war absehbar, aber dennoch spannend. Heute wurde Christian Wulff mit 625 Stimmen im dritten Wahlgang zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Auf ihn fällt ein schweres Los: er ist nicht nur nicht der Präsident aller Deutschen, wie er es sich gewünscht hat, sondern er ist auch nur eine willfährige Marionette der scheiternden Koalition aus Schwarz-Geld, jemand, dem man unanständige Gesetze vorlegen kann und er sie unterschreibt. Der dauergrinsende und so bügelglatte – so dass selbst Teflon neidisch wäre – Wulff, ein Unterstützer fundamentalistischer religiöser Fanatiker, wird nun das Castle Wulffenstein Schloss Bellevue beziehen.

Es ist schade um das Amt des Bundespräsidenten, denn das parteipolitische Geschachere hat diesem Amt einen großen Teil seiner Würde genommen. Dabei hat sich keine der Parteien besonders zurück gehalten. Die Koalition aus CDU und FDP brauchte wieder jemanden in dem Amt, den sie steuern kann – und Wulff ist auf einer Linie mit Schwarz-Geld. Rot-Grün hat mit Gauck (der auch mein Favorit war) einen konservativen, aber dennoch überparteilichen Kandidaten ins Rennen geschickt, der durchaus aus Ansehen bei CDU und FDP genossen hat. Das vermutete Ansinnen ist eine Kompromittierung der Regierungskoalition, ein Bewirken, dass Schwarz-Geld nicht geschlossen hinter Wulff steht, und ggf. sogar einen so großen Schaden durch eine mögliche Wahl von Gauck in der Regierungskoalition zu verursachen, dass Frau Merkel von ihrem Kanzleramt zurück tritt (was ich mir übrigens immer noch wünsche). Das sprichwörtliche Zünglein an der Waage, die Linken, haben wieder einmal gezeigt, wie sehr sie ihrer SED-Vergangenheit noch nachhängen und nicht fähig sind, einen Kandidaten zu unterstützen, der sich umfassend mit der Stasi befasst hat, zu unterstützen. Letztendlich hätte es auch nichts genutzt, da die 121 Enthaltungen zusammen mit den 494 Stimmen für Gauck auch nicht zu einer Mehrheit gegenüber den Stimmen für Wulff geführt hätten. Aber es wäre ein zu honorierender symbolischer Akt gewesen.

Allerdings ist es auch verkehrt, sich an der Linken zu sehr auszulassen. Wie schon geschrieben, hätte Gauck selbst mit allen Linken-Stimmen nicht die meisten Stimmen erhalten. Auch sollte man hier nicht in Versuchung geraten, die Linken zu verurteilen, weil sie ihr demokratisches Recht in Anspruch genommen haben, nicht für etwas zu stimmen, was ihnen nicht gefällt. Und ob nun Wulff oder Gauck, beide sind sicherlich gleichartig bitter für Linke.

Im Vorfeld der Wahlen wurde es schon klar, wie sehr unsere „Regierung“ versucht, ihren Kandidaten durchzudrücken. Wahlmänner (und -frauen) wurden nach ihrer Regierungstreue ausgewählt und in die Nationalversammlung bestimmt. Eigentlich ist diese ganze Wahl eine Farce, da die Regierung durch die Auswahl der Wahlmänner den Ausgang der Wahl für sich positiv beeinflussen kann und ein Ergebnis somit quasi schon vor der eigentlichen Wahl feststeht. Demokratie ist das nicht, sondern eher ein Betrug am Volk, welches ja nach Umfragen auch lieber Herrn Gauck zum Präsidenten gehabt hätte. Aber dieses machtpolitische Spielchen hat es schon immer gegeben und das Volk wurde nicht daran beteiligt, ihren höchsten Stellvertreter, auch wenn er in der alltäglichen Politik keine so sehr große Rolle spielt, selbst zu wählen.

Letztendlich haben die Deutschen aber einen Bundespräsidenten erhalten, den sie verdient haben, weil die Deutschen unfähig sind, Demokratie zu leben. Ich stelle die These auf, dass den Stammwählern aus CDU, SPD und FDP die Demokratie eigentlich so ziemlich am Arsch vorbei geht. Die wählen das, weil sie es schon immer wählen, weil es Familientradition ist, weil sie die Leute sympathisch finden oder weil sie sich jedes mal verarschen lassen. Dass die FDP inzwischen bei Umfragewerten bei ca. 3% liegt, zeigt zumindest, dass hier ein großer Teil der Wählerschaft inzwischen wohl wieder ihr Gehirn entdeckt hat.

Nun denn, die Ära Wulff ist angebrochen. Ein Glück für das politische Kabarett. Eine Schande für Deutschland. Wulff is not my president – wenn ich ihn nicht anerkenne, gelten dann auch die von ihm unterschriebenen Gesetze nicht für mich?