Scheinheiligtum

Dass katholische Priester sich gerne an kleinen Jungs vergreifen, ist eine schon lang bekannte Tatsache und hat es auch in das Repertoire geschmackloser Witze geschafft. So lange ich lesen kann und ich mich für Nachrichten interessiere, kam immer mal wieder ein Fall in die Presse, wo ein katholischer Priester seine Schützlinge misshandelt oder sexuell missbraucht hat. Seit nun knapp einem Jahr aber hat die Anzahl der bekannt gewordenen Übergriffe auf Kinder durch Priester, Mönche, Nonnen und weitere Angestellte der katholischen Kirche drastisch zugenommen. Ok, die Fälle liegen meist sehr lange zurück und haben es erst jetzt ans Licht der Öffentlichkeit geschafft, dennoch handelt es sich um einen Skandal sondergleichen, der stark an den Festen der katholischen Kirche rüttelt. Natürlich ist nicht jeder Priester ein pädophiler Gewalttäter – zum Glück ist es immer noch nur ein geringer Teil (angeblich nicht mal 0,1%). Daher ist es falsch, pauschal alle Priester zu beschuldigen, sich an Kindern zu vergreifen. Aber es ist lange kein Grund, die Taten herunter zu spielen oder zu vertuschen, wie es die katholische Kirche seit Jahren – ach was, vielleicht sogar seit Jahrhunderten tut.

Nicht nur, dass die Priester, die bei solchen Verbrechen erwischt worden sind, vorbei an der Staatsanwaltschaft in andere Gemeinden versetzt wurden – nein, die Kirche hat es noch nicht einmal für nötig befunden, sich um das Problem der Priester zu kümmern (damit meine ich nicht irgendwelche Strafen, sondern Therapien!) – ob irgendwelche Hilfe den Opfern, so sie denn bekannt waren, angeboten wurde, ist auch stark zu bezweifeln, schließlich würde das ein Schuldeingeständnis sein, welches im krassen Widerspruch mit der unfehlbaren Kirche wäre. Stattdessen werden diese Verbrechen verharmlost oder gar die Opfer zu schuldigen gemacht. Als vor kurzem die Missbrauchsfälle in Deutschland bekannt wurden, hieß es u.a., dass das ja schon so lange zurück liege und dass damals die Erziehung mit Prügel gesellschaftlicher Usus gewesen sei. Selbst wenn das der Fall gewesen wäre, dass es normal war, Kinder dermaßen durch ihre Erzieher zu verprügeln, stünde das doch schon im Gegensatz zur von den Christen proklamierten Nächstenliebe. Jesus würde sich im Grab herum drehen, wenn er nicht auferstanden wäre. Und selbst wenn es in den 1950ern und früher Usus gewesen sei, so war es in den 1990ern definitiv nicht mehr so – dennoch wurde bei den Regensburger Domspatzen laut Presseberichten geprügelt. Der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs hingegen kann auch mit gesellschaftlicher Gewohnheit nicht begründet werden. Hier hat sich die katholische Kirche schon das nächste schwarze Schaf gesucht, um nicht die Schuld bei sich selbst zu suchen: die sexuelle Revolution.

Dass die katholische Kirche sehr schnell und entschlossen andere Schuldige für eigenes Versagen findet, zeigt sich schon seit dem finsteren Mittelalter. Für die Pest waren die Juden verantwortlich – und nicht die Kirche, die die Sauberkeit als Sünde der Eitelkeit bezeichnete. Die Juden mussten für noch vieles weitere als Sündenbock herhalten. Und kam gerade kein Jude in Frage, waren Frauen an irgendeiner Misere schuld. In vergleichsweise wenigen Fällen auch Männer. Hexen und Hexer wurden Frauen und Männer genannt, die gegen kirchliche Konventionen verstießen, gebildeter waren als es ihnen zustand oder offen ihre Meinung sagten oder allein Gedanken aussprachen, die die kirchliche Lehre aus einer anderen Sicht darstellte. Aber ich schweife zu weit vom Thema ab.

