Geeks und Nerds und Abmahnungen

Man sollte meinen, dass die Begriffe „Geek“ und „Nerd“ so allgemein gebräuchlich sind, dass man sie so verwenden kann, wie man möchte. Immerhin ist der Begriff „Nerd“ spätestens seit 1950 bekannt, der „Geek“ sogar noch länger (wenn auch mit etwas anderer Bedeutung). Man sollte also auch meinen, dass man niemandem weh tut, wenn man einen Shop betreibt, bei dem sich der Nerd sein Geek-Spielzeug bestellen kann. Ebenso sollte man auch meinen können, dass niemand einem deswegen auf die Füße treten kann.

Dass es in der Realität doch immer etwas anders kommt, das erfährt gerade mein bevorzugter Shop für Nerd/Geek-Zeug. getDigital ist vor einigen Tagen von einer dubiosen Firma „Trade Buzzer UG“ aus Berlin in meiner unmittelbaren Nachbarschaft (die sitzen in der Nähe des Mierendorffplatzes in einem Mehrfamilienhaus, das ist gerade mal eine U-Bahn-Station entfernt) abgemahnt worden, die sich vor gar nicht all zu langer Zeit „Geek Nerd“ als Marke schützen ließ. Und wie es der Zufall so will, ist diese „Trade Buzzer UG“ oder zumindest der Geschäftsführer auch schon mit anderen vergleichbaren Abmahnumtrieben aufgefallen. Da überrascht es nicht, dass auch der abmahnende Anwalt kein unbeschriebenes Blatt ist.

Natürlich wehrt sich getDigital gegen diesen Stuss. Und ich muss wohl auch kaum beide Daumen drücken, damit die Anwälte und Gerichte, die sich mit dieser überflüssigen Trollerei auseinander setzen müssen, erkennen, sich gegen „Trade Buzzers UG“ zu entscheiden.

Wer den Blogeintrag dazu bei getDigital lesen möchte, der klickt bitte hier.

Picknick verboten

In manchen Städten werden LAN-Parties verboten, weil dort Amokläufer ausgebildet würden, in Gießen werden Gothic-Veranstaltungen verboten, weil die Musik „menschenverachtend“ sei, und in Braunschweig werden Flashmobs verboten, weil Picknick die öffentliche Ordnung gefährde.

Wie sagte doch einst der Freidenker Goethe? „Erlaubt ist, was gefällt.“

Natürlich lässt sich dieses Zitat nicht immer anbringen, denn wenn es mir gefällt, meinen Chef blau anzumalen, ist das nicht unbedingt auch erlaubt. Aber im Umkehrschluss sehen es manche niederrangige Regionalpolitiker oder einfache Stadtangestellte wohl so, dass nicht erlaubt ist, was ihnen nicht gefällt. Ich kann hier auch nur die Vermutung äußern, dass die Motivation, die da hinter steckt, eine ganz schlichte Machtdemonstration ist, um zu zeigen, wer der Boss ist.

Kommen wir zum Thema „Picknick“. Ein Picknick ist ein geselliges Ereignis, bei dem eine kleine Gruppe von Menschen sich für gewöhnlich auf einem Stofftuch zusammen setzt, um zu essen und zu trinken. Laut Wikipedia ist Picknick schon seit der Antike bekannt, also ein kulturelles Ereignis, welches seit Jahrtausenden praktiziert wird. Und genau dieses Ereignis wurde nun in Braunschweig verboten. Um ehrlich zu sein, ist nicht das Picknick an sich verboten, sondern nur das Picknick, welches im Rahmen eines Flashmobs veranstaltet wird, wenn sich also mehrere Picknicker zur selben Zeit am selben Ort einfinden, um ein größeres Picknick dort zu veranstalten. Die Gefahr, die von so einem Massen-Picknick ausgehe, wird vom Braunschweiger Ordnungsamt so beschrieben: die Sandsteinpflaster vor dem Schloss seien teuer. Auf die Frage des „Veranstalters“, warum „samtene Decken“ der Picknicker die ach so teuren Sandsteinpflaster mehr gefährden als Tausende Frauen, die täglich mit ihren High-Heels über den Platz stolzieren, gab das Ordnungsamt Braunschweig keine Antwort mehr.

Auch der Gedanke an eine Anmeldung einer Demonstration wurde im Keim erstickt, indem das Ordnungsamt Braunschweig dem „Veranstalter“ mitteilte, dass ein Picknick auf einer Demonstration „eine nicht genehmigungsfähige Sondernutzung“ darstelle, was ich übrigens für ausgemachten Quark halte. Eher hat sich hier das Ordnungsamt zu einer vorsätzlich falschen Auskunft hinreißen lassen, nur um Angst zu machen. Ich habe noch nie etwas davon gehört, dass ein Picknick auf einer Demonstration nicht erlaubt sei – ganz im Gegenteil! So kann sich eine Demonstration auch allein auf ein Picknick beschränken.

