Verlinken verboten

Manche Unternehmen machen es sich unverständlich schwer, dass man sie im Internet findet. Zumindest wenn man sich strikt an die Vorgaben auf deren Internetseiten halten würde. Kein Wunder, das Internet ist ja auch Neuland und wurde gerade erst entdeckt. Nur so ein paar schräge Nerds wie ich kennen dieses Internet schon ein paar Tage länger. Und sowas zählt nicht. Und weil dieses Internet so toll und neu ist und man nicht weiß, wie man damit umgeht, ist es für manche Unternehmen ganz schwer zu verstehen, dass sie nicht alles kontrollieren können. Man kann seine Mitarbeiter mit Kameras überwachen, täglich nach Feierabend eine Durchsuchung von Taschen durchführen, das Surfverhalten seiner Mitarbeiter kontrollieren, E-Mails mitlesen oder die Mitarbeiter dazu zwingen, ihre Social Media Profile zu offenbaren. Das Internet aber können sie nicht kontrollieren, auch wenn sie es gerne wollten. Denn wie sonst erklärt sich die dermaßen blöde Forderung?

Ein Hyperlink auf die Website der … darf nur nach Erteilung einer vorherigen Einwilligung durch unser Unternehmen durch Dritte eingerichtet werden. Sollten Sie einen solchen Hyperlink auf unsere Website setzen wollen, so nehmen Sie bitte vorher schriftlich Kontakt mit uns auf. In jedem Fall ist es nur gestattet, auf die Startseite … zu verlinken.“

Nicht nur, dass es absoluter Quatsch ist und auch rechtlich nicht durchsetzbar, zeugt so eine Forderung doch vom absoluten Unverständnis und kompletter Ignoranz moderner Technik (dabei ist das Internet gar nicht mehr so modern). Und wenn dann große Unternehmen wie Opel oder IT-Unternehmen wie die SOFTSTAR GMBH sich so etwas auf die Internetseite stellen, verliert man auch das letzte Restvertrauen in solche Unternehmen – abgesehen davon, dass gerade bei IT-Unternehmen die Glaubwürdigkeit darunter leidet.

Jetzt mal die ganz provokative Frage: seid ihr dumm? Habt ihr diese Texte irgendwo kopiert, ohne euch mal Gedanken darüber zu machen, wie sinnvoll oder sinnentleert solche Textblöcke sind? Bei über 8.000 Suchergebnissen bei Google mache ich mir da schon Sorgen…

Doch auch andere Hinweise sind sehr bedenklich. Man kann es nach den ganzen Enthüllungen um die NSA zwar durchaus nachvollziehen, dennoch entbehren solche Forderungen jeglichem Realitätssinn:

ACHTUNG: Bitte senden Sie … keine Mails über amerikanische Mailserver (z.B. Hotmail, Outlook.Com, Googlemail, Yahoo). Angesichts der aktuellen Diskussionen über die Ausspionierung durch NSA u.ä. wurde veranlasst, dass eingehende Mails von diesen Servern sofort ungelesen gelöscht werden.

So gefunden auf der Internetseite des Instituts für Psychologie der Universität Kiel. Ok, Psychologen sind nicht unbedingt dafür bekannt, technikaffin zu sein und vielen sagt man nach, dass sie nur Psychologie studiert haben, um sich selbst analysieren oder therapieren zu können. Aber dies hier ist doch schon sehr übertrieben.

Noch mehr witzige Sachen sind: „Optimiert für Internet Explorer 6“, welches man auch heute noch auf unzähligen Internetseiten findet. Ebenso der Hinweis, dass die Seite am besten mit einer Auflösung von 800×600 oder 1024×768 zu betrachten ist. Angesichts der technischen Entwicklung der letzten Jahre muten diese sicherlich 10 Jahre alten Relikte nur noch albern und rückständig an.

Schweizer Religionskäse

Am vergangenen Sonntag haben die Schweizer über das umstrittene Minarettverbot abgestimmt und es mit 57%iger Stimmenmehrheit durchgesetzt. Jetzt kann man sagen: ja, die klare Mehrheit der Schweizer wünscht sich das Verbot des Baus von Minaretten. Betrachtet man aber mal die Zahlen, so waren nur knapp über die Hälfte der Schweizer überhaupt an der Abstimmung beteiligt. Daraus ergibt sich, dass sich lediglich etwas über 30% der Schweizer, also nicht mal ein Drittel, explizit für das Verbot aussprechen. Damit kann man ein passives Mitwirken bzw. eine passive Zustimmung derjenigen, die nicht zur Abstimmung gegangen sind, sich also enthalten haben, zwar immer noch als Zustimmung interpretieren, schließlich ist die Duldung oftmals schwerwiegender als eine aktive Teilnahme. Aber letztendlich lässt sich darüber keine konkrete Aussage fassen, außer der, dass nur knapp ein Drittel der Schweizer ein Minarettverbot klar befürwortet. Und es ist schade, dass bei solchen heiklen Fragen immer diejenigen die Abstimmungen gewinnen, die am besten ihre Leute mobilisieren können – nämlich die Extremisten. Das ist nicht nur in der Schweiz so…