Nachdem man die sexuelle Revolution offiziell als Schuldigen für die sexuellen Übergriffe auf Kinder durch katholische Kirchenmänner (aber auch -frauen) vorgestellt hat, war die Welt für die katholische Kirche die Welt wieder in Ordnung. Man hatte ja einen externen Schuldigen gefunden – und das schon häufig kritisierte Zölibat. Das Zölibat – vielmehr das Enthaltsamkeitszölibat – wurde im Jahr 306 auf der Synode von Elvira festgeschrieben – vermutlich gab es das schon längere Zeit vorher. Eine biblische Verpflichtung, dass Kirchenmänner enthaltsam leben müssen, gibt es aber nicht – es kann lediglich von einer freiwilligen Enthaltsamkeit die Rede sein. Das Ehezölibat ist sogar erst seit der Synode von Pavia im Jahre 1022 ein kirchliches Gesetz.

Es ist natürlich auch problematisch, das Zölibat als Wurzel des Übels hinzustellen. Es trägt sicherlich einen Teil dazu bei, aber auch eine Abschaffung des Zölibats würde nicht absolut gegen sexuelle Übergriffe von Priestern auf Kinder schützen. Allerdings wäre die Gefahr vermutlich deutlich gebannter, da Priester ihre natürlichen sexuellen Instinkte verfolgen und ausleben dürften, anstatt, wenn der Druck zu groß geworden ist, über wehrlose Kinder her zu fallen.

Inzwischen sieht sich die katholische Kirche allerdings selbst als Opfer. Es wird von einer Kampagne gegen den Papst geredet und man bezeichnet die Kritik am Papst, der es bis jetzt nicht einmal für nötig hielt, irgendeine klare Aussage zu den Vorfällen zu machen, als „Barbarei„. Hallo? Das Oberhaupt der katholischen Kirche ist m.E. dazu verpflichtet, sich klar zu äußern, wenn in seinem Laden so richtige Scheiße passiert. Das würde ich übrigens nicht nur vom Papst erwarten, sondern von jedem Chef, dessen Mitarbeiter richtigen Mist gebaut haben. Wer das nicht tut, ist ein Arschloch. Und wer das unnötig heraus zögert, bewegt sich in die gleiche Richtung.

Und dass die katholische Kirche teilweise nicht zimperlich mit ihren Kritikern umgeht, beweisen nicht nur mittelalterliche Ketzerprozesse, sondern auch ein aktueller Fall, in dem u.a. ein Marburger Blogger, der sich zu den Missbrauchsfällen in Regensburg geäußert hatte, von einem katholischen Würdenträger abgemahnt wurde und somit zum Schweigen gebracht werden sollte. Offenbar hat auch die katholische Kirche die Macht von Blogs erkannt und bangt nun auch im Internet um ihr Ansehen. Und weil im Internet so viele Ungläubige (Agnostiker, Atheisten, Heiden, Satanisten, etc.) ihr Unwesen treiben, hat der Papst sogar vor kurzem einen Missionierungsauftrag für das Internet gegeben – aber das ist ein anderes Thema.

Ich schließe jetzt meinen Beitrag ab und wünsche mir, dass die katholische Kirche mal in sich geht, Fehler erkennt, eingesteht und sie endlich mal mit richtigen Methoden behandelt, bekämpft und zukünftig verhindert.

PS: Auch die evangelische Kirche ist nicht vor Missbrauchsfällen gefeit – und dort gibt es kein Zölibat.

Kinderpornographie im Internet

Wir alle sind uns einig, dass Kinderpornographie eines der entsetzlichsten und widerlichsten Dinge ist. Zu Recht werden solche Verbrechen bestraft.

Seit einiger Zeit beschäftigt aber der Vorstoß von Ursula von der Leyen („Zensursula“ oder „von der Laien“) die verschiedenen Gemüter innerhalb der Netzkultur. Die Familienministerin fordert nämlich eine Internetsperre für derartige Angebote. Dagegen wäre prinzipiell auch nichts einzuwenden, schließlich wird kaum jemand sich für die Verbreitung von Kinderpornographie aussprechen, sei es als Teil der freien Meinungsäußerung oder anderer Beweggründe. Allerdings birgt dieses Vorgehen auch Gefahren, ganz davon abgesehen, dass der versierte Nutzer solcher Angebote die technischen Hürden mit wenig Aufwand umgehen könnte und der Hauptvertriebsweg von dem Dreck sowieso offline stattfindet.

