Geeks und Nerds und Abmahnungen

Man sollte meinen, dass die Begriffe „Geek“ und „Nerd“ so allgemein gebräuchlich sind, dass man sie so verwenden kann, wie man möchte. Immerhin ist der Begriff „Nerd“ spätestens seit 1950 bekannt, der „Geek“ sogar noch länger (wenn auch mit etwas anderer Bedeutung). Man sollte also auch meinen, dass man niemandem weh tut, wenn man einen Shop betreibt, bei dem sich der Nerd sein Geek-Spielzeug bestellen kann. Ebenso sollte man auch meinen können, dass niemand einem deswegen auf die Füße treten kann.

Dass es in der Realität doch immer etwas anders kommt, das erfährt gerade mein bevorzugter Shop für Nerd/Geek-Zeug. getDigital ist vor einigen Tagen von einer dubiosen Firma „Trade Buzzer UG“ aus Berlin in meiner unmittelbaren Nachbarschaft (die sitzen in der Nähe des Mierendorffplatzes in einem Mehrfamilienhaus, das ist gerade mal eine U-Bahn-Station entfernt) abgemahnt worden, die sich vor gar nicht all zu langer Zeit „Geek Nerd“ als Marke schützen ließ. Und wie es der Zufall so will, ist diese „Trade Buzzer UG“ oder zumindest der Geschäftsführer auch schon mit anderen vergleichbaren Abmahnumtrieben aufgefallen. Da überrascht es nicht, dass auch der abmahnende Anwalt kein unbeschriebenes Blatt ist.

Natürlich wehrt sich getDigital gegen diesen Stuss. Und ich muss wohl auch kaum beide Daumen drücken, damit die Anwälte und Gerichte, die sich mit dieser überflüssigen Trollerei auseinander setzen müssen, erkennen, sich gegen „Trade Buzzers UG“ zu entscheiden.

Wer den Blogeintrag dazu bei getDigital lesen möchte, der klickt bitte hier.

Straßenkrieg

Seit einiger Zeit etabliert sich der Begriff des „Kampfradlers“. Der „Kampfradler“ halte sich nicht an Regeln und nehme keine Rücksicht, so die Aussagen. In Berlin und Freiburg ist sogar eine Kampagne angelaufen, die zu mehr Rücksicht „insbesondere von und gegenüber Radfahrerinnen und Radfahrern“ aufruft. Wer einmal ein Medium dieser Kampagne zu Gesicht bekommen hat, sieht aber auch, dass man diese Kampagne viel eher nur als Aufruf deuten kann, dass nur die Radfahrer mehr Rücksicht nehmen sollen. Hier als Beispiel die Webseite der Kampagne: http://www.rücksicht-im-strassenverkehr.de

Bei der Verwendung des Begriffs „Kampfradler“ wird jedoch vollkommen außer Acht gelassen, dass es daneben auch gleichermaßen „Kampfkraftfahrer“ und „Kampffußgänger“ gibt. Andere Verkehrsmittel erwähne ich hier mal aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht. Insbesondere Autofahrer beschweren sich gerne über die Fahrradfahrer. Teilweise sicherlich zu Recht, allerdings werden von ihnen in aller Regel alle Fahrradfahrer über einen Kamm geschert. Umgekehrt sieht es allerdings auch nicht besser aus. Fahrradfahrer beklagen sich gerne über die rücksichtslosen Autofahrer. Und letztendlich sind da noch die Fußgänger, die sich über Auto- und Fahrradfahrer beklagen, während die beklagten ihrerseits gegen die Fußgänger wettern. Und dieser Kreislauf bewegt sich in eine Sackgasse.

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Ich selbst bin ja Fußgänger, einige Zeit auch viel mit dem Rad unterwegs gewesen und auch als Autofahrer habe ich am Verkehr teilgenommen. Meistens nicht auf Krawall gebürstet. Aber hin und wieder habe auch ich mich über die anderen Verkehrsteilnehmer aufgeregt. Und wenn man erstmal bewusst auf alle anderen Verkehrsteilnehmer achtet, sieht man, dass es überall Rücksichtslosigkeit gibt.