Ich muss gestehen: ich wäre auch für ein Minarettverbot gewesen. Aber nur, wenn es auch gleichzeitig ein Kirchenglockenverbot gegeben hätte. Wer, wie ich, neben einer katholischen Kirche wohnt und noch ein bis zwei weitere Kirchtürme in näherer Umgebung hat, der hätte dafür auch volles Verständnis. Religionsfreiheit in allen Ehren: aber sollte die viel gepriesene Religionsfreiheit nicht auch bedeuten, dass ich frei von Religion sein darf? Wenn ich anfangen würde, Sonntags morgens 10 Minuten lang auf dem Balkon aus der Satanischen Bibel über ein Megaphon zu rezitieren, wäre mir der Unmut meiner Mitmenschen sicherlich gewiss… Aber Kirchenglocken dürfen mehrmals täglich teilweise 20 Minuten lang läuten, so dass ich zu diesen Zeiten weder telefonieren, noch lesen, noch schreiben, noch Filme schauen kann – vom sonntagmorgendlichen Schönheitsschlaf ganz zu schweigen.

Picknick verboten

In manchen Städten werden LAN-Parties verboten, weil dort Amokläufer ausgebildet würden, in Gießen werden Gothic-Veranstaltungen verboten, weil die Musik „menschenverachtend“ sei, und in Braunschweig werden Flashmobs verboten, weil Picknick die öffentliche Ordnung gefährde.

Wie sagte doch einst der Freidenker Goethe? „Erlaubt ist, was gefällt.“

Natürlich lässt sich dieses Zitat nicht immer anbringen, denn wenn es mir gefällt, meinen Chef blau anzumalen, ist das nicht unbedingt auch erlaubt. Aber im Umkehrschluss sehen es manche niederrangige Regionalpolitiker oder einfache Stadtangestellte wohl so, dass nicht erlaubt ist, was ihnen nicht gefällt. Ich kann hier auch nur die Vermutung äußern, dass die Motivation, die da hinter steckt, eine ganz schlichte Machtdemonstration ist, um zu zeigen, wer der Boss ist.

Kommen wir zum Thema „Picknick“. Ein Picknick ist ein geselliges Ereignis, bei dem eine kleine Gruppe von Menschen sich für gewöhnlich auf einem Stofftuch zusammen setzt, um zu essen und zu trinken. Laut Wikipedia ist Picknick schon seit der Antike bekannt, also ein kulturelles Ereignis, welches seit Jahrtausenden praktiziert wird. Und genau dieses Ereignis wurde nun in Braunschweig verboten. Um ehrlich zu sein, ist nicht das Picknick an sich verboten, sondern nur das Picknick, welches im Rahmen eines Flashmobs veranstaltet wird, wenn sich also mehrere Picknicker zur selben Zeit am selben Ort einfinden, um ein größeres Picknick dort zu veranstalten. Die Gefahr, die von so einem Massen-Picknick ausgehe, wird vom Braunschweiger Ordnungsamt so beschrieben: die Sandsteinpflaster vor dem Schloss seien teuer. Auf die Frage des „Veranstalters“, warum „samtene Decken“ der Picknicker die ach so teuren Sandsteinpflaster mehr gefährden als Tausende Frauen, die täglich mit ihren High-Heels über den Platz stolzieren, gab das Ordnungsamt Braunschweig keine Antwort mehr.

Auch der Gedanke an eine Anmeldung einer Demonstration wurde im Keim erstickt, indem das Ordnungsamt Braunschweig dem „Veranstalter“ mitteilte, dass ein Picknick auf einer Demonstration „eine nicht genehmigungsfähige Sondernutzung“ darstelle, was ich übrigens für ausgemachten Quark halte. Eher hat sich hier das Ordnungsamt zu einer vorsätzlich falschen Auskunft hinreißen lassen, nur um Angst zu machen. Ich habe noch nie etwas davon gehört, dass ein Picknick auf einer Demonstration nicht erlaubt sei – ganz im Gegenteil! So kann sich eine Demonstration auch allein auf ein Picknick beschränken.