Petition gegen das Verbot von Action-Spielen

Es steht eine neue Petition bereit, mit der man gegen das am 5. Juni 2009 von der Innenministerkonferenz beschlossene unsinnige Vorhaben, Action-Computerspiele zu verbieten, votieren kann. Wir wissen zwar alle, dass Petitionen gerne vom Bundestag einfach ignoriert werden, das ist aber kein Grund, sich nicht daran zu beteiligen.

Gegen ein Verbot von Action-Computerspielen

Spielekiller

Die Spiele mögen beginnen

Gestern Abend wurde das Zugangserschwerungsgesetz vom Deutschen Bundestag beschlossen und somit eine grundsätzliche gesetzliche Zensurinfrastruktur für das Internet eingerichtet. Die maßgeblich Verantwortliche, unsere liebste Freundin Zensursula, war selbst bei der Abstimmung nicht dabei. Beinahe geschlossen hat die große Koalition für die Netzsperren abgestimmt: ein CDU-Abgeordneter, Wolfgang Borchert aus Recklinghausen, stimmte gegen das Gesetz. Ebenso drei SPD-Abgeordnete, Stefan Reiche aus Cottbus, Jörg Tauss aus Karlsruhe, der sogar überlegt, zur Piratenpartei zu wechseln, sowie Dr. Wolfgang Wodarg aus Flensburg. Enttäuschend war, dass die Opposition bei den Grünen mit vielen Enthaltungen reagiert hat, was nicht für die vormals so eindeutige Stellungnahme der Grünen gegen die Internetsperren spricht. Somit haben sich auch die Grünen in die Unglaubwürdigkeit geschossen.

Zum Thema Tauss: Der Vorwurf des Konsums von Kinderpornographie lastet schwer an ihm. Das hat er auf der einen Seite der Staatsanwaltschaft zu verdanken, die sich äußerst ungeschickt verhalten hat (oder war es vielleicht beabsichtigt?), auf der anderen Seite natürlich den Medien, ganz zu vorderst der BILD-Zeitung, die ja gerne trotz der Unschuldsvermutung, die im deutschen Rechtssystem bis zum Beweis der Schuld gilt, jemanden als Verurteilt abstempelt und somit das Leben des einzelnen zerstört. Ich persönlich halte die Aussagen von Jörg Tauss glaubwürdig, bin aber auch der Meinung, dass er sich, was seine Recherchearbeiten betrifft, sehr dumm angestellt hat. Hätte er es wenigstens mit seinen Parteikollegen kommuniziert, was für Aufgaben er wahrnimmt, wäre der Vorwurf gar nicht erst so weit hochgekocht und inzwischen schon wieder fallen gelassen worden. Ob er tatsächlich zur Piratenpartei wechselt oder wie er die Piraten zukünftig unterstützen wird, wird er morgen auf den Kundgebungen in Berlin erklären. Er selbst will noch mit seiner Frau darüber reden und noch einmal drüber schlafen. Das geht zumindest aus seinen Aussagen bei Twitter hervor.

Am morgigen Samstag finden jedoch nicht nur in Berlin Kundgebungen statt, sondern in vielen großen und größeren Städten in Deutschland werden Demonstrationen stattfinden, die u.a. durch die Piratenpartei organisiert werden. Die Gießener Piraten erweitern ihren schon vorher geplanten Infostand in Marburg (in der Oberstadt vor dem Schlecker), den sie mit ihren Kasseler Kollegen unterhalten, um eine in diesem Zusammenhang stehende Mahnwache.

Weiterhin hat heute der Kölner Stadtanzeiger eine Aussage von CDU-Generalsekretär Thomas Strobl veröffentlicht, in der dieser zugibt, dass bereits ernsthaft darüber nachgedacht werde, auch Killerspiele zu sperren. Spekulationen, wie diese Spiele gesperrt werden sollen, wären:

  • Internetseiten der Spielehersteller
  • Internetseiten von Zeitschriften, die sich mit diesen Spielen auseinandersetzen
  • Internetseiten/Communities, die sich mit diesen Spielen befassen
  • Webshops, die diese Spiele anbieten
  • Seiten, die auf oben genannte Seiten verlinken

Diese Liste lässt sich sicherlich noch erweitern.