Was mir so aufgefallen ist, stelle ich in drei Abschnitten dar:

Die Autofahrer

Autofahrer stehen an der Spitze der Nahrungskette im Straßenverkehr. Vielen ist aber dabei nicht bewusst, dass damit auch viele Pflichten einher gehen. Ein großes Problem bei Autofahrern ist die Geschwindigkeit. Damit meine ich nicht nur, dass es etliche Autofahrer gibt, die es geil finden, mit überhöhter Geschwindigkeit zu fahren (und sich dann noch aufregen, wenn sie dabei erwischt werden – selbst wenn sie, wie ein Bekannter von mir, den ich nicht leiden kann, dazu noch ein verbotenes Radarwarngerät einsetzen), sondern mehr um den Drang, so schnell wie möglich voran zu kommen. Dabei werden neben Geschwindigkeitsbegrenzungen auch viele andere Regeln ignoriert. Auf der Autobahn wird dicht aufgefahren und rechts überholt. Bei Ampeln wird bei gelb nochmal richtig Gas gegeben, nur damit man nicht warten muss. Dass dabei dann hin und wieder auch mal eine rote Ampel überfahren wird und somit Fahrradfahrer und Fußgänger in Lebensgefahr gebracht werden, habe ich auch schon einige Male erlebt. Manchmal sind Zebrastreifen für „Kampfkraftfahrer“ auch nur ein Vorschlag und Fußgänger, die einen solchen benutzen möchten, werden ignoriert und notfalls weggehupt. Auch der Schulterblick nach rechts, ob da vielleicht Fußgänger oder Fahrradfahrer kommen, wird nicht selten ausgelassen – hin und wieder mit tödlichem Ausgang. Und selbst in den Fällen, wo es glimpflich ausgeht, muss man dann als Fahrradfahrer häufig Schimpf- und Hasstiraden über sich ergehen lassen, obwohl man sich richtig verhalten hat. Und auch ob der Fußgänger „Vorfahrt“ hat oder nicht, ist oft genug egal. Stattdessen wird der Fußgänger einfach von der Straße gehupt und manchmal dazu noch beleidigt oder bedroht.

Doch auch andere Probleme mit Autofahrern sind üblich: auf der Autobahn gilt die mittlere Spur quasi als rechte Spur. Man darf dort also – trotz Rechtsfahrgebot – fahren, auch wenn auf der rechten Spur viel Platz ist. Das verstehen viele jedoch nicht und manch einer glaubt, den vermeintlichen Rechtsfahrignoranten belehren zu müssen, indem er ihn nach dem Überholvorgang schneidet und ganz auf die rechte Spur rüber zieht und dabei billigend in Kauf nimmt, dass sein gefährlicher Belehrungsversuch einen Unfall verursachen kann.
In der Stadt hat man als Autofahrer unterdessen immer ein Problem, Parkplätze zu finden. Und weil das manchmal länger dauert, als man dafür aufwenden möchte, werden kurzerhand Fußgänger- und Fahrradwege zugeparkt. Übrigens nicht nur von normalen Autofahrern, sondern auch vom Ordnungsamt oder der Polizei. Und besonders ärgerlich (und gefährlich) für Radfahrer: Viele Autofahrer vergewissern sich nicht bevor sie aussteigen, ob von hinten vielleicht ein Fahrradfahrer kommt. Stattdessen wird einfach die Tür aufgerissen und ein Fahrradfahrer befindet sich dann in einer lebensgefährlichen Falle.