GEMA und Klingeltöne

Auch wenn mich mein Arbeitskollege Rössi schlägt, weil er bei meinen ganzen Artikeln nicht mehr mit dem Lesen hinterher kommt, werde ich nun ein wenig in die Zukunft blicken. Die USA sind ja nun in vielerlei Hinsicht Vorreiter, was unser Rechtssystem angeht und auch wie sich Wirtschaft und Trends entwickeln. Gestern berichtete Heise, wie die US-Verwertungsgesellschaft ASCAP (American Society of Composers, Authors, and Publishers) nun auch der GEMA eine Vorlage geben könnte, zukünftig in Deutschland auch noch für ein wenig weiteren Unmut zu sorgen. Die ASCAP behauptet nämlich, dass Klingeltöne eine öffentliche Aufführung der Musikstücke seien und somit Abgabenpflichtig wären. Die us-amerikanischen Telekommunikationsanbieter wehren sich natürlich gegen diesen groben Unsinn und werden da mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Recht behalten. Dass es der ASCAP dabei vermutlich weniger darum geht, die Rechte der Musiker und Komponisten zu vertreten, sondern einfach nur einen Anteil am offenbar florierenden Klingeltonmarkt zu erhalten, also ordentlich Asche einzustreichen, sei mal dahin gestellt.

Und genau das kann ich mir bei der GEMA vorstellen. Nachdem ja nun auch USB-Sticks mit Urheberrechtsabgaben belegt werden sollen (auch wenn das jetzt nicht gerade – zumindest ausschließlich – von der GEMA ausgeht) und viele weitere elektronische Geräte wie Drucker und Scanner sowieso schon mit Urheberrechtsabgaben belegt sind, wird es den deutschen Rechteveredelernwertern nicht schwer fallen, auf die Idee zu kommen, dass man auch Klingeltöne nochmal zusätzlich besteuern könnte, wobei ich mir vorstellen kann, dass diese Abgaben, von denen der Künstler selbst vermutlich gar nichts bekommt, schon längst für den Download gezahlt werden. Aber man könnte ja nochmal zusätzlich in die Tasche greifen: jedes Mal, wenn das Handy klingelt (also wenn ein Anruf reinkommt), müssten dann nochmal Urheberrechtsabgaben gezahlt werden. Das würde zumindest für die Rechteverwerter ein lukratives Einkommen sein.

Dass es unter den Rechteverwertern und Musikindustriellen offenbar auch Leute gibt, die entweder nicht über ihren eigenen Tellerrand sehen können oder grundsätzlich geistige Tiefflieger sind, beweist die Aussage von Musikverbandschef Dieter Gorny, der den Raubkopien im Internet die Schuld an der jährlich immer schlechter besuchten Musikmesse popkomm gibt. Es ist ja auch einfacher, sich einen passenden Sündenbock zu suchen, statt das Versagen der Musikindustrie auf die hauseigene Politik zurück zu führen und sich mal Gedanken zu machen, wie man was an der Schieflage ändern  könnte. Außerdem könnte es auch daran liegen, dass zu viel (oder fast ausschließlich?) Scheiße produziert wird, also kurzlebige Pop-Trends wie Tokio Hotel (na ja, immerhin haben die es zu einem zweifelhaften Ruhm für etwas längere Zeit geschafft) oder irgendein Murks, der durch DSDS verbockt wird. Dass die Pop-Kultur quasi gestorben ist, weil sich nach nur kurzer Zeit niemand mehr für den „Künstler“ interessiert und ihn über kurz oder lang einfach in Vergessenheit geraten lässt, weil es einfach nicht gut genug ist, scheint den Damen und Herren in ihren weichen Kaschmir-Sesseln wohl gar nicht in den Sinn zu kommen.

Killerspiele-Verbot

Heute hat die VollpfostenMinisterkonferenz in Bremerhaven den Beschluss gefasst, die Herstellung und Verbreitung so genannter „Killerspiele“ zu verbieten, um somit weiteren Amokläufen an Schulen vorzubeugen. Das ganze klingt erstmal sehr edel, ist aber beim genaueren Hinsehen absolut idiotisch. Ganz davon abgesehen, dass es genügend Quellen geben wird, wo man solche Spiele statt im offiziellen Handel erwerben kann, spricht doch die Vernunft eines normalen Menschen, der mit einem IQ höher als 80 gesegnet ist, dass man mit so einem Verbot gar nichts erreicht, außer ein bisschen für populistische Schlagzeilen zu sorgen.

Jeder, der bei der Bundeswehr ist, ein Polizist ist oder sich in einem Schützenverein betätigt (ich werde diese Aufzählung der Einfachheit weglassen und allgemein von „Schützen“ schreiben), weiß, wie schwer es ist, mit einer Waffe umzugehen, wenn man nicht darin geübt ist. Für einen Laien ist es sehr schwer, bspw. mit einer Pistole um sich zu schießen und jemanden gezielt zu treffen (wenn überhaupt jemand getroffen wird). Hingegen haben Schützen eine entsprechende Ausbildung, mit solchen Waffen umzugehen.