Amokläufer in Frankreich

Dass Amokläufe weniger im Zusammenhang mit „Killerspielen“ stehen, als beispielsweise das Frühstücken von Brot, muss ich an dieser Stelle sicherlich nicht erwähnen. Wie Spiegel-Online berichtet, hat in der vergangenen Nacht im Elsaß ein 59jähriger auf Jugendliche geschossen, weil ihm diese zu laut waren. Dabei kam ein Jugendlicher ums Leben. Weitere Personen (unbeteiligte, die mit dem Auto nur vorbei fuhren) wurden teilweise verletzt.

Mir stellt sich nun die Frage, wie ein solcher Gewaltausbruch nun „gerechtfertigt“ wird. Dass der Mann ein regelmäßiger Spieler von „Killerspielen“ ist, ist aufgrund seines Alters eher unwahrscheinlich (die Wahrscheinlichkeit, dass er Mitglied in einem Schützenverein ist – oder zumindes die längste Zeit war -, ist dann doch etwas höher).

Bundesrat und Kinderpornosperren

Man weiß es nicht, aber der Verdacht liegt nahe, dass das Wahlergebnis der Piratenpartei, auch wenn es mit 0,9% für etliche Menschen noch unbedeutend erscheint, einige Regierende zum Nachdenken gebracht hat. So war heute bei Heise zu lesen, dass der Bundesrat inzwischen schon erhebliche Bedenken angemeldet habe, wo u.a. die alleinige Verantwortlichkeit beim BKA bemängelt wird. Dennoch ist dieses Thema noch lange nicht vom Tisch, auch wenn inzwischen schon Einigung darüber besteht, dass bspw. beim Aufruf der Stopp-Seite keine Daten an das BKA weiter übermittelt werden. Schließlich ist es immer noch fraglich, ob diese Sperre nicht doch noch für andere Zwecke als zur Sperrung von Kinderpornographie genutzt wird – und natürlich, ob es da eine Verhältnismäßigkeit gibt bzw. ob so eine Sperre wirklich aus konkretem und akuten Anlass notwendig ist. Die FDP hatte vor kurzem eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, die genau dies in Frage stellt, wie Udo Vetter im Lawblog ausführlich berichtet. Dort wird letztendlich festgestellt, dass sich die Aussagen von Zensursula und anderen politischen Leuchten auf aus der Luft gegriffenen (zumindest nicht belegten) Behauptungen stützen, wenn sie nicht ohnehin aus eigenem Ermessen von den entsprechenden Politikern entwickelt wurden.

Die CDU befindet sich trotzdem auf einem unausweichlichen Crashkurs, wenn es um die Sperren geht. Während in der SPD ein wachsender Widerstand gegen diese Internetsperren zu verzeichnen ist (was sie trotzdem nicht aus ihrem Absturz retten wird), hat sich nun weitere CDU-Größe, der 49jährige Thomas Strobl (MdB), dafür ausgesprochen, im Hinblick der Ergebnisse der Ministerkonferenz zum Thema „Killerspiele„, entsprechende Internetsperren für solche Gewaltspiele durchzusetzen und der Diskussion weiteren Zündstoff beigeführt. Das führt nicht nur zu einem Vertrauensschwund der Bevölkerung gegenüber der Bundesregierung, sondern auch besonders gegenüber der CDU. Mich würde es nicht wundern, wenn die CDU bei der anstehenden Bundestagswahl, ebenso wie die SPD, deutliche Verluste einfährt.

Ich persönlich hoffe auch, dass eine Regierung allein aus CDU und FDP oder SPD und Grüne nicht möglich sein wird und auch eine große Koalition aus CDU und SPD nicht erreichbar ist. Das würde allerdings bedeuten, dass CDU und SPD zusammen keine Mehrheit erreichen würden (also zusammen 50% der Stimmen erhielten). Für möglich halte ich es, jedoch für sehr unwahrscheinlich.

Killerspiele-Verbot

Heute hat die VollpfostenMinisterkonferenz in Bremerhaven den Beschluss gefasst, die Herstellung und Verbreitung so genannter „Killerspiele“ zu verbieten, um somit weiteren Amokläufen an Schulen vorzubeugen. Das ganze klingt erstmal sehr edel, ist aber beim genaueren Hinsehen absolut idiotisch. Ganz davon abgesehen, dass es genügend Quellen geben wird, wo man solche Spiele statt im offiziellen Handel erwerben kann, spricht doch die Vernunft eines normalen Menschen, der mit einem IQ höher als 80 gesegnet ist, dass man mit so einem Verbot gar nichts erreicht, außer ein bisschen für populistische Schlagzeilen zu sorgen.

Jeder, der bei der Bundeswehr ist, ein Polizist ist oder sich in einem Schützenverein betätigt (ich werde diese Aufzählung der Einfachheit weglassen und allgemein von „Schützen“ schreiben), weiß, wie schwer es ist, mit einer Waffe umzugehen, wenn man nicht darin geübt ist. Für einen Laien ist es sehr schwer, bspw. mit einer Pistole um sich zu schießen und jemanden gezielt zu treffen (wenn überhaupt jemand getroffen wird). Hingegen haben Schützen eine entsprechende Ausbildung, mit solchen Waffen umzugehen.

Betrachten wir einmal den Killerspielespieler: davon gibt es tausende in unserem „schönen“ Deutschland. Wenn man einen Persönlichkeitstest aller Killerspielespieler durchführen würde, würde man sogar feststellen, dass der größte Teil ganz normal ist, ohne bemerkenswertes bzw. überdurchschnittliches Aggressionspotential. Weiterhin ist das einzige Werkzeug eines Killerspielespielers der Klick auf die linke Maustaste. Da gibt es keinen Rückstoß und das Zielen ist einfacher.

Klar, es gibt das Argument, dass Killerspiele durchaus das Potential haben, den Einzelnen gegenüber Verletzungen und Mord/Totschlag abzustumpfen – oder Aggressiv zu machen. Aber dieses Argument geistert schon seit Ewigkeiten durch die Welt der düsteren Legenden und wird immer dann gebraucht, wenn irgendwelche Leute, die viel von sich halten, aber nix in der Birne haben, mit irgendwelchen Dingen nicht umgehen können. Dieses Argument wurde auf Musik angewendet, auf Filme, vielleicht sogar vor vielen Jahrhunderten schon auf Schach. Heute sind es eben die virtuellen Welten, in denen Schlachten gegen das Böse geschlagen werden.

Dabei ziehen diese Hohlbirnen aber nicht die Möglichkeit in Betracht, dass es gar nicht auf die Freizeitgestaltung ankommt, wie sich eine Persönlichkeit eines Menschen entwickelt. Sondern es ist ein gesellschaftliches Problem, welches durch Verbote oder große Reden nicht besänftigt wird, sondern es im schlimmsten Fall sogar noch vergrößert.

Kommen wir aber zurück zum Thema: was unterscheidet nun einen Schützen von einem Killerspielespieler? Außer, dass der Killerspielespieler eine viel coolere Bezeichnung hat, ist der Schütze im Umgang mit echten Waffen geübt. Und ich denke, diese Tatsache ist ein sehr wichtiger Punkt. Die weitere Stufe ist nun die Aggregation von Killerspielespielern und Schützen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es davon auch eine Menge gibt. Aber wenn man sich mal die Täter von Amokläufen mit Schusswaffen anschaut, waren sie alle im Schützenverein, waren Waffennarren oder haben eine anderweitige Ausbildung an Schusswaffen genossen. Die wenigsten haben Killerspiele gespielt. In den meisten Fällen, in denen Amokläufer auch diese Spiele gespielt haben, konnte nicht mal wirklich ein schlüssiger Bezug zwischen Spielen und Tat hergestellt werden – außer natürlich, dass sich solche Spiele im Besitz des Täters befanden.

Doch weil man die Lobby der Waffenindustrie und der Schützen nicht verärgern möchte, nimmt man lieber die weitaus harmloseren Industriezweige aufs Korn und schiebt diesen dann den schwarzen Peter zu. So einfach ist das: denn was noch nicht traditionsgebunden ist, lässt sich auch schneller und einfacher wieder verdrängen.

Wer jetzt also behaupten möchte, dass ein Killerspielespieler eine höhere Gefahr darstellt, als jemand, der im Umgang mit Waffen geübt ist und ohne größere Umstände an Schusswaffen heran kommt, den bitte ich, von der Lektüre meines Blogs abzusehen und sich lieber wieder der BILD-Zeitung zu widmen, sofern die nicht schon zu anspruchsvoll für ihn ist. Allen anderen sage ich, dass ein Amokläufer keine „Übung“ durch Computerspiele benötigt, um seine Tat zu begehen.