Als konkrete Gefahren bezeichne ich, dass hier unter einem Vorwand, wenn auch ein plausibler und lobenswerter, versucht werden, die Gesellschaft gegenüber Zensur zu desensibilisieren, um dann später leichter, ohne größere Aufregung, andere Inhalte zensieren zu können. Das Szenario stelle ich mir so vor, dass nach der Kinderpornographie auch Stimmen laut werden (das BKA hat es sogar schon ins Gespräch gebracht), weitere grundsätzlich strafbare Inhalte wie Nazi-Propaganda oder Gewaltverherrlichung zu sperren. Und da fängt es an, dass man sich nicht mehr sicher sein kann, welche Inhalte noch zensiert werden.  Vorstellbar wären „Crack“-Seiten, die Promo-Seiten von so genannten „Killerspielen“, IT-Sicherheitsportale, Pornographie, Glücksspiele und zu guter Letzte Seiten mit Kritik zu verschiedenen Religionsgemeinschaften oder systemkritischen Inhalten.
Ganz nebenbei bemerkt, dürfen auch solche Seite hochoffiziell gesperrt werden, die selber keine solchen Inhalte bereit stellen, sondern lediglich darauf verlinken (oder hinweisen, wie man auf solche Inhalte gelangen kann).

Eine weitere Gefahr ist, dass Internetnutzer, die versehentlich (weil sie bspw. einem Link folgen, ohne zu wissen, was sich dahinter verbirgt) auf solche gesperrte Inhalte geraten, ins Visir der Fahnder gelangen, da inzwischen auch geplant ist, die IPs derer zu sichern, die auf die geplanten Sperrseiten treffen. Somit würde auch ein eigentlich unbescholtener Nutzer plötzlich kriminalisiert werden, der unter normalen Umständen direkt von einer solchen Seite abstand genommen hätte.

Zensursula sieht außerdem den Hang zur Pädophilie offenbar als ansteckende Krankheit, die man sich durch einfache Einsichtnahme in kinderpornographische Angebote einfangen kann. Schließlich argumentiert sie damit, dass Nutzer, die zufällig auf solche Internetseiten gelangen, plötzlich Gefallen daran finden könnten („Einstiegsdroge„). Ich persönlich denke ja eher, dass jeder seine sexuellen Neigungen kennt und solche Seiten keinen Einfluss darauf haben werden. Schließlich wird auch niemand plötzlich schwul, weil er sich zufällig mit Schwulenpornos konfrontiert sieht.

Dem streitbaren Portal Wikileaks war übrigens vor einiger Zeit aufgefallen, als eine australische Sperrliste analysiert wurde, dass sich eben nicht nur Internetadressen zu Kinderpornographie darauf befinden, sondern auch einige Internetseiten, die damit überhaupt nichts zu tun haben.

Letztendlich entpuppt sich das Vorhaben, Internetseiten zu sperren, als Gefahr für die Informations- und Meinungsfreiheit. Die Kinderliebe der Politik steht dabei wohl auch eher im Hintergrund, da mit solchen Maßnahmen der Kindesmissbrauch weder verhindert, noch erschwert wird. Stattdessen wird mit diesem Mittel ein populistischer Wahlkampf, ohne Rücksicht auf die Opfer, im „Superwahljahr“ 2009 betrieben, der bei dem Großteil der nicht selbständig denkenden Bevölkerung Anklang findet. Aber leider auch bei bereits fünf deutschen Providern: Telekom, Arcor/Vodafone, Hansenet/Alice, Telefonica/O2 und Kabel Deutschland.

Mehr dazu auch bei Heise Telepolis: Netzsperren
Carechild.de: Die großen Lügen der Ursula von der Leyen

Amoklauf in Winnenden

Bemerkenswert fand ich, dass laut SWR unverzüglich der PC des Täters sichergestellt wurde, um zu prüfen, ob der Junge Gewaltspiele gespielt hat.

Wenn es so wäre, hätte man ja gleich den Grund für sein Austicken und müsste sich nicht weitere Gedanken über die Gründe machen. Außerdem ist das ja auch ein Thema, mit dem sich Politiker, „Experten“ und Medien wieder herrlich profilieren können.

Ich will nur hoffen, dass sie auf dem PC nichts bemerkenswertes in dieser Richtung finden, damit man sich endlich mal über andere mögliche (und wahrscheinlichere) Gründe Gedanken macht!