Betrachten wir einmal den Killerspielespieler: davon gibt es tausende in unserem „schönen“ Deutschland. Wenn man einen Persönlichkeitstest aller Killerspielespieler durchführen würde, würde man sogar feststellen, dass der größte Teil ganz normal ist, ohne bemerkenswertes bzw. überdurchschnittliches Aggressionspotential. Weiterhin ist das einzige Werkzeug eines Killerspielespielers der Klick auf die linke Maustaste. Da gibt es keinen Rückstoß und das Zielen ist einfacher.

Klar, es gibt das Argument, dass Killerspiele durchaus das Potential haben, den Einzelnen gegenüber Verletzungen und Mord/Totschlag abzustumpfen – oder Aggressiv zu machen. Aber dieses Argument geistert schon seit Ewigkeiten durch die Welt der düsteren Legenden und wird immer dann gebraucht, wenn irgendwelche Leute, die viel von sich halten, aber nix in der Birne haben, mit irgendwelchen Dingen nicht umgehen können. Dieses Argument wurde auf Musik angewendet, auf Filme, vielleicht sogar vor vielen Jahrhunderten schon auf Schach. Heute sind es eben die virtuellen Welten, in denen Schlachten gegen das Böse geschlagen werden.

Dabei ziehen diese Hohlbirnen aber nicht die Möglichkeit in Betracht, dass es gar nicht auf die Freizeitgestaltung ankommt, wie sich eine Persönlichkeit eines Menschen entwickelt. Sondern es ist ein gesellschaftliches Problem, welches durch Verbote oder große Reden nicht besänftigt wird, sondern es im schlimmsten Fall sogar noch vergrößert.

Kommen wir aber zurück zum Thema: was unterscheidet nun einen Schützen von einem Killerspielespieler? Außer, dass der Killerspielespieler eine viel coolere Bezeichnung hat, ist der Schütze im Umgang mit echten Waffen geübt. Und ich denke, diese Tatsache ist ein sehr wichtiger Punkt. Die weitere Stufe ist nun die Aggregation von Killerspielespielern und Schützen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es davon auch eine Menge gibt. Aber wenn man sich mal die Täter von Amokläufen mit Schusswaffen anschaut, waren sie alle im Schützenverein, waren Waffennarren oder haben eine anderweitige Ausbildung an Schusswaffen genossen. Die wenigsten haben Killerspiele gespielt. In den meisten Fällen, in denen Amokläufer auch diese Spiele gespielt haben, konnte nicht mal wirklich ein schlüssiger Bezug zwischen Spielen und Tat hergestellt werden – außer natürlich, dass sich solche Spiele im Besitz des Täters befanden.

Doch weil man die Lobby der Waffenindustrie und der Schützen nicht verärgern möchte, nimmt man lieber die weitaus harmloseren Industriezweige aufs Korn und schiebt diesen dann den schwarzen Peter zu. So einfach ist das: denn was noch nicht traditionsgebunden ist, lässt sich auch schneller und einfacher wieder verdrängen.

Wer jetzt also behaupten möchte, dass ein Killerspielespieler eine höhere Gefahr darstellt, als jemand, der im Umgang mit Waffen geübt ist und ohne größere Umstände an Schusswaffen heran kommt, den bitte ich, von der Lektüre meines Blogs abzusehen und sich lieber wieder der BILD-Zeitung zu widmen, sofern die nicht schon zu anspruchsvoll für ihn ist. Allen anderen sage ich, dass ein Amokläufer keine „Übung“ durch Computerspiele benötigt, um seine Tat zu begehen.

Vorlesen verboten

Schon wieder hat sich eine Rechteverwertungsgesellschaft einen weiteren Schritt hin zur Maßlosigkeit bewegt. Zwar ist es noch nicht die VG Wort, sondern bislang „nur“ die us-amerikanische Authors Guild, aber es bleibt zu erwarten, dass auch die Damen und Herren in Deutschland mit diesem oder einem ähnlichen Unfug von sich aufmerksam machen. Die Rede ist davon, dass die Authors Guild die Vorlesefunktion des neuen E-Book-Readers von Amazon als Rechteverletzung ansieht. Das Recht, ein Buch laut vorzulesen, müsse nach Ansicht des Chefs der Author Guild, Paul Aiken, gesondert erworben werden.

Wenn man der Logik folgt, würde das bedeuten, dass derjenige, der ein E-Book – oder eben auch ein ganz normales Buch – laut vorliest, Bestimmungen des Copyrights verletzt (die Vorlesefunktion kann man ohne weiteres mit einem menschlichen Vorleser ersetzen). Durch das Vorlesen wird zwar keine Kopie des Werkes erstellt – das ist auch gar nicht nötig. Schließlich handelt es sich beim lauten Vorlesen  nach Maßgabe des US-Copyrights um eine öffentliche Vorführung.

Wieweit diese unsinnige Argumentation der Authors Guild allerdings Bestand haben wird und ob sich vergleichbares auch in Deutschland bspw. durch die VG Wort (Hallo Leute, ich benutze meinen Scanner und meinen Drucker nur, um persönliche Dokumente einzuscannen bzw. zu drucken, Bücher kopiere ich nicht, also hätte ich gerne die ca. 30 € an euch abgetretenen Urheberrechtsabgaben wieder) ereignen kann, wird sich mit der Zeit zeigen…

Quelle: heise.de