Die Fahrradfahrer

Fahrradfahrer haben das schwere Los, schwächer als Autofahrer, aber stärker als Fußgänger zu sein. Dem Autofahrer können sie nur selten gefährlich werden (abgesehen von einigen Rüpeln, die sich – egal wie eng es ist – rechts an wartenden Autos vorbei drängen und dabei mit ihrem Lenker Spiegel beschädigen oder Kratzer in den Lack machen). Manche Fahrradfahrer ignorieren auch den Umstand, dass das Auto gewinnt, sollten sie bei rot über die Ampel fahren und plötzlich kommt ein Autofahrer von der Seite angebraust. Ansonsten sind manche Fahrradfahrer einfach nur ärgerlich und gefährlich für Fußgänger. An einer roten Ampel anzuhalten fällt offenbar vielen Fahrradfahrern deutlich schwerer, wenn es sich nur um einer Fußgängerampel handelt. Entweder wird der Fußgänger zur Seite geklingelt oder man schlängelt sich durch die Fußgänger, die gerade die Ampel überqueren, durch. Der Konflikt mit den Fußgängern ist auch bei Bushaltestellen anzutreffen, bei denen der Fahrradweg zwischen Straße und Wartezone verläuft (die Stadtplaner, die so nen Mist verzapfen, gehören eigentlich eingesperrt). Und dann gibt es noch die Fahrradfahrer, die sich – egal wie voll es ist – mehr oder weniger ohne Rücksicht auf Verluste durch Fußgängerzonen oder Bürgersteige bewegen. Ärgerlich wird es vor allem dann, wenn ein ausgewiesener Radweg (der auch benutzbar ist) vorhanden ist, der von den Fahrradfahren aber ignoriert wird.

Gefährlich für Fußgänger und für sich selbst verhält sich ein Radfahrer dann, wenn er bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs ist. Ist er dann auch noch dunkel bekleidet, ist er für Autofahrer und Fußgänger fast unsichtbar. Beim Autofahrer hilft da auch kein Schulterblick mehr. Und ein Fußgänger, der nicht ganz genau hinschaut, könnte dem Fahrradfahrer in den Weg laufen. Beim Licht geht es also nicht nur darum, dass der Fahrradfahrer genug sieht (habe ich auch schon als Begründung gehört), sondern vor allem darum, dass er auch von anderen gesehen wird. Deshalb ist es auch wichtig, helle Kleidung oder eine Warnweste zu tragen, um gut gesehen zu werden.

Die Fußgänger

Fußgänger sind die schwächsten Teilnehmer im Straßenverkehr und haben somit die meisten Rechte. Das bedeutet nicht, dass sich Fußgänger per se gar nicht rücksichtslos verhalten können. Im Gegenteil! Das fängt allein schon bei Hundebesitzern an, die auf der einen Seite des 10 Meter breiten Bürgersteigs laufen, während ihr Hund auf der anderen Seite läuft und man dadurch quasi gezwungen wird, über die Leine, die sich über den gesamten Bürgersteig zieht, drüber zu steigen. Dann habe ich häufig schon feststellen müssen, dass Fußgänger ohne nach rechts und links zu blicken auf den Fahrradweg laufen. Fahrradfahrer müssen dann beherzt ausweichen oder bremsen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Und so richtig ärgerlich sind Fußgänger, die kurzerhand den Fahrradweg für sich einnehmen und sich auch nicht von Fahrradfahrern, die es dann auch noch wagen zu klingeln, von dort vertreiben lassen. Auch an roten Fußgängerampeln kommen Fußgänger gerne Fahrradfahrern in die Quere. Hat man als Fußgänger noch einigermaßen Respekt vor herannahenden Autos, werden Fahrradfahrer manchmal komplett ignoriert und man springt in der Hoffnung, dass der Fahrradfahrer schon ausweichen wird, einfach auf die Straße. Und manch einer fordert seinen Schutzengel noch mehr heraus, indem er einfach zwischen parkenden Autos auf die Straße springt, ohne zu prüfen, ob da vielleicht irgendwo ein Auto kommt.
Für manche Fußgänger gilt auch gegenüber anderen Fußgängern keine Rücksichtnahme. Viele gucken nicht, wohin sie laufen und erwarten, dass die anderen Fußgänger schon Kollisionen vermeiden werden.

Fazit

Man sieht also, dass jeder seinen Teil zur gegenseitigen Rücksichtnahme beitragen kann und sollte. Es betrifft alle Gruppen von Verkehrsteilnehmern, aber zum Glück immer nur einen Teil und nie ausnahmslos alle. Autofahrer stellen die größte Gefahr für alle anderen Verkehrsteilnehmer dar, da bei ihnen bei einem Unfall mit einem der anderen Teilnehmer am wenigsten passieren kann. Und auch wenn es durchaus Unfälle gibt, wo Fußgänger schwerer als beteiligte Fahrradfahrer verletzt werden, ist der Fahrradfahrer derjenige, der von allen Gruppen am gefährdetsten ist.

Niemand kann und sollte allein von „Kampfradlern“ reden, wenn er nicht auch die rücksichtslosen Teilnehmer der anderen Kategorien beachtet. Und wenn sich nicht Städteplaner und Politik mehr mit den Ursachen dieser Problematik beschäftigen, wird der Straßenkrieg zwischen den unterschiedlichen Kampfteilnehmern (zu Lasten aller rücksichtsvollen Verkehrsteilnehmer) weitergeführt.

Kein deutscher Ausweis? Dann meide die Bahn!

Wer keinen deutschen Ausweis hat, der sollte die Bahn meiden. Dieser Eindruck wird zumindest von einem recht ungehörigen Vorfall vermittelt. Ein Redakteur des Spiegels bekam das Drama um die russische Psychologie-Studenten Asya live mit und hat die Ereignisse teilweise mit seinem Handy aufgenommen, auch wenn die Bundespolizei versucht hat, ihn dabei zu hindern.

Der Artikel (mit dem veröffentlichen Spiegel-Artikel und dem Video) ist hier zu finden: http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/bahnkundin-ohne-deutschen-pass-von-polizei-abgefuehrt-a-894980.html

Die junge Studentin hatte ihr Zug-Ticket online gebucht. Wer schon mal ein Online-Ticket bei der Bahn gebucht hat, wird wissen, dass man dort ein Dokument zur Identifikation angeben muss. Das kann der Personalausweis sein, die Bahncard, die EC- oder Kreditkarte. Nun hatte Asya offenbar als Ausweisdokument den Personalausweis ausgewählt und dort die Ausweisnummer ihres russischen Passes eingetragen, wie sie es immer macht. Bisher gab es dabei wohl auch keine Probleme. Aber es gibt natürlich Tage, an denen gerät man an jemanden, der Dienst nach Vorschrift macht und dabei keine Gnade kennt. Ich kenne so pingelige Leute. Die sind auch privat scheiße.

Im Grunde hatte die Zugbegleiterin Recht: das Ticket war nicht gültig, weil das Ausweisdokument nicht den Bestimmungen entsprach. Diese Bestimmungen gibt es, weil die Bahn (womöglich zu Recht) Angst hat, dass Online-Tickets mehrfach genutzt werden. Insofern kann nur das Ticket seine Gültigkeit besitzen, dessen Gültigkeit nachweisbar ist.

Das könnte übrigens auch passieren, wenn man statt seiner Personalausweis-Nummer die Nummer seines deutschen Reisepasses eingibt. Denn es wird ausdrücklich der Personalausweis verlangt.

Anstatt die Reisende, die das Ticket ja gekauft und auch bezahlt hat, darauf hinzuweisen, dass es problematisch ist, statt des Personalausweises einen anderen Pass zu verwenden, wird sie wie eine Schwarzfahrerin behandelt. Die Möglichkeit, den Sachverhalt zu klären, wurde ihr genau genommen nicht gegeben. Stattdessen wurde sie an der nächsten Station von der Bundespolizei aus dem Zug gezerrt.

Nachdem durch die Bundespolizei gegen Asya wegen Hausfriedensbruchs ermittelt wurde, sie aber im Gegenzug Anzeige gegen die Zugbegleiterin und die Bundespolizei erstattet hat, wurden die Ermittlungen inzwischen wohl eingestellt. Auch die Bahn hat ihr ein Entschuldigungsschreiben zukommen lassen.

Aber muss es denn immer erst soweit kommen, dass die Bahn ihr Bedauern ausdrücken muss? Arschloch-Zugbegleiter gibt es, die werden dadurch auch nicht plötzlich besser. Arschlöcher schmeißen selbst Kinder bei Minusgraden mitten in der Nacht an wildfremden Bahnhöfen raus. Arschlöcher akzeptieren auch nicht, wenn die Bahncard gerade mal einen Tag abgelaufen ist und man die neue Bahncard zu Hause vergessen hat. Arschlöcher akzeptieren nicht, dass man im Tarifdschungel das falsche Ticket gelöst hat. Arschlöcher akzeptieren auch nicht, wenn der einzige Ticket-Automat am Bahnsteig nicht funktioniert.

Oh, einen Arschloch-Zugbegleiter habe ich noch: Jemand hat ein Spar-Ticket. Der Zug verspätet sich und der Anschlusszug ist nicht mehr zu erreichen. Wegen der Zugbindung kann das Ticket eigentlich nicht mehr genutzt werden, aber der Fahrgast hat natürlich das Recht, sich am Info-Schalter einen Ersatz ausstellen zu lassen. Wenn man allerdings an einem Bahnhof strandet, an dem es keinen Info-Schalter gibt, befindet man sich in der tollen Situation, dass man sich die Verspätung vom Zugbegleiter des verspäteten Zugs bestätigen lassen muss. Dann muss man sich ein neues Ticket kaufen, mit dem man dann zu seinem Zielbahnhof fahren kann. Dort kann man sich dann, wenn ich das richtig verstanden habe, das Ticket erstatten lassen oder sich telefonisch oder postalisch an den Kundenservice der Bahn wenden. Blöd nur, wenn man keine EC- oder Kreditkarte dabei hat, um am Automaten das Ticket zu kaufen. Blöd auch, wenn man sich mit diesen Bestimmungen nicht auskennt, weil man sowas grundsätzlich erst dann weiß, wenn es einem schon mal passiert ist.

Wer jetzt also den anschließenden Zug nutzt (was ja logisch wäre), der darf sich dann vom Zugbegleiter, so er denn ein Arschloch ist, anschnauzen lassen, dass das Ticket nicht gültig ist. Natürlich ist er dann schwarz gefahren und muss den doppelten Fahrpreis zahlen oder wird am nächsten Bahnhof von der Bundespolizei abgeholt. Nach einigem hin und her und Intervention durch einen freundlichen Fahrgast, konnte zumindest das Problem des Schwarzfahrens abgewendet werden. Auch hier gab es im Anschluss ein Entschuldigungsschreiben der Bahn.

Olympia London 2012

Über meine Arbeit als Systemadministrator blogge ich ja nun wirklich selten. Na ja, so viel spannendes gibt es ja auch nicht zu erzählen, denn der Alltag eines Systemadministrators besteht viel aus Routine und ist so gesehen nicht besonders aufregend, auch wenn man sicherlich mit Geschichten über Kollegen und Kunden (wenn man, so wie ich, in einem IT-Systemhaus gearbeitet hat oder dort arbeitet) viele Seiten lustiger oder verstörender Anekdoten füllen könnte. Das aufregendste, was mir passiert, ist immer dann, wenn ich mit dem Flugzeug unterwegs bin. Das liegt aber nicht am Ziel, sondern mehr am Weg, denn mit meiner leichten Flugangst ist jeder Flug ein großes Abenteuer für mich.

Eine Woche vor Beginn der Olympischen Spiele in London hat mich mein Arbeitgeber genau dorthin geschickt. Ziel war es, eine funktionierende IT-Infrastruktur in unserem Pressebüro im olympischen Main Press Center (MPC) aufzubauen, damit die Redakteure und Fotografen sorglos arbeiten können.

Meine Ankunft in London Heathrow war Dienstag morgens um ca. 7:30 Uhr GMT. Mit der U-Bahn bin ich dann direkt nach Stratford gefahren – immerhin über eine Stunde war ich unterwegs. Dort habe ich meine Tagesakkreditierung entgegen genommen und nochmal ca. 45 Minuten bis zum MPC benötigt, denn einen direkten Weg gibt es nicht, sondern man wird mit einem Shuttle-Bus (typisch Londoner rote Doppeldecker) einmal rund um den Olympic Park zum MPC gefahren. Vorher muss man noch durch eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen (mit Metalldetektoren und Röntgengeräten für Taschen), die mit Soldaten besetzt ist, da das private Sicherheitsunternehmen G4S nicht genügend Personal zur Verfügung stellen konnte, so dass ca. 3/4 der olympischen Sicherheitskräfte aus dem Militär abgestellt wurden.

Endlich im Büro angekommen, musste ich feststellen, dass von den neun Paketen, die ich per UPS verschickt hatte und die wichtige Technik enthielten, nur sieben angekommen waren. Das Paket mit den Switches kam dann noch im Laufe des Tages, das letzte fehlende Paket mit dem Ersatzdrucker hatten wir am Mittwoch in den Händen. Doch damit waren noch nicht alle Probleme gelöst. Von der Olympia-Orga haben wir zwar eine USV zur Verfügung gestellt bekommen, aber keine Steckdosenleisten. Außerdem waren die Kabel der fünf TV-Geräte viel zu kurz, so dass diese nicht in eine Steckdosenleiste gesteckt werden konnten. Ich habe mich also in Stratford umsehen müssen, ob ich irgendwo Steckdosenleisten und Verlängerungskabel bekomme. Man möchte meinen, dass das nicht so schwer sein kann – in Stratford war es nicht einfach. Nach mehreren Einkaufstouren durch die neue Mall am Olympic Park und durch das ältere (und deutlich billigere) Stratford Center, hatte ich dann aber die wichtigsten Komponenten zusammen, um die IT zum Laufen zu bringen. Steckdosenleisten für die USV habe ich aber keine erhalten, die musste ich in Deutschland bestellen und direkt in unser Büro im MPC schicken.

Von London habe ich, obwohl ich drei Tage dort war, leider nur sehr wenig gesehen. Am Mittwoch bin ich am frühen Abend mit einem der Shuttle-Busse, die zwischen den Presse-Hotels und dem MPC pendeln, durch London gefahren, die Fotos, die dabei entstanden sind, sind aber qualitativ so schlecht, dass ich sie kaum veröffentlichen mag.

Bei meinem Olympia-Besuch in London sind mir einige Dinge aufgefallen. Insbesondere ist es recht verstörend, wenn 2/3 der Leute, die einem dort begegnen, Soldaten sind. Ok, in der Woche, in der ich da war, war dort noch nicht viel Betrieb und jetzt, wo die olympischen Spiele laufen, fallen die Soldaten wohl nicht mehr so ins Gewicht. Aber schön ist es trotzdem nicht. Es wäre angenehmer, liefen diese Soldaten in „ziviler“ Uniform des Sicherheitsdienstes herum. Andererseits bin ich mir gar nicht so sicher, ob das rechtlich überhaupt machbar wäre.
Die andere Sache ist das Essen: leider ist nur der Fraß von McDonald’s dort zu humanen Preisen erhältlich. Wenn man für eine kleine und qualitativ minderwertige Pizza 8,50 GBP bezahlen muss, also umgerechnet fast 11 €, bleibt einem kaum was anderes übrig, als zu hungern oder McDonald’s aufzusuchen. Wenigstens die Preise für einen Kaffee im MPC waren in Ordnung. Für 1,95 GBP (knapp 2,50 €) bekommt man dort einen 0,2 l Fair-Trade-Kaffee, der auch ganz passabel schmeckt. Starbucks ist da nicht günstiger.

Religion im Überfluss

Ich zitiere mal einen klugen Menschen (oder zumindest einen klugen Satz dieses Menschen): „Religionen kann man doch gar nicht beleidigen, Religionen sind eine Beleidigung. Eine Beleidigung jeglichen gesunden Menschenver­standes.“ – Schockwellenreiter

Ursächlich für diese Aussage war, dass sich Jörg Kantel über die katholische Kirche erzürnte, da der Kölner Kardinal Joachim Meisner seinen katholischen Dunst zum Thema Abtreibung losgelassen hat, nach dem Motto: Abtreibung ist Mord. Ok, nix Neues. So mancher klerikaler Hirnfurz besteht aus solchen und ähnlichen Aussagen.

Der sprichwörtliche Zorn „Gottes“ fährt aber nun auf Jörg Kantel in Form einer ziemlich weltlichen Strafanzeige herab. Ob es nun daran liegt, dass er den Kardinal als „Ayatollah von Köln“ bezeichnete oder als „Hassprediger“? Vielleicht war es auch die Bezeichnung „Kinderficker-Sekte“ für die katholische Kirche? Man weiß es nicht…

Die Staatsanwaltschaft ermittelt zumindest wegen „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religions­ge­sell­schaften und Weltanschauungsvereinigungen“, das ist § 353d im Strafgesetzbuch. Dieser Mittelalterparagraph steht übrigens laut UN-Menschenrechtskommission in einem Missverhältnis zu den allgemeinen Menschenrechten, was aber die deutsche Gerichtsbarkeit nicht davon abhalten muss, zu Ungunsten desjenigen zu urteilen, der da „beschimpft“ hat. Und bis man sich dann mal zu einem Gericht durchgekämpft hat, welches sich für die Menschenrechte interessiert, kann es ein weiter Weg sein.

Da bedeutet nicht, dass man grundsätzlich straffrei aus einer solchen Sache herauskommt, wenn man was böses über Religionen schreibt (und einen langen Atem beweist). Wenn ich das korrekt verstanden habe, ist man jedoch so lange aus der eher sicheren Seite, wenn man nicht zu Hass und Gewalt aufruft, sondern sich die Beschimpfung lediglich in allgemeiner Kritik an der Religion oder Weltanschauung äußert. Riefe ich „Verbrennt alle Christen!“, wäre das strafbar. Würde ich nur sagen „Das Christentum ist eine Verarsche von vorne bis hinten“ ist es ok. Insofern dürfte der Schockwellenreiter wenig zu befürchten haben, wenn er die katholische Kirche als „Kinderficker-Sekte“ bezeichnet (denn das ist ja leider auch die traurige Wahrheit, dass die katholischen Kleriker gerne mal die kleinen Jungs an ihre kleinen Lümmel heranführen). Und Joachim Meisner als „Hassprediger“ und „Ayatollah von Köln“ zu bezeichnen ist wohl kaum eine Beschimpfung der Religionsgesellschaft, sondern des Kardinals – und darum geht es hier ja gar nicht.

Aber es ist schwierig, sich vor den weltlichen Befindlichkeiten von Hardcore-Christen zu schützen, denn die hetzen einem erstmal die Staatsanwaltschaft auf den Hals. Da lobe ich mir doch die Islamisten – da weiß man, was man hat! Die drohen mit Mord und zünden einem die Wohnung an, wenn man ihren Mohammet auch nur schief anguckt. Da stellt sich der Staat dann sogar schützend vor einen. Die Juden hingegen sind vermutlich absolut harmlos. Mag sein, dass Frau Knobloch mal einen offenen Brief schreibt und mit dem Zeigefinger droht, aber die Juden haben sich schon seit Jahrhunderten (oder Jahrtausenden) ihrem Schicksal ergeben, immer diejenigen zu sein, die man beim Völkerball als letztes in seine Mannschaft holt. Immerhin hat es die christliche Religion inzwischen geschafft, die Juden nicht weiter auszurotten.

Der Rest ist meist Frickelwerk aus verschiedenen Konfessionen – wobei da die Christen noch die Mehrheit sind. Zeugen Jehovas, Neuapostolen, Baptisten… und noch ein paar lustige: die xenuphoben Scientologen, FSM, IPU

(Man möge verzeihen, dass ich auf asiatische Religionen nicht eingehe, da ich von denen nichts weiß – sind vermutlich größtenteils von Christen ausgerottet worden)

Andere Religionen wie die heidnischen Wicca gibt es noch vereinzelt, aber gelten Dank christlicher Gründlichkeit als ausgerottet.

Odin sei Dank bin ich Atheist